Sternensinger

Noch kräuselt sich das Engelshaar,
der goldne Stern, er blinkt;
doch Tannenzweige, trocken gar,

sie zeigen, es verklingt
die Weihnachtszeit, die festlich war.
Ihr Abschiedslied nun singt

am Tor der Sternensinger Schar,
die, bittend, Segen bringt,
mit Kaspar, Melchior, Balthasar.

Ingrid Herta Drewing

Profitgier

Statt Maß und Qualität zählt nur die Masse,
und die Profitgier ist ’s, die stets bestimmt,
Gesundheitsfragen ignoriert, die Kasse
des Geiers muss gefüllt sein, wenn er nimmt.

Der Nimmersatt scheut nicht das Kriminelle.
Was schert ihn andrer Menschen Wohl und Weh,
ob Gift im Futterfett, wenn auf die Schnelle
er viel Gewinn abschöpft durch bösen Dreh

Der Staat wirkt achtlos, fehlende Kontrollen
verstärken der Betrüger Tatmotiv.
Die Bürger, machtlos, wenn sie essen wollen
Gesundes, werden selbst wohl produktiv.

Wohl dem, der sich im Garten Hühner hält
und nicht verseuchte Eier kriegt für ’s Geld.

Ingrid Herta Drewing

Gereimte Fragen

Ich mach’ mir manchen Reim auf diese Welt,
obschon mir vieles hier scheint ungereimt.
Warum, das frage ich, regiert das Geld,
wird hier, wer ehrlich ist, so oft geleimt?

Warum beherrschen immer noch Despoten
mit Terror, Grauen hart „ihr“ armes Land
und lähmen Tatkraft, Leben mit Verboten?
Warum geh’n viele ihnen dort zur Hand?

Warum zerstören wir, was unser Leben
erhält, der Erde Schönheit, die Natur,
als sei uns dafür ein Ersatz gegeben?
Warum verbreiten wir des Wahnsinns Spur?

Wer gibt die Antwort auf so viele Fragen?
Ich wüsst’ sie gern, anstatt nur laut zu klagen.

Ingrid Herta Drewing

Eisblumen

Der Sonne helles Mittagslicht
dringt durch die matten Fensterscheiben;
auf Eisblumen scheint sie erpicht,
mit ihren Strahlen sie beschreibend.

Jedoch der Frost trotzt ihr und gibt
dem zarten Blütenhauch die Stärke.
Er, der sonst weniger beliebt,
kann glänzen hier mit seinem Werke.

Und zeigt des Winters helle Seite,
in Formenvielfalt schön, kristallen.
Die kleinen Freuden, sie bereiten
uns auch bei Kälte Wohlgefallen.

Ingrid Herta Drewing

Spaziergang im Januar

Die Freude an dem klaren Wintermorgen
erfüllt mich, lächelnd geh’ ich meinen Weg,
erschau das Schöne, das noch halb verborgen
sich in der weißen Stille um mich regt.

Am Futterhäuschen stieben flugs die Meisen;
sie wurden hier von lieber Hand bedacht.
die Amsel mischt sich gern in ihre Kreise,
fühlt sich recht heimisch unterm kleinen Dach.

Als Stern blinkt durch den Wald der Sonne Licht
und zaubert in den Schnee ein zartes Glänzen,
verleiht dem Tag dies strahlende Gesicht;
ein blauer Himmel darf das Bild ergänzen.

So lob’ ich mir des Jahres Neubeginn,
schenkt klare Sicht, belebt mir Seel und Sinn.

Ingrid Herta Drewing

Silvester-Abfall

Erbärmlich blickt die Straße,
verschmutzt, ins neue Jahr;
die Böllerrest’ auflasen
sie nicht, sind schäbig da.

Vermischt mit grauem Firn
ein Trauerblick, Silvester;
vergänglich mahnt das Gestern,
zeigt Frische noch die Stirn.

Den Himmel scheint zu rühren
der Anblick, Schönes rar,
mag ihn ins Reine führen,
und Schnee fällt, weiß und wahr.

Ingrid Herta Drewing

Silvesterreimerei

Ich werde mitnichten
den Winter bedichten,
da nun meine Neffen
mit Böllern eintreffen,
um bunt zu Silvester
zu feiern das Jahr.

Das alte, bald gestern,
macht Platz seiner Schwester,
dem Zweitausend-Elfchen.
Na, das war ja klar!

Ingrid Herta Drewing

Silvesterwünsche

Wir sind wohl hoffnungsvolle Optimisten,
begrüßen froh gestimmt das neue Jahr
und glauben, dass sich nun doch bessern müsste,
was uns im alten gar zu garstig war.

Gesundheit sehnt herbei der leidend Kranke,
an Arbeit denkt, wer lang schon arbeitslos.
Der Klimagunst gilt grün auch der Gedanke,
man wünscht sich, Einsicht werde endlich groß.

Der Eine träumt von seiner großen Liebe,
ein Anderer sieht ’s Glück in Gut und Geld.
Bescheiden wünscht so mancher, Frieden bliebe
erhalten ihm in seiner kleinen Welt.

So wähnen wir das Wohl im Zeitenschritt,
und immer geht die Hoffnung lächelnd mit.

Ingrid Herta Drewing

Winter

Im Schnee versteckt die Häuser liegen.
Es glänzt des Winters weiße Pracht.
Wo sonst im Wind sich Weiden wiegen,
herrscht starr des Frostes kalte Macht.

Doch blauer Himmel schirmt die Welt.
Der Wintersonne sanfte Strahlen
ein Schimmern in die Landschaft malen.
Dies’ Bild bezaubert und gefällt

Ingrid Herta Drewing

Zum Jahresende

Des Jahres Tage sind gezählt.
Der Blick zurück lässt Wünsche offen,
gebiert zugleich das stille Hoffen,
dass Glück im neuen Jahr uns wähl‘.

Prognosen gibt es, im Orakel,
da findet mancher seine Sicht.
Noch ahnt er nichts von dem Debakel,
das ihn alsbald nimmt in die Pflicht.

Sylvesterträume in den Lüften;
der Lärm den Dämon dräng’ zurück!
Jedoch in unsren engen Klüften,
dort knüpfen wir uns selbst den Strick.

So vieles, was wir tun, entscheiden,
ist wichtig, zeigt des Lebens Weg.
Die Gier, den Hass gilt ’s zu vermeiden,
die Liebe sei uns Brücke, Steg!

Dann wird vielleicht das nächste Jahr
am Ende für uns wunderbar.

Ingrid Herta Drewing