Der erste Schnee

In dicken Flocken stiebt der Schnee,
und Winter zieht nun bei uns ein.
Das Entenvolk am kühlen See
rückt dicht zusammen kuschelt fein.

Die Pfosten an der Balustrade
ganz stolz mit weißen Mützen stehen.
Des Katers kurze Promenade
ist nur in Spuren noch zu sehen.

Doch auf der Schnee bedeckten Wiese,
da tollen Kinder froh und lachen.
Sie bauen einen Schneemannriesen,
und Schneeballschlachten woll’n sie machen.

Begeistert hier im ersten Schnee
vergessen sie heut’ gerne Pflichten.
Dies Spiel ist doch so schön, juchhe!
Wer mag auf so etwas verzichten?

© Ingrid Herta Drewing

Winterinterim

Der Winter macht sich jetzt wohl rar.
Wie wunderbar, er lässt uns warten!
Im Garten, wo der Herbst jüngst war,
beginnt der Frühling durchzustarten.

Narzissen sich schon grünend recken,
aus den Verstecken in die Höh’.
Wohin ich seh’, kann ich entdecken:
Die Winterzeit ist hier passé.

© Ingrid Herta Drewing

Kein Wintergedicht

Der Schneekanonen
teure Winterkosmetik
auf grünender Alm.

In Dubais Hitze
die Skipiste hinter Glas,
Wüste Schneespiele.

Tourismusgeschäft,
Millionen für den Kunstschnee,
Retortenwinter.

© Ingrid Herta Drewing

November

Die Schatten wachsen; auf den Fluren
treibt Herbstwind stürmisch nun sein Spiel.
Ein traurig’ Bild die Sonnenuhren,
verloren Stundenzeigers Ziel.

Das letzte Heu ward eingefahren,
der Apfelbaum nicht Frucht noch trägt.
Der Herbst nimmt Abschied jetzt im  Jahre,
das Feuerholz wird klein gesägt.

Du ziehst Bilanz, es lässt November,
nun nebelstill, dich innehalten;
der späte Sommer im September
konnt’ sein Versprechen doch nicht halten.

Zu kalt, zu nass, unüblich war,
wie sich vermischten Jahreszeiten.
Bald legt der Winter offen dar,
ob er sich lässt von Masken leiten!

© Ingrid Herta Drewing

Winters Ankunft

Nun fröstelt auch der Tag; es schleicht der Winter
sich heimlich,  von Nordosten kommend,  ein.
Die Blätter, Herbstes farbenfrohe Kinder,
verwelken, Raureif hüllt sie glitzernd ein.

Der Bäume, Büsche filigrane Äste,
verzaubert, sind kristallen überzogen;
es feiern Nebel und der Frost hier Feste,
vor Winter sich verneigend, wohl gewogen.

Wo sonst das Dach mit roten Ziegeln strahlt,
zeigt sich das alte Haus mit weißem Haupt,
und Rauch, den sein Kamin ins Blaue malt,
ein zartes Kräuseln, das die Kälte klaubt.

Die Krähe sitzt dort, postuliert:“ Krah, krah,
wer’s noch nicht weiß: Der Winter, der ist da!“

© Ingrid Herta Drewing

Neuschnee

Und wieder griff der Winter in die Truhe,
wo er den kühlen Sternenschatz bewahrt,
verschenkte heimlich heute Nacht in Ruhe
davon der Erde, die nun wirkt aparte.

Ihr hilft das weiche, weiße Sternenkleid
die Frost erstarrten Blößen zu bedecken,
und zarte Frühblüher, die schon bereit,
sie können wärmend sich im Schnee verstecken.

Uns, die wir schon vom Frühlingslächeln träumen,
lässt dieser Schnee jedoch ein wenig kalt.
Was im Dezember ungern wir versäumen,
die weiße Landschaft, wird zur Spukgestalt.

Wir Menschen bleiben selten wirklich offen,
empfangen meist’ nur lieb, was wir erhoffen.

Ingrid Herta Drewing

Frühlingsboten

Dort im wintergrauen Garten
Seh’ ich vor dem stillen Haus,
weiß wie hin getupfte Fleckchen,
leuchtend blühen schöne, zarte,
grün umrandete Schneeglöckchen,
rufend sanft den Frühling aus.

Auch die Amsel, die jetzt wieder,
von der milden Luft verführt,
hier geschäftig fliegt und springt,
übt süß flötend ihre Lieder,
baut ihr Nest, so recht beschwingt,
lugt, ob sich ein Würmchen rührt.

Und allmählich werden munter
farbenfrohe Krokusgrüppchen.
Sie vertreiben alles Graue;
auch die Sonne lächelt runter.
Und ich steh’ verträumt, erschaue
diesen Blütenflor, den hübschen.

Ingrid Herta Dewing

Gefallen

Dezembermond schien fahl durch dürre Zweige,
die weißen Nebel stiegen auf am See.
Ein kalter Wintertag ging nun zur Neige,
und müde stapften sie durch tiefen Schnee.

So fern der blaue Himmel, Heimat, Sonne,
seit Jahren schon im Krieg, im fremden Land.
Kein Abenteuer war es, Leid, zerronnen
der Jugend schöne Tage, hier verbannt.

Sie wurden nicht gefragt, es ward befohlen,
verbrämt mit Worten, Vaterland und Pflicht.
Sie von der Schulbank einfach wegzuholen,
das, wahrlich, störte die Kriegstreiber nicht.

Und oftmals flossen heimlich nachts die Tränen,
obwohl ein“ Junge tapfer ist, nicht weint“.
Die Todesangst, das Heimweh und das Sehnen
verschloss man wie den Schmerz, hat’s nicht gezeigt.

Seit Wochen schon auf Nachschub wartend, Brot,
das Mündungsfeuer nah, des Feindes Licht,
der auch nur kannte Krieg und Blut, den Tod.
Warum nur liebt der Mensch den Menschen nicht?

Er sah den fahlen Mond, die dürren Zweige,
die Todesschleier ruhend auf dem See.
Sein Leben ging in dieser Nacht zur Neige,
ganz plötzlich lag, erschossen, er im Schnee.

Ingrid Herta Drewing

Beschaulicher Wintertag

Als habe sie der Nebel hingehaucht,
erscheinen Bäume schemenhaft im Schnee
Dort, wo die Enten unlängst noch getaucht,
da ruht erstarrt, verschlafen nun der See.

Ich drehe hier versonnen meine Runde.
Schnee rieselt sanft und hüllt mich zärtlich ein.
Am Vogelhäuschen zwitschern frohe Kunden.
Ihr Liebreiz lädt mich zum Verweilen ein.

Das sind des Winters Seiten, die ich mag,
wenn alles ist zur Einkehr still bereit;
auch wenn ein blauer Himmel schirmt den Tag,
und Sonne strahlend krönt die Jahreszeit.

Erscheint mir doch jetzt friedlich die Natur
und als Geschenk des Lebens helle Spur.

Ingrid Herta Drewing

Winters Rückkehr II

Der Winter kommt zurück, die Flockenherde
sie stiebt und wirbelt in den kalten Lüften
und legt sich weich auf die erstarrte Erde,
lässt sie noch träumen von des Frühlings Düften.

Doch uns, von frühen Blüten zart entzückt,
die in den Läden jetzt schon lieblich duften,
holt Winters Wirklichkeit nun rau zurück,
denn es heißt, Schnee zu schippen und zu schuften.

Das Zwischenspiel der Milde ist vorbei;
und warten werden wir noch ein paar Wochen.
Doch spätestens im März, ganz sicher Mai,
wird hier der Frühling blühen, wie versprochen.

So kann man sich hier auf die Jahreszeiten
einstellen und in Freude vorbereiten.