Symmetrie

Die Symmetrie in vielen Lebenswelten
beeinflusst wohl auch unsren zarten Blick.
Wir suchen unbewusst, wo sie mag gelten,
und finden sie auch in der Liebe Glück.

Sogar in unsrer Träume Phantasie
erwarten wir zwei Hälften, die sich gleichen,
um dann, ergänzend sich, in Harmonie
Vollkommenheit, ein Ganzes zu erreichen.

Was Schönheit ist, wird oft durch sie gewahr.
Wir merken ’s kaum, sie setzt uns auf die Spur,
beglückend wird das Wunder offenbar;
facettenreich zeigt ’s täglich die Natur.

Und auch dein Spiegelbild davon erzählt,
wenn es dich anblickt und recht kritisch quält.

Ingrid Herta Drewing

Frühlingsdekor

Ein grüner Schneemann tanzt auf meiner Tasse,
ganz frühlingstrunken scheint er wohl zu sein.
Ich werd’ ihn munter weiter tanzen lassen;
vielleicht stellt sich bei mir auch Frühling ein.

Dort auf der Fensterbank die Hyazinthen
entfalten schon betörend ihren Duft,
und die Mimosensträuße, die man bindet,
sie singen von des Südens milder Luft.

Bald glänzt im Park ein Leuchten in den Wiesen,
die Krokusgrüppchen und Narzissensterne.
Wenn stolze Tulpen, blaue Veilchen sprießen,
ist Winter längst verreist in Nordens Ferne.

Und in den Weiden schnurren sanfte Kätzchen,
besucht von Bienchen und von Hummelschätzchen.

Ingrid Herta Drewing

Winters Rückkehr II

Der Winter kommt zurück, die Flockenherde
sie stiebt und wirbelt in den kalten Lüften
und legt sich weich auf die erstarrte Erde,
lässt sie noch träumen von des Frühlings Düften.

Doch uns, von frühen Blüten zart entzückt,
die in den Läden jetzt schon lieblich duften,
holt Winters Wirklichkeit nun rau zurück,
denn es heißt, Schnee zu schippen und zu schuften.

Das Zwischenspiel der Milde ist vorbei;
und warten werden wir noch ein paar Wochen.
Doch spätestens im März, ganz sicher Mai,
wird hier der Frühling blühen, wie versprochen.

So kann man sich hier auf die Jahreszeiten
einstellen und in Freude vorbereiten.

Labyrinth

Wir spielten im Labyrinth
verschlungener Buchsbaumhecken,
unbändig wie Kinder sind,
an Sommertagen Verstecken.

Die Hecken wuchsen zu Wänden,
schon hatten wir uns verirrt,
da nahmen wir uns bei den Händen,
von Angstgefühlen verwirrt.

Doch so konnten wir es ertragen,
dass uns verborgen der Pfad,
wir wollten mutig was wagen
und wussten uns dann auch Rat.

Gemeinsam denkend und hoffend,
gelang es, den den Weg zu finden.
Seitdem sind die Schranken offen,
die Richtung ist zu ergründen.

Ingrid Herta Drewing

Winternebel

Kühl sind die Tage, und die Nebel halten
die Stadt gefangen und den Atem an.
Ich möcht’ den Vorhang weit aufreißen, walten
dass endlich Sonne man erblicken kann.

Zwar können wir die Räume schön erhellen,
wir schaffen künstlich unser eignes Licht,
jedoch der Sonne warme Strahlenquelle
ersetzt uns dieses Scheinen dennoch nicht.

Wer sehnt sich nicht nach blauem Himmel, Weite,
nach Wärme und der hellen Sonnenglut?
Denn fern von Smog frei atmen, das bereitet
uns Wohlgefühl, tut Körper, Seele gut.

Auch ich ersehne Wetterbesserung,
damit das Sonnenlicht mich bringt in Schwung.

Ingrid Herta Drewing

Der lebendige Schneemann

Es stand ein Schneemann in der Nacht
ganz einsam vor dem Haus,
von seinem Schöpfer unbewacht,
der schlief sich gründlich aus.

Da kam ein Trunkenbold vorbei,
der war ihm nicht geheuer,
blieb steh’n vor ihm, verlangte frei,
dass er ihm gebe Feuer.

Als Schneemann kannte er nur Licht,
auch konnte er nichts sagen.
Der Mann, erbost, verstand das nicht,
begann ihn bös’ zu schlagen.

Es fiel sein Hut, die Nasenrübe,
doch blieben Augen und der Kopf.
Der Mond erbarmte sich in Liebe
und half sogleich dem armen Tropf.

Ein Mondstrahl holte ihn ins Leben,
und plötzlich schlug das kalte Wesen
mit viel Elan, er konnt’ ihn heben,
den Wüstling tüchtig mit dem Besen.

Der war nun seinerseits verdutzt,
floh vor dem Schneemannswicht,
da er nun, arg zurechtgestutzt,
auf mehr nicht war erpicht.

Der Schneemann pappt’ die Nase an,
setzt wieder auf den Hut,
und dankte froh dem Mond sodann,
weil dieser ihm war gut.

Ingrid Herta Drewing

Klarer Wintertag

Ja, endlich ist des Nebels Flaus gewichen,
befreit ist alles von dem Einheitsgrau.
Wie müd’ war ich, bin jüngst nur noch geschlichen
und sehe nun erlöst des Himmels Blau.

Der klare Tag schenkt mir so frohe Stunden.
Zwar ist es kalt, doch Sonne hell erstrahlt.
Ein Wintertag zum Wandern, wie gefunden,
der glänzend sich jetzt in die Landschaft malt.

So lob ich mir die vierte Jahreszeit.
Schon in der Frühe bin ich froh und munter,
voll Tatendrang, zum Ausgehn auch bereit
und laufe singend flugs die Treppen runter.

Im Freien zu genießen frische Luft,
warm eingemummt in meiner Winterkluft.

Ingrid Herta Drewing

Winterbilder

Silberkristalle
tanzen um die Laterne,
Winternachtszauber.

***
Bäume im Nebel,
die verschleierten Äste
greifen ins Leere.

***
Über die Berge
kriecht eine rote Sonne,
schaut lächelnd ins Tal.

Ingrid Herta Drewing

Dankgebet

Herr, da sich neigen meine Erdentage –
ich fühle, der Zenit ist überschritten –
will ich, obwohl mein Herz gebiert noch Fragen,
dir danken für des Lebens lichte Mitte.

Auf dieser Erde hier als Mensch zu leben,
inmitten reicher Vielfalt der Natur,
als Teil davon, in Liebe sich verwebend,
in Freude auf des Lebens schöner Spur.

Da mag der Tag nun ruhig ins Dunkel gleiten;
auch ohne Mond und Sterne in der Nacht
wird mich mein Glaube leuchtend hell geleiten
auf deinem Gnadenweg, der Liebe Macht.

Geborgen ganz in deinen Vaterarmen,
getragen sanft von Güte und Erbarmen.

Glücksklee

Als Kinder waren wir bestrebt,
doch möglichst dieses Blatt zu finden,
das uns vierblättrig, hell im Klee
dann sollte unser Glück verkünden.

Du fandest nie dies Glückskleeblatt,
hast deine Hoffnung leicht gelupft
und dann das fünfte, grüne Blatt
still, Schicksal spielend, ausgerupft.

So ist es wohl im Leben oft,
wir fördern selbst, was uns beglückt.
Wer sich ergibt und gar nicht hofft,
den weist Fortuna gleich zurück.

Und wenn sie dir auch prophezeien,
dein Stern, der stünd’ im falschen Haus,
dann weißt du, sie sind alle Laien.
Dein Stern, er leuchtet, lacht sie aus.

Ingrid Herta Drewing