Frühlingsflüstern

Narzissen, Hyazinthen in den Läden
verströmen süßen Duft, der wohlbekannt.
Mir ist ’s, als ziehe Frühling schon die Fäden
und hielt’ sein zartes Zepter in der Hand.

Noch ist es nur ein Hauch, ein sanftes Ahnen.
Verstand sagt mir, die Freude ist verfrüht
Im Januar sind wir, moniert er mahnend,
der Winter da noch nicht noch Norden flieht.

Doch trägt mein Rosmarin schon blaue Blüten,
und Vögel zwitschern, bauen aus ihr Nest.
Wer mag da frostige Gedanken hüten,
erfreuen will ich mich am Frühlingsfest.

In weicher, milder Luft spazieren gehen
und das genießen, was Natur lässt sehen.

Ingrid Herta Drewing

Skispringer

Da stehen sie und schwenken ihre Fahnen,
die Fans von Wintersport und Schanzensprung..
So manchen Sieger will man schon erahnen,
jedoch die Windrichtung kehrt sich oft um.

Die Skispringer, sie liegen in den Lüften
und schweben sanft zu Tal in hohem Bogen,
die langen Ski wie Flügel hochgezogen,
bis sie dann landen, ohne abzudriften.

Ich schaue, staune über ihren Mut,
wie sie so leicht rasant nach unten gleiten,
und hoffe, dass ihr Absprung auch wird gut,
damit sie richtig ihren Flug einleiten.

Denn, wenn der Start im Leben recht gelingt,
ist meist‘ der Weg da, der Erfolge bringt.

Ingrid Herta Drewing

Vanitas

Vertrocknet steht der Tannenbaum.
Ach, welch ein Jammerbild,
obwohl des Flitters Silbertraum
noch seine Zweige hüllt.

Vorbei das hoffnungsvolle Grün,
der Duft, erfüllt von Leben,
das gar zu schnell doch kann entflieh’n;
dies zeigt der Baum soeben.

Und mahnt, man möge nicht vergessen,
zu leben mit Bedacht
und liebend pflegen die Interessen,
denn lange währt die Nacht.

Ingrid Herta Drewing

Gift

Wer fasst das noch? Schon wieder mal
gibt es ’nen Tierfutterskandal.
Aus BSE ward nichts gelernt;
Noch immer von Natur entfernt
wird Nutzviehfutter präpariert,
ganz hemmungslos und ungeniert.
Als ob man es gewusst nicht hätte,
dass es sie gibt: die Nahrungskette!
Das Gift, was sie dem Tier verschreiben,
mit Nahrung wir uns einverleiben.

Wär’ vegetarisch gern zu Gange,
doch da ist mir sehr oft auch bange.
Gemüse, das mit Pestiziden
behandelt wurde, aus dem Süden
geht auch Gesundheit an den Kragen,
was kann man noch zu kaufen wagen?

Ich steh beim Einkauf und Verbrauch,
verunsichert, nun auf dem Schlauch.
Mir ist, als könne man das Essen
und Trinken beinah ganz vergessen.
Würd’ ja photosynthetisieren,
es heliotrop recht gern probieren.
Doch da das Chlorophyll mir fehlt,
ist mir die Lösung wohl verhehlt.

Ingrid Herta Drewing

Das Frühstücks-Ei

Da liegt das Frühstücks-Ei auf meinem Teller.
Es blieb als Rest, ich schau es sinnend an.
Mein Gusto wird zum stummen Fragensteller:
Ob man das Ei denn wirklich essen kann?

Ein Ei, ein harmlos, kleines Hühnerei,
es flüstert leise: “Ich hab Dioxin.“
Seveso-Gift, erinner’ ich, wie Blei
will meine Zunge sich dem Wort entzieh’n.

Das Ei, doch irgendwie Symbol für Leben,
wird plötzlich uns zum Gift und zur Gefahr.
Es ist ein Bio-Ei, das dir gegeben,
beruhig’ ich mich und hoff’, dass das auch wahr.

Und stell’ doch fest, mein Eier-Appetit
spielt heute wirklich einfach gar nicht mit.

Ingrid Herta Drewing

Die Süße

In einem kleinen Marmeladenladen,
dort zwischen Mus und Erdbeerkonfitüre
schenkte sie ihm als süßes Glück die Gnade,
ihn gaumenfreudig, zärtlich zu verführen.

Er nahm sie mit ins trauliche Zuhause
und war von ihr beim Frühstück schon entzückt.
Ja, sie versüßt ihm lieblich auch die Jause,
es war halt Liebe auf den ersten Blick.

Ingrid Herta Drewing

Bienentod

Es stirbt die Biene; und wo bleiben
dann Honig und die Frucht der Blüten?
Warum darf weltweit man vertreiben
das Leben durch die Pestizide ?

Begreift man denn noch immer nicht,
die Wechselwirkung der Natur?
Wer ’s übersieht in dumpfer Sicht,
begibt sich auf des Todes Spur.

Wir machen vieles hier zunichte,
aus Hochmut und durch Unverstand
und sind dabei, uns selbst zu richten,
geh’n hilfreich eignem Tod zur Hand.

Ingrid Herta Drewing

Zwischenspiel

Wie hell das Licht, der Morgen
in meine Stube fällt,
macht sichtbar, was verborgen.
Das Grau sich nicht mehr hält.

Mild weht der Wind; vom Eise
ist nun der Fluss befreit.
Auch singen Amsel, Meise,
als sei schon Frühlingszeit.

Doch Frühlingsfreuden trügen.
Das ist nur Zwischenspiel.
Der Winter straft ’s bald Lügen,
belauert Tauwinds Spiel.

Vom Hang sich wild ergießen
die Wasser in das Tal
und fluten Straßen, Wiesen;
Hochwasser, wieder mal !

Das wird der Winter fassen,
und bald ruht dann erstarrt,
was jetzt von Wassermassen
rasch überrumpelt ward.

Ingrid Herta Drewing

Versöhnen

Hörst täglich die bösen Berichte,
doch heimlich, sehnsüchtig ranken
verspielt sich Träume, Gedanken,
entfalten dir zärtlich Gedichte.

Und wandeln auf heiligen Spuren
der Rose, in Schnee geschrieben;
ihr Flüstern sagt schlafenden Uhren,
es sei endlich Zeit, zu lieben.

Da rasseln die Wecker, ihr Dröhnen
wird liebliches Klingen, und bald
ertönt das Lied vom Versöhnen,
das lange im Herz widerhallt.

Ingrid Herta Drewing

Auf dem Waldweg

Am Wegesrand, gestapelt, liegen Bäume,
im Sturm zerbrochen unter nasser Last,
im Schnee verloren, grüne Träume,
nach denen Frühling, Sommer nicht mehr fasst.

So hoffnungsvoll im Sommerwind gewiegt,
noch jüngst den goldnen Herbst gegrüßt verwegen,
des Lebens bar, im Winter nun besiegt,
ist ihrer Schönheit Kraft dem Tod erlegen.

Sind dies auch Katastrophen der Natur,
die nur im Kleinen wirken, unbeachtet,
so zeigt mir machtvoll der Zerstörung Spur,
wie schnell der kalte Tod das Leben nachtet.

Da tröstet mich auch die Vermutung kaum,
dass dieses Holz verschönt den Wohnungsraum.

Ingrid Herta Drewing