Herbstmorgen

Nebliger Morgen,
im Stövchen glüht das Teelicht;
erwärmt auch mein Herz.

© Ingrid Herta Drewing

Nebeltag

Und eine graue Burka trägt der Tag;
es droht die Welt ins Einerlei zu sinken,
die Stadt, der Wald im Nebel zu ertrinken.
Ein dumpfes Schweigen, das ich gar nicht mag.

Vermisse gar das Krächzen jener Krähe,
die mich noch unlängst häufig hat gestört.
Ich hätte heute wirklich gern gehört
dies‘ heiser Lebenszeichen in der Nähe.

Wenig erbaulich wirkt auf mich die Stille,
zu undurchdringlich scheint dies‘ feucht‘ Gespinst.
Mir ist, als ob des Todes ernster Wille
als Nebelfratze auf dem Kirchhof grinst.

Doch hoffe ich, dass bald der Spuk hier weicht
und strahlend uns das Sonnenlicht erreicht.

© Ingrid Herta Drewing

Gedichtsaneignung

Die Welt in Klang, Bild und Gefühl begreifen,
berührt von ihrer Vielfalt, Farben, Formen
und in Gedanken ein poetisch‘ Reifen,
das sich bestimmt, wählt seiner Worte Normen.

Und vorgetragen wirkt die Poesie,
von innen nun nach außen sanft gewandt;
in Tönen tanzend, schwingt die Melodie,
die uns im Klang der Sprache ist bekannt.

Par coeur, by heart, wir machen sie uns eigen,
bewahren sie, wenn wir sie tief erschaut,
die Worte im Gedicht sich klingend zeigen,
mit deren Rhythmen, Bildern wir vertraut.

© Ingrid Herta Drewing

Reformationstag 2012

Nach jenen frühen, kalten Nebeltagen
wird uns geschickt dies‘ lichte Sonnenglück,
die Wärme;und des Himmels klares Sagen
holt heute uns den goldnen Herbst zurück.

Fast hätte ihn hier Winter gar verprellt
mit seinen rauen, frostigen Allüren.
Doch nun erstrahlt die bunte Blätterwelt,
darf leuchtend ihre Farben präsentieren.

Der helle Herbsttag passt zu dem Gedenken
an Luther,der in klarem, festem Glauben
gehandelt, uns die Bibel konnte schenken
auf Deutsch, das eigne Lesen zu erlauben.

Auf diesem Weg führte Reformation
zur Aufklärung aus dunkler Tradition.

© Ingrid Herta Drewing

Vergeblich II

Ego,
radiales Kettenhündchen,
schweig!
In den Wind zu bellen,
das bringt nichts.
Denn du
kannst keine
Schatten verscheuchen.

© Ingrid Herta Drewing

Aufbewahrt

Gepresste Veilchen,
Erinnerungen, verwelkt.
Doch in meinem Traum
erzählen sie vom Frühling
und singen Liebeslieder.

© Ingrid Herta Drewing

Vergeblich

Als ich
die Tür schloss,
glaubte ich,
die Kälte sei gebannt.
Doch sie
war bereits
in meine Stube gekrochen.

© Ingrid Herta Drewing

Wintereinbruch II

Ein rauer Wind weht stürmisch mir entgegen,
fast winterlich, nasskalt der Tag erscheint.
Und Reif umsäumt die Blätter auf den Wegen,
die gestern farbig noch am Zweig vereint.

So plötzlich brach die Kälte hier herein,
ergriff die Herrschaft über alle Fluren,
wo wir vor kurzem noch im Sonnenschein
lustwandelten auf Sommers warmen Spuren.

Es schwinden immer mehr die Übergänge,
die Frühlings-und die Herbstzeit werden knapp.
Der Winter zieht sich fühlbar in die Länge
und wechselt sich fast schon mit Sommer ab.

Als habe wer die Wetteruhr verstellt,
die sorgsam wachte über Jahreszeiten,
erscheint ver-rückt das Klima unsrer Welt.
Was wir gewohnt, will gänzlich uns entgleiten.

© Ingrid Herta Drewing

Wintereinbruch

Der Winter fährt dem Herbst in die Parade,
bedeckt mit Schnee der Bäume buntes Kleid,
bestürmt mit Weiß die Straßen, Hausfassaden,
Geranienblüten starren, fast verschneit.

Als habe wer sich üblen Schabernack
frech ausgedacht und flugs auch ausgeführt,
hat nun des Winters raues, kaltes Pack
das Land besetzt, erscheint hier ungeniert.

Die Äpfel, die zur Ernte reif am Baum,
noch rosig blickend, tragen weiße Mützen.
So mancher Ast, belastet, schafft es kaum
und braucht zur Sicherheit jetzt feste Stützen.

Doch heute strahlt die Sonne; bald vorbei
ist hoffentlich des Winters Prahlerei!

© Ingrid Herta Drewing

Umkehr

Da lebst du, Mensch auf dieser schönen Erde,
die dich ernährt, dir Lebensraum gewährt,
und führst dich auf gar furchtbar, eine Herde
von wilden Stieren rast nicht so gestört.

Vergiftest Böden, Flüsse; auch dein Leben
bedrohst du, wenn du achtlos beutest aus,
anstatt zu wahren, pflegen, was gegeben,
das Fundament, auf welchem steht dein Haus.

Vernichtest deine Art, scheinst nichts zu spüren.
Die Tiere, Pflanzen hast du dezimiert.
Wo die Natur noch grünt, wird Asphaltieren,
Zersiedeln gnadenlos doch durchgeführt.

Und alles nur, weil du in deiner Gier
wie toll, so maßlos lebst auf dem Planeten,
der doch im All als zarte, blaue Zier
einmalig, unersetzbar, klar sei’s jedem!

Wach endlich auf aus deinem Wachstumswahn!
Lass die Vernunft anstatt der Triebe walten;
nachhaltig kultivieren, wähl die Bahn,
die hier das Leben dauerhaft kann halten!

© Ingrid Herta Drewing