Lupine

Lupinenkerze, Blütenkolonie,
wächst hin zum Himmel, lange Zeit erwartet
Gleich Schmetterlingen zeigst du uns das Zarte.
in deiner blauen Blüten – Sinfonie.

Doch kaum hast du die helle Pracht entfaltet,
wachsen am Stängel schon der Früchte Schoten
im weichen, grünen Pelz, der zu Gebote.
Es scheinen die Gefahren ausgeschaltet.

Wie sorgsam schützt du so das neue Leben.
Dein Same kann die Jahre überdauern,
um dann, wenn Hindernisse nicht mehr lauern,
erneut ergrünend hin zum Licht zu streben.

Heliotrop

Es leuchten weiß der Margeriten Sterne,
sie recken hoch hinaus ihr schön’ Gesicht
zum großen Stern, dort in des Weltalls Ferne,
und baden in der Wiese Sonnenlicht.

Wie zur Parade stehen Sonnenblumen,
in eine Richtung blickt ihr Strahlenhaupt
zu ihrer großen, goldnen, heißen Muhme.
Deshalb ist auch ihr Vorname erlaubt.

Das Heliotrope vieler Pflanzen, Blüten
begeistert stets mich, wenn ich es erschau.
Ein Hauch von sanftem, ewigem Behüten
liegt über Park, Wald, Wiese, Feld und Au.

Was mir als Mensch, den Wandel in der Sicht,
doch auch Verlässlichkeit des Seins verspricht.

Ingrid Herta Drewing

Maienlied

Das Maiengrün, der Zauber erster Liebe,
in einem Frühlingswald so lind erwacht,
als ob hier Elfen ihre Lieder schrieben,
mit Liebe, Anmut, Zärtlichkeit bedacht.

Auch Sommers Glut, des Herbstes Flammenfarben,
sie malen sich in der Erinn’rung Bild.
Die Träume, die in Winters Stille starben,
sie wachen auf in jedem Frühling, mild.

Sie wirken hier in wundervollen Kreisen,
und sanft erfüllen darf sie die Natur.
Wir folgen dieser Schöpfung, die so weise
auch unsrem Leben schenkt die lichte Spur.

Und hegen dieses Glück mit allen Sinnen;
im Spiel der Zeit ein stetes neu’ Beginnen.

Ingrid Herta Drewing

Löwenzahn II

Da fliegst du hin, du zartes Schirmgebilde.
Es trägt dich in die Weite sanft der Wind.
Wer weiß, wo auf dich warten die Gefilde,
die für dein Pflanzenleben günstig sind?

Mag sein, du landest in des Rinnsteins Ritze
und musst im Gossenwasser noch bestehen,
und schaffst es dennoch, in des Sommers Hitze
als goldne Blume sonnig aufzugehen.

Vielleicht verschlägt ’s dich ins Gemüsebeet,
versuchst dort zwischen Kohlköpfen zu leben.
Man hat dich sicher sehr schnell ausgespäht,
als Unkraut deklariert, vorbei dein Streben.

Doch wenn das Glück dich bringt in eine Wiese,
wo sommers fröhlich kleine Kinder spielen,
dann wirst ein Kränzchen du für Liv und Liese,
und darfst dich auch als Pusteblume fühlen.

Ingrid Herta Drewing

Löwenzahn

Es schwebt ein Schirmchen weiß im Wind,
bringt Löwenzahnes Samen
weit weg, und seinen Platz es find’t
ohne Papiere, Namen.

So einfach hält es die Natur,
kennt viele Arten, Weisen,
zu sichern hier des Lebens Spur,
den Erdball zu bereisen.

Wir Menschen sind sehr kompliziert,
wir brauchen Pässe, Geld,
bis eine Grenze ist passiert.
Wir regeln unsre Welt

Doch manchmal möcht’ man gerne schweben
wie an dem Schirm die Samenfrucht
und freuen sich am schönen Leben
nach Landung in der stillen Bucht.

Ingrid Herta Dewing

Frühlingsmittag

Der Garten ruht in sanfter Mittagsstille.
Die Sonne glänzt, des Himmels klares Blau
ergänzt nun licht des Frühlingstages Fülle,
schafft den Kontrast zu zarter Blüten Schau.

Und hier, im Duft des Blütenhains verwoben,
genieße ich die Stunde, die geschenkt,
fühl’ mich lebendig, lieb umarmt, erhoben
in einer Schöpfung, die in Schönheit denkt.

So ist das Paradies. Dies Fleckchen Erde,
es birgt für mich das zärtlich’ kleine Glück.
Und eingebettet in ein Wachsen, Werden,
halt’ ich die Zeit an, einen Augenblick.

Von Leben, Liebe, tief berührt, betroffen,
sehe ich weit, ganz weit den Himmel offen.

Ingrid Herta Drewing

Frühlingslied

Noch immer sind es jene Sternenlieder,
die Dich entführen sanft in Harmonie.
Du hörst die Klänge und ersehnst dir wieder
dies’ Lächeln aus dem Land der Phantasie.

Seit Kindertagen wecken Frühlingsträume
in dir ein Sehnen, das nach Leben ruft,
und Schmetterlinge schwirren in den Räumen,
die als Refugium du eingestuft.

Dir wachsen Flügel, zärtliche Gedanken,
sie öffnen auch der Liebe weit das Tor;
und in den Gärten unter Blütenranken
lugt schalkhaft so ein kleiner Faun hervor.

Du hörst es wohl, der Flötentöne Klingen
und möchtest hoch dich in die Himmel schwingen.

Ingrid Herta Drewing

Frühlingshoffnung

Nun dürfen wir die milden Lüfte spüren
und freuen uns an Frühlings Blütenlicht,
das strahlend hell in allen Farben spricht,
uns weit auch öffnend viele Hoffnungstüren.

Und es ermuntert uns in Wald und Flur,
auch in den engen Winkeln kleiner Gassen,
dass wir zum Neubeginn uns leiten lassen,
gleich jedem Pflanzenspross in der Natur.

Denn immer wieder ruft das junge Leben,
reicht uns die Hand, wenn zögerlich wir sind,
wie einem kleinen, furchtsam’ Kind,
das zärtlich tröstend auf den Arm wir heben.

So tut uns allen doch der Frühling gut,
Gottes Geschenk, erweckend Lebensmut.

Ingrid Herta Drewing

Hoffnung

Wer kann, der mag dies’ Lied wohl singen,
auch wenn der Morgen stumm die Saiten rührt,
und bleiern mit gelähmten Schwingen
der Phönix sich kann kaum verdingen,
da er sich zögerlich im Grau gebiert.

Solange noch ein Mensch auf Erden
die Stimme hebt und hoffend nicht verzagt,
gesellen sich zu ihm Gefährten
und wagen sich in neues Werden,
erreichen mutig wieder Klang und Tag.

Ingrid Herta Drewing

Frühlingserwachen

In jedem Sonnenstrahl, der nun erglüht,
regt sich ein Pflänzchen und erblüht.
Die kleine Welt erwacht im Frühlingssehnen.
Auch du, verwundert, wie dir nun geschieht,
singst wieder mit des Lebens Lied,
befreit von alten Stützen, Winterlehnen.

Hinaus lockt dich die Luft, die nun so mild,
der frische Duft, das Blütenbild,
die Vögel, die im Garten lieblich singen.
Fühlst dich beschwingt wie sie, so froh erfüllt.
Dies’ Lied, das deinen Kummer stillt,
dringt tief dir in die Seele, zärtlich klingend.

Ingrid Herta Drewing