Der rabenschwarze Ritter

Version 2

Sein schwarzes Haar
glich glänzend einem Raben,
sein Augenpaar
ein Leuchten in der Nacht.
Es schien, als sei erhaben
und wunderbar
mit guten Königs Gaben
aus Mythen er erwacht.

Fremd war das Land,
verändert durch die Zeiten,
ihm unbekannt
der Menschen neue Welt.
Ihr rollend Rasen, Gleiten
er seltsam fand,
anstatt zu Ross zu reiten,
wie ’s einst bestellt.

Es fehlten Wald
und Felder, Gärten, Wiesen.
Versiegelt, kalt,
die Landschaft betoniert.
Kein klarer Fluss konnt‘ fließen,
auch wollt‘ so bald
kein Schmetterling ihn grüßen,
kein Vogel tiriliert‘.

Dort in der Stadt
traf er nun auf Passanten,
die seltsam matt
nur sah’n auf ihre Hand,
als ob sie sonst nichts kannten.
Nicht einer hat
direkt mit Anverwandten
geredet, keiner stand.

Als hätt‘ Magie
hier aller Tun beschworen,
so gingen sie
an ihm vorbei im Schritt.
Sie schienen so verloren,
als seien sie
zum Menschsein nie geboren,
nur Puppen da im Tritt.

„Ein böser Fluch
muss‘ wohl auf ihnen liegen.
Kein Blickversuch‘,
von Liebe zart erfüllt,
kein aneinander Schmiegen,
wo warm im Tuch
man sanft mag Kinder wiegen!
Nur Kälte herrscht, enthüllt!

Bin Retter ich?“,
fragt da der kühne Recke
nun so für sich,
„Bin ich dazu gedacht,
damit ich sie erwecke,
ihr Menschen-Ich
befrei aus dem Verstecke,
des Zaubers böser Macht?

Wo find ich den,
der Menschlichkeit hier raubte
und Flüsse, Seen,
die Landschaft hat zerstört,
das Schöne, lieb Geglaubte
ließ so vergeh’n,
die Pflanzenwelt entlaubte,
obwohl’s ihm nie gehört‘?“

Das Mädchen las
ihr fremd im Buch die Zeilen,
und sie vergaß
die ungeliebte Pflicht,
zum Aufräumen zu eilen.
Es machte Spaß,
in Träumen zu verweilen,
voll Rätsel der Bericht.

Wie Batman gar
wollt ihr der Mann erscheinen,
der hier nun war
als Retter in der Not.
„Könnt‘, was entzweit, er einen
und wunderwahr
wär‘ dann Natur im Reinen
und alles recht im Lot?

Doch wie sollt’s geh’n?
Wie wär die Welt zu heilen,
wenn Flüsse, Seen
nur noch Kloaken sind?
Wo würde man verweilen,
wenn nichts mehr schön,
nur Steine, Wüstenmeilen
verstauben blind im Wind?

Er kommt zu spät,
so kann er kaum noch retten,
was längst verschmäht,
von Menschen falsch gemacht,
die ihre Hochhaus-Ketten
ins Land gesät
so dicht an dicht wie Kletten,
Wald in Beton verbracht.

Jetzt ist die Zeit,
noch kann man es verhindern!
Ich bin bereit,
zu retten die Natur,
verwehr ’s, sie auszuplündern!!
Ich bin so weit
und werd‘ mit andern Kindern
hier schützen Baum und Flur!“

Erkenntnis, rein,
wird sie sie wohl bewahren?
Erwachsensein
lockt oft auf falsche Spur.
Und doch,trotz Trott nach Jahren,
seh’n ’s manche ein,
was sie als Kind erfahren,
und schützen die Natur.

© Text und Foto / Ingrid Herta Drewing,2018

Naturwidrig

Bewaffnet lauern nun die Zwerge,
dort wo man eindrang in ihr Reich,
nicht sicher mehr dort in den Bergen
und weit entfernt vom großen Teich.

Der Mensch,von Märchen weit entfernt,
den schert nicht Wiese, Wald und Wicht,
hat auszubeuten gut gelernt,
übt selten nur noch den Verzicht.

Spielt sich hier auf als Herr der Erde,
mäht alles nieder, was ihn stört,
und glaubt, dass er im Recht wohl wäre,
weil ihm das alles ja gehört.

Die kleinen Trolle, sanfte Elfen,
sie wirken zart zwar mit Magie
doch wissen sie sich kaum zu helfen,
erfleh’n, Natur behüte sie!

Natur verleiht der Erde Macht,
zeigt es dem Menschen, Kräfte sprechen.
Was Hochmut hier zu Fall gebracht,
könnt sich bald bitter an ihm rächen.

© Ingrid Herta Drewing,2016

Nachhaltigkeit

Es gab mal eine Zeit, da waren Tüten
beim Einkauf rar, fast eine Seltenheit;
man brachte die Gefäße mit, bemühte
sich hauszuhalten, schätzte Sparsamkeit.

Heut’ ist Verschwendung üblich, auch Papier
wird massenweise täglich hier verbraucht.
Die Bäume sterben, Wald verschwindet leise.
Was grünte, blühte, geht dahin im Rauch.

Wir sollten uns genügsam doch besinnen
auf das, was wesentlich, was wirklich zählt:
Ressourcen schätzen, sparen, neu beginnen,
den Nutzen wägen, sorgsam ausgewählt.

Damit der Menschen Zukunft auf der Erde
gesichert sei und lebenswert auch werde.

© Ingrid Herta Drewing

Klimagipfel in Paris

Nasskalt und grau,
aus allen Wolken fällt der Regen.
Dezember zeigt ein trüb‘ Gesicht;
kein Sternen-Zauber auf den Wegen,
kein Schneepelz mag die Bäume hegen,
die kahl in der Alleen Sicht.

Seid endlich schlau,
und wendet menschliches Versagen!
Benennt es klar, seht eure Pflicht!
Das Klima greift uns an den Kragen;
mit Hitze, Sturm,Hochwasser-Plagen
zeigt es, den Hochmut duldet’s nicht.

Nicht noch mehr Schau,
wie vorgeführt seit vierzig Jahren!
Gebt doch der Wissenschaft Gewicht!
Ihr wisst um Fakten, habt’s erfahren,
es gilt die Erde zu bewahren
als Lebensraum, der Kinder Licht.

Löst auf den Stau!
Schon Club of Rome sah Wachstumsgrenzen.
Ressourcen-Knappheit heißt Verzicht
auf vieles, was nur Luxus-Glänzen,
dieweil in Not viel‘ Existenzen,
Paris sei mehr als ein Bericht!

© Ingrid Herta Drewing,2015

Hitzepause

Ein Nachtgewitter brachte endlich Regen,
so mischt sich in den Morgen milde Kühle,
und man mag gern im Freien sich bewegen,
befreit von dieser drückend heißen Schwüle.

Uns plagen diese Wetterkapriolen,
das Thermometer stieg auf vierzig Grad.
Der Klimawandel zeigt jetzt unverhohlen,
dass wir zu lang gedreht am falschen Rad.

Es wäre Zeit, nun endlich klug zu handeln,
das Unsere zu tun, damit die Welt
sich hier nicht wird zur Hölle noch verwandeln,
sondern als Lebensraum uns bleib‘ bestellt.

Lasst uns bewahr’n die Wälder, die Natur,
alles zu tun, was schützt des Lebens Spur!

© Ingrid Herta Drewing

Mensch und Fortschritt

Kein Wesen auf der Erde geht so schnöde
hier mit dem Leben und den Seinen um,
verwüstet die Natur, macht sie zur Öde!
Trotz Fortschritt zeigt sich Homo sapiens dumm.

Da lässt ihn nun sein Hirn so viel ausklügeln,
verleiht ihm Flügel, bringt ihn bis ins All;
doch immer noch vermag er nicht zu zügeln
Gewalt und Kriege, Hochmut vor dem Fall!

Es sterben Mensch und Tier, das Land vergiftet,
die Meere überfischt und Öl getränkt
und wo Vernunft in Frieden Einsicht stiftet,
drängt Geldgier an die Macht, zerstört und lenkt.

Wann endet es, dies‘ ruinös‘ Verhalten
und lässt uns und den Lebensraum erhalten?

© Ingrid Herta Drewing,2015

Heimatstern

Wie eine blaue Perle leuchtend schimmert
die schöne Welt im All, wo schwarze Nacht
mit fernen Sternen in der Weite flimmert,
Planeten kreisen um die Sonnenmacht.

Auf diesem kleinen Wandelstern, dem blauen,
regt täglich sich das Leben und verwebt
sich grünend, blühend, und wir dürfen schauen,
wie alles Wesentliche wachsend strebt.

Ja, diese Erde, die uns trägt und nährt,
wir sollten sie wie einen Garten pflegen,
sie unsern Kindern lassen unversehrt,
und sie als unser aller Heimat hegen.

Nur sie gewährt dem Leben hier den Raum,
und Weltraumreisen sind Fiktion und Traum.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Ende einer Regenwald-Idylle

Weithin springen die Lemuren
in den hohen Urwaldbäumen,
Wesen wie aus bunten Träumen
einer fernen Welt.

Kennen Pflichten nicht, noch Uhren,
keine Zeit, die sie versäumen
dort in ihren grünen Räumen,
leben, wie’s gefällt.

Doch schon sind des Feindes Spuren
sichtbar,denn durch Feuers Brände
roden Menschen das Gelände;
Hunger, Gier nach Geld.

Auf die Flucht nach neuen Fluren
sich die Affen da begeben,
ringend um ein friedlich Leben,
das auch sie erhält.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Schwebe

Hoch in die Lüfte sich erheben,
so sanft im blauen Himmel schweben
wie diese Taube, die der Aufwind trägt;
in Leichtigkeit sich neu erleben,
vergessen, was ein Mensch, stets sorgend, wägt.

Beim Segelflug und Gleitschirm-Fliegen
mag mancher sich im Blauen wiegen,
ermöglicht durch die Technik; kurze Zeit
scheint er die Schwerkraft zu besiegen
und fühlen, seine Flügel tragen weit.

Jedoch gebunden hält die Erde
uns fest mit unsrem “ stirb und werde”.
Wir sind für langes Fliegen nicht gemacht.
Denn dort im Schutz der Menschen-Herde,
da wohnen wir behaust und gut bedacht.

© Ingrid Herta Drewing, 2013

Land-und Waldflucht

Jetzt ist die Zeit der Elstern und der Krähen;
sie suchen für die kalte Zeit Quartier
und finden es am Rand der Stadt; die Nähe
der Menschen bürgt mit Müll für Futter hier.

Wo auf den Feldern früher goldne Garben
den Vögeln manches Korn bereitgestellt,
da heißt es heute meistens für sie, darben,
denn dort wächst Raps, für Ökosprit bestellt.

Sie finden statt des Stoppelfeldes Hasen,
die sich vor Bauchweh krümmen, falsche Kost,
die sie mitsamt den Pestiziden fraßen.
Wer fürchtet sich da noch vor Winters Frost!

Auch Wildschweinhorden aus dem nahen Wald,
wo man die Eichenbäume dezimiert’,
sie wühlen in der Vorstadt ohne Halt
die Gärten durch; nach Futter wird gespürt.

Es spielt der Marder gerne mit Mechanik;
und parkt ein Auto, es ihm schon gehört.
Der Fahrzeughalter schimpft, gerät in Panik,
das Kabelwerk des Wagens ist zerstört.

So haben auch noch viele andre Tiere
die Stadt als neuen Lebensraum entdeckt.
Wenn sie den ihren an den Mensch verlieren,
dann nehmen sie sich seinen, aufgeschreckt.

© Ingrid Herta Drewing