Blick aus dem Fenster

„Gurruu gu gurruu, gurruu gu gurruu!“,
singt monoton der Hahn der Ringeltaube,
„gurruu gu gurruu, gurruu gu gurruu!“
Sitzt dort im Nieselregen auf der Laube.

Es klingt mir so, als sei es ein Appell,
laut rufend, dass die Taube möge kommen,
nicht zögernd, sondern möglichst flugs und schnell
sei diese so ersehnte ihm willkommen.

Jedoch erfolglos bleibt des Täub’richs Bitten,
und einsam fliegt er schließlich auch davon.
Vier Finken, tschilpend laut, als ob sie stritten,
beleben nun den Ort mit hellem Ton.

Banal gesagt – hier kann ich ’s deutlich sehen-
das Leben ist ein stetes Kommen, Gehen.

© Ingrid Herta Drewing

Unser Leben

Gefüllt bis an den Rand der Becher, Leben
als ein Geschenk ; für eine kurze Zeit
ist ’s uns auf Erden liebevoll gegeben.
Wir nehmen ihn und trinken, sind bereit.

Uns hier mit unsrem Dasein einzufügen,
gestalten diese Welt, die uns gefällt.
Wenn uns auch oft misslingen Höhenflüge,
so sind wir dennoch tapfer eingestellt.

Auch auf Gefahren, die im Leben lauern,
seien ’s Mikroben oder Sturmesgroll.
Gemeinsam werden wir dies überdauern,
erfüllen hier als Menschen unser Soll.

Und geben wir dereinst den Becher hin,
so wissen wir um unsres Lebens Sinn.

Ingrid Herta Drewing

Agave

Einmal im Leben nur blüht die Agave,
und lieblich entfaltet sie ihre Pracht,
als Kerze hell leuchtend, Traum, fern dem Schlafe,
erstrahlt sie in glühender, südlicher Nacht.

Sie spricht mir von Sommerglück und der Liebe,
und ziert Kataloniens wild’ Küstenland,
wie ein Versprechen ins Blaue geschrieben,
erinnernd an Mignons zärtliches Band.

Ich höre dies’ Sehnsuchtslied zart erklingen,
die Weise des Concierto d ’Aranjuez.
im Garten Gitarren, klangvolles Schwingen,
ein Bild aus Blanes, das ich nie vergess’.

© Ingrid Herta Drewing

Werben früher und heute

Liebessonett

Kein Licht ersetzt das Strahlen deiner Augen,
kein Glanz erfreut mich wie dein Lächeln zart.
Kein Blütenstrauß mag mir süß duftend taugen
und keine Rose  deiner Anmut Art.

Kein Meer so wild und weit gleicht meinen Träumen,
wenn ich gebannt dein liebes Bild nur seh’.
Ich pflanzte dir der Sterne Pracht in Bäume
und Rosenbüsche in den kühlen Schnee.

Ich würde für dich meine Schlösser geben
und alles Gold und Silber dir verweben,
wenn ich, ein armer Gaukler, reich auch wär’.

Hier stehe ich vor dir, schenk’ dir mein Leben
und hoffe, dich beglückt mein innig’ Streben.
Komm, reich mir deine Hand, ich lieb’ dich sehr!

Modernes Werben

Ich steh’ auf dich,
du auch auf mich?
Dann komm und lass
hier alles stehen!

Auch ohne Wisch
für dich und mich,
könnten wir doch
zusammen gehen!

© Ingrid Herta Drewing

Der Rose

R ote Rosen, glühend Feuer

O rgiastisch, süßer Brand,

S prich doch Liebste, die mir teuer,

E int das Glück uns, das uns fand?

N ie noch war mir dies Entzücken,

B lume , wie dein Anblick rein!

L iebreiz will mich zart beglücken,

U nd ich bin für immer dein.

E rlaube mir, dass ich dich frage,

T reu dich hier bitt’ um deine Hand

E in Lächeln wird dir innig sagen:

N ie welkt der Liebe Rosenband.

© Ingrid Herta Drewing

Erkenntnis

Ich weiß nicht, ob es Liebe war,
was mir im Herzen schwebte.
Ich fühlte nur, wie wunderbar
es mich erfasst’, belebte.

Geschenkt ward mir ein  neuer Blick,
ließ vieles mich verstehen,
und was ich sonst stolz wies zurück,
das durfte nun geschehen.

Die Blütenträume wurden wahr,
es duftete im Garten.
Die Welt, sie schien so hell und klar
im Sonnenschein zu warten.

Der Sommer brachte Wärme, Frucht,
doch abends lange Schatten.
Es sprach die Zeit von Furcht und Flucht,
und Leid ließ mich ermatten.

Dann war es wohl der Schwalben Sinn,
nach Süden wegzuzieh’n.
Es kam der Herbst, es welkte hin
die Hoffnung mit dem Grün.

Ich weiß nicht, ob es Liebe war,
was mir im Herzen schwebte.
Jedoch ist mir nun offenbar,
dass ich da wirklich lebte.

© Ingrid Herta Drewing

Sommertag

Ein Hoch; die Sonne herrscht in heller Runde,
und blauer Himmel schirmt die kleine Welt .
Ein Lichtfest nun erglüht zur Mittagstunde,
dazu hat leichter Wind sich eingestellt.

So zeigt der Sommer sich erfrischend klar.
Der Tag, er strahlt jetzt ohne Hitze, Schwüle.
Im Straßencafé sitzt manch trautes Paar,
auch auf der Parkbank lächeln die Gefühle.

Die Kinder, die ihr Eis genüsslich schlecken,
sie hält jetzt kein Computerspiel im Haus.
Im Freien wollen sie die Welt entdecken
und toben sich im Spiel so richtig aus.

Und mancher Rentner weilt auf dem Balkon,
genießt beschaulich seiner Arbeit Lohn.

© Ingrid Herta Drewing

Liebesmacht

Wo Liebe sich in Schönheit offenbart,
da werden Engel helle Lieder singen.
Ein Zauber schwingt darin, und lieblich, zart
lässt er sein süßes Blütenlied erklingen.

Wir schauen, fühlen, wie das Wunderbare
nun unser Leben führt mit milder Hand.
Bewusst wird uns, dass das sonst all zu rare
und flücht’ge Glück sich nicht erweist als Tand.

Und Freude uns durchdringt, erquickt die Seele,
die traurig ihre Tage sah entfliehen.
Beschwingt darf sie sich aus dem Dunkel stehlen,
da ihren Flügeln neue Kraft verliehen.

Die Liebe ist es, die uns Leben schenkt,
es blühen lässt, von guter Macht gelenkt.

© Ingrid Herta Drewing

Der Rosenbusch

Es gab da einen Rosenbusch im Garten,
der leuchtete im Sommer goldenrot;
und Blüte reihte sich an Blüte,
als könnte er ’s vor Freude kaum erwarten,
bis ihn ihr zartes Feuer hell umloht.

Und Blüte reihte sich an Blüte,
getragen sanft von dunkelgrünen Blättern.
Die Zweige wiegten sich im leichten Wind.
Er strahlte glänzend noch im Herbst in Güte
bei Sonnenschein und Regenwetter.

Die Zweige wiegten sich im leichten Wind,
nur selten zeigten sie die spitzen Dornen.
und ich erfreute mich am Blütenflor,
geborgen in des Sommers Glück, ein Kind,
nichts ahnend von der dunklen Macht der Nornen.

Ingrid Herta Drewing

Ringelgenatzt

Es liebt mein Schatz
des Ringelnatz‘
besondren Satz;
meint, auch ich sollte
ohne Bedenken
aus meinem Ofen
’ne Kachel schenken.

Hätte es gern getan,
hab’ aber Heizung nur,
ganz profan.
So schenk’ ich halt,
weil sie parat,
’ne alte Kachel
aus dem Bad.

Ingrid Herta Drewing