Archive for the Category Besinnliches

 
 

Herbstklang

Der Mittag ruht in sanftem, goldnen Schweigen;
und Sonnenlicht kost zärtlich Wald und Flur.
Nur hin und wieder flüstert ’s in den Zweigen,
die Blätter tänzeln mit dem Wind im Reigen,
ein letztes Ernte- Lied singt die Natur.

Ich liebe sie, des Herbstes Harfensaiten,
den leisen Ton, der zart im Abschied schwingt,
wenn sich des Phönix’ Flügel rötend breiten
und im Erglühen sterbend sich bereiten
für einen Tag, der neues Leben bringt.

Ingrid Herta Drewing

Der Tod des Schmetterlings

Es starb der Schmetterling, die zarte Blüte,
die sanft im Abendschein die Blätter schließt.
Ihm fehlte nun das Licht, der Wärme Güte,
die Leichtigkeit, die aus der Milde fließt.

So flatterhaft, doch lieblich anzuschauen
war er für uns, im Sonnenlichte schwirrend,
ein Bild voll Schönheit, Liebreiz und Vertrauen
zum Leben in der Sommerwiese Flirren.

Schuld hat nicht nur die kühle Zeit des Jahres,
denn viele Arten sterben langsam aus.
Des Menschen Streben, der im Blick nur Bares,
verwehrt den Lebensraum im Erdenhaus.

Der Mensch bedenke, was er täglich tut,
damit nicht bald auch er im Tode ruht.

Ingrid Herta Drewing

Dritter Oktober

Wie weht der Abendwind so lind und mild.
Ein Sonnensonntag geht nun sanft zu Ende.
Er passt ins goldene Oktoberbild,
der Erntedanktag nach der Sonnenwende.

Ein gutes Omen auch für unser Land,
das nun seit zwanzig Jahren ist vereint.
Gemeinsam in die Zukunft, Hand in Hand
zu gehen, sich verstehen, ist gemeint.

Das gleiche Recht, die gleiche Pflicht für alle,
im Grundgesetz die Freiheit ist verbrieft.
Jedoch ist wirtschaftlich in manchem Falle
die Lage für sehr viele Bürger schief.

Wir müssen lernen, voneinander lernen.
Was gut ist, wahre man in Ost und West.
Das Glück, es steht nicht in den fernen Sternen.
Gemeinsam schaffen wir’s, das glaub’ ich fest.

Ingrid Herta Drewing

Musik

Musik,
lieblicher Klang,
weckt alle Sinne,
ruft auf, zu beginnen
Tagesanfang

Melodie,
farbiger Traum,
in Klängen schwebend,
in Rhythmen zart bebend
Erfüllungsraum

Musik,
heilender Klang,
streichelt die Seele,
dringt aus froher Kehle
Freudengesang.

Ingrid Herta Drewing

Gegenbewegung

Ein regenmüder Tag empfängt
mich morgens schon in Dämmerdaunen.
Ich fühle mich vom Grau bedrängt,
in die Tristesse hineingezwängt.
Jedoch, ich trotze dieser Laune.

Und bringe Farbe in mein Leben,
lass’ mich so nicht bezwingen
vom Wetter und von Nebelweben,
die tagelang den Ton angeben.
Ich werde selbst nun singen.

Erbaue bunte Paradiese
aus leuchtend hellen Klängen,
verlasse neblige Verliese,
indem ich Schönes, Kunst genieße.
Die Seele liebt Gesänge.

Da mögen draußen Stürme toben,
solang’ mein Geist ist mir verbürgt,
trägt mich die Phantasie nach oben.
Musik, Wort, Bild mir dann geloben
das Licht , das auch im Dunkel wirkt.

Ingrid Herta Drewing

Auf der Schaukel ( zu Renoirs Gemälde)

Im Park, dort auf der Schaukel hält sich jene Schöne,

die hier Renoir in ihrem Liebreiz  eingefangen;

ein zarter Frühlingstraum in schillernd hellen Tönen,

ihr Kleid mit Schmetterlingen, Schleifen, blau behangen

Zu ihrer Rechten wir zwei junge Männer sehen.

Der eine scheint ganz fasziniert von ihrem Blick,

kann ihrem Zauber wohl nur zögernd widerstehen,

der andere, am Baum, lehnt lässig sich zurück.

Am Rande dieser Gruppe steht das Kind, ein Mädchen.

Es schaut abwartend, brav den Großen zu,

bemerkt noch nicht, wie fein gesponnen sind die Fädchen,

die hier so glühend schweben in des Sonntags Ruh.

Ingrid Herta Drewing

Wortklaubereien

Verstehen setzt voraus Verstand,
und Kenntnisse heißt: vieles kennen.
Das Handeln fordert gute Hand,
beim Namen kann man vieles nennen.

Das Schweigen schenkt die Kraft der Stille.
Verschweigen ist meist’ nicht so gut,
denn oft legt ein besorgter Wille
nur neues Holz auf helle Glut.

Was so verbal scheint nah zu liegen,
ist häufig doch einander fern.
Nicht jeder Flügel dient dem Fliegen,
und auch nicht jeder Star ist Stern.

Ingrid Herta Drewing

Täuschung

Und unterm Tagesmond die Wolke schwebt.

Ein Jet kreuzt ihren Weg dort in der Höhe.

Sein Streifen trennt wohl beider lichte Nähe,

bis er sich auflöst, hell ins Blau verwebt.

Die Erdenperspektive lässt sich täuschen;

was voneinander weit entfernt ist, scheint uns nah.

Doch umgekehrt ergeht ’s uns mit Geräuschen,

es blitzt, und später hör’n wir Donner da.

Und möchte man auf Wattewolken schweben,

so bleibt der Wunsch nur schöne Illusion.

Was weiß und weich sich mag vom Blau abheben,

ist nur des Wasserdampfs Kondensation.

So vieles, was der Mensch klar hört und sieht,

erweist sich später als der Täuschung Lied.

Ingrid Herta Drewing

Ikarus

Mit Sehnsuchtsflügeln bist du ausgezogen,
und leichten Sinnes flogst du sonnennah.
Die Hypris hat dein junges Herz betrogen,
das Freiheit fühlte, nicht das Ende sah.

Wer so den Göttern naht, verliert die Flügel,
mag andres heute auch das Wachs ersetzen.
Wer all zu forsch ergreift des Lebens Zügel,
den werden sie in Todesschlaf versetzen.

Denn maßlos dürfen nur die Götter sein,
weil sie sich selbst auch auf den Thron gewählt.
Sie achten stets auf ihren schönen Schein
und suchen sich den Helden aus, der zählt.

Dem Jungen, der allein in ihre Höhen zieht,
begegnen sie, erzürnt, mit strafendem  Gemüt.

Ingrid Herta Drewing

Hummelbesuch

Und Abend ist ’s, die Hummel, gar nicht müde,

umschwirrt noch suchend den Lavendelbusch,

obwohl sich schließen schon die blauen Blüten,

bemüht sie sich doch emsig, fliegt und huscht.

Nun sinkt die Sonne in den Wolkenhügel.

Das Hummelchen verlässt sein Blütenglück,

setzt in Bewegung seine zarten Flügel

und fliegt, so scheint’s, nach Hause flugs zurück.

Es naht der Fledermäuse Dämmerstunde.

Sie folgen flott jetzt dem Insektenfang.

Ich hoffe, Hummelchen hat heim gefunden,

ist sicher in der Erde Höhlengang.

Ich schließe auch die Tür, kühl wird die Nacht.

Da tut die Wärme gut; in hellen Räumen

werd’ ich gemütlich sitzen, und ganz sacht,

Musik genießen, hören, Schönes träumen.

Von Rimskij – Korsakov der „Hummelflug“,

der passt mir wirklich nun so recht ins Bild;

noch basteln am Gedicht, dann ist ’s genug,

dann ist der Hummel-Blick für heut’ gestillt.

Ingrid Herta Drewing