So hell im Leben, Licht,
und doch schon nah’ der Nacht!
Das schöne Angesicht,
vom Tau benetzt, erwacht,
wird welken und vergehen.
Dies’ alte Spiel der Zeit,
das wir nur halb verstehen,
mahnt an Vergänglichkeit.
Sie, die, da stetes Werden
das Leben gibt und nimmt,
in allem hier auf Erden
ein Todeslied anstimmt.
Und dennoch tönt ein Klingen,
schwebt über All und Nacht,
wird hin in Sphären dringen,
die jenseits ihrer Macht.
Ingrid Herta Drewing
Juli 15th, 2011 | 0 Comments
Category: Vanitas | Tags: All, Ewigkeit, Rose, Schönheit, Tod, Vergänglichkeit
Es liegt im Wachsen etwas Wunderbares,
wie sich ein Keimling in das Werden fügt,
sich einreiht jede Zelle, etwas Klares,
das auch dem großen Ganzen dann genügt.
Als habe es geheimen Ruf vernommen,
so folgt das Leben leise, drängt zum Licht,
und plötzlich ist es da, wirkt so vollkommen,
zeigt hier im Dasein schön sein Angesicht.
Zwar wissen wir heut’ viel von der Natur,
verfolgen analytisch ihre Spur,
um möglichst auch Erkenntnis zu erlangen.
Jedoch sind wir ein Teil des Lebens nur
und zogen sie nicht auf, die große Uhr.
Wir dürfen es nur demütig empfangen.
Ingid Herta Drewing
Juli 14th, 2011 | 0 Comments
Category: Besinnliches, Leben | Tags: Dasein, Leben, Licht, Mensch, Natur, Wachsen
Ein Sonnenschirm? Ein Regenschirm?
Ein Gleitschirm soll’s wohl sein,
damit beim Absprung alles firm
im Gleitflug kommt herein.
Doch hängt man in der heißen Luft,
erschlafft vom Schuldentragen.
Die Rating-Brüder seh’n die Gruft,
sie schaufeln schon seit Tagen.
Vom Rettungsschirm wird viel gesprochen.
Die Steuerzahler sind es leid,
dass jene, die den Murks verbrochen,
ihr Schäfchen holten schnell zur Seit’.
Schon wieder basteln Spekulanten
in der Finanzwelt an der Krise.
Die Kuh, die sie zum Melken fanden,
steht ja noch brav auf ihrer Wiese.
Ein Kampfstier sollte dort wohl sein,
wie einstmals Zeus in der Gestalt,
nehm’ auf die Hörner jene fein.
Europa hätt’ dann sich’ren Halt.
Ingrid Herta Drewig
Juli 13th, 2011 | 0 Comments
Category: Klartext | Tags: Euro, Finanzminister, Griechenland, Rating-Agenturen, Rettungsschirm
Sag! Können Pfauenaugen sehen?
Wie fliegen sie nur so apart,
wenn Pfauen majestätisch gehen,
als Schmetterlinge aus dem Rad?
Ein Admiral beim Militär?
Wie führt er Schiffe übers Meer?
Merkwürdig finde ich es auch,
wenn Schmetterlinge ihm im Bauch.
Und wie kann man Zitronen falten?
Die Früchte sind so fest und rund.
Vielleicht hat der Zitronenfalter
einen Beruf, der ungesund?
Wie klatscht der Mohn nur ohne Hände?
Wer hört die Falte, wenn sie lacht?
Wer stellte denn das W vor ’s Ende,
was es zur Wende flugs gemacht?
Ingrid Herta Drewing
Juli 12th, 2011 | 3 Comment
Category: Schmunzelgedicht, Verrücktheiten | Tags: Admiral, Klatschmohn, Pfauenauge, Zitronenfalter
Und hast du auch alles verloren,
dir doch die Erinnerung bleibt,
aus Bildern, die wieder geboren,
das Leben sich schön weiter schreibt.
Auch ist dir die Sprache geblieben.
Vertrauter Klang schenkt dir Licht,
Musik und Lieder; wir lieben
noch immer das zarte Gedicht,
das früher als Kinder wir lernten
und auch manch’ kleines Gebet.
Wenn Zeit uns auch vielem entfernte,
dies traulich für uns noch besteht,
wird nie obsolet.
Ingrid Herta Drewing
Juli 11th, 2011 | 0 Comments
Category: Besinnliches | Tags: Erinnerung, Gedicht, Musik, Sprache
Bevor sich Blüten schließen und verblassen,
die Abendröte vor den Schatten flieht,
möcht’ ich dir sagen, wie sehr ich dich lieb’,
dass ich dich nimmer werde lassen,
du Sonne, die an meinem Himmel glüht.
Und hüllt die Nacht mit ihren Sterngesängen
uns zärtlich dann in ihren Mantel ein,
wird die Magie der Liebe uns befreien.
Dann gleiten wir, befreit von allen Zwängen,
ins Paradies, das uns lässt glücklich sein.
Ingrid Herta Drewing
Juli 10th, 2011 | 0 Comments
Category: Liebe | Tags: Glück, Leidenschaft, Liebe, Sehnsucht
Weh’ euch, wenn der Kassandra Ruf verhallt
und ihr das Ungeheuer holt ins Land!
Da zeigt sich bald verheerend, was verkannt;
nicht zähmbar, unbeherrschbar, die Gewalt
ergreift, zerstört euch mit der kalten Hand.
Ihr fasst sie nicht, die unsichtbaren Strahlen,
der Tod kriecht schleichend, fahl in euer Haus,
und löscht in euren Körpern Zellen aus,
erzeugend Krebs mit allen seinen Qualen.
Dann wird euch deutlich spürbar dieser Graus.
Ingrid Herta Drewing
Juli 9th, 2011 | 0 Comments
Category: Gesellschaftskritisches | Tags: Kernkraftwerk Restrisiko, Krebs, Strahlen, Tod
In Perlgarn glänzen auf Stramin die Reihen,
ein Farbenmuster liebevoll gestickt.
Der Anblick dieser Hülle will verleihen
mir die Erinnerung, den Blick zurück.
Ich hatte sie gestickt als Weihnachtsgabe
sehr viele Wochen, heimlich in der Nacht,
und Mutter freute sich an Heiligabend,
als ich ihr dies Geschenk dann überbracht.
Jahrzehnte hüllte sie gar viele Bücher
auf Reisen und zu Hause sorgsam ein,
lag auf dem Nachttisch neben weißen Tüchern,
ja Mutter hütete sie wirklich fein.
Nun halte ich sie trauernd in der Hand,
der Mutterliebe schönes Unterpfand.
Ingrid Herta Drewing
Juli 9th, 2011 | 0 Comments
Category: Besinnliches | Tags: Buchhülle, Liebe, Mutter, Stickerei, Weihnachtsgeschenk
Und es wachsen Wolkenberge,
türmen weiß sich himmelan.
Sie umzingeln Hochhauszwerge,
und verbergen Sonne dann.
Bald färbt sich der Himmel grau,
dräut in schwefelgelben Streifen.
Und der Wind stürmt rasend, rau,
wütend will er alles greifen.
Drohend grelle Blitze zucken,
und der Donner dröhnend rollt,
ängstlich kleine Vögel gucken,
als der Hagel prasselnd grollt.
Laut tobt das so eine Weile,
dann wird ’s wieder hell und still,
bis hoch auf der Dachfirstzeile
eine Amsel ohne Eile
süß ihr Liedchen singen will.
Ingrid Herta Drewing
Juli 8th, 2011 | 0 Comments
Category: Sommer, Wetter | Tags: Amsel, Blitz, Donner, Gewitterwolken
Der Abend schlummert schon in den Zypressen,
die schattig grün wie Wachsoldaten stehen,
als habe man sie und das Haus vergessen,
in dem sich selten nur ein Mensch lässt sehen.
Nur hin und wieder öffnet sich die Tür.
Verwalter prüft, ob alles ist im Stand,
damit der Eigentümer sommers hier
sich wohl fühlt in dem ihm sonst fremden Land.
Der Dörfler Sorgen kümmern ihn dort kaum.
Er wird wohl hier nicht wirklich Wurzeln schlagen.
Das Haus ist für ihn nur Besitz, ein Raum.
Die Immobilie dient als Geldanlage.
Er ist trotz vieler Häuser unbehaust,
weil ihn das Kapital lockt stets hinaus.
Ingrid Herta Drewing
Juli 7th, 2011 | 0 Comments
Category: Gesellschaftskritisches | Tags: Eigentümer, Haus, Kapitalist, Zypresse