Nachtigall

Wenn alle Stimmen sind verstummt,
nur leise murmelt noch der Bach,
kein Bienchen mehr in Blüten summt,
fließt sanft der Abend in die Nacht.

Dann lässt du frühlingshold erklingen
dein zärtlich’ Lied, lieb’ Nachtigall,
und wirst mein Winterherz bezwingen
mit deinem lieblich süßen Schall.

Er dringt mir tief dort in die Seele,
und weckt der Liebe stilles Weh,
laut pocht mein Herz, es schnürt die Kehle
dies Sehnen mir, ich träumend steh’.

Ach könntest wieder du begleiten
mit deinem Lied den lieben Blick,
die traute Liebe wie vor Zeiten!
Sing, Nachtigall, bring sie zurück!

Ingrid Herta Drewing

Traumversunken

Tage gibt es, da träumen die Stunden;
festlich gekleidet, in Silber gewirkt,
schreiten sie langsam; still, liebend verbunden,
fließen Minuten, ohne Sekunden
emsig zu zählen, der Augenblick bürgt.

Tage gibt es, da klingen die Töne
dir so vertraut, ein harmonischer Klang,
dunkel und lieblich, tiefes Versöhnen
findet sich, einend in allem Schönen,
und es begleitet dich zärtlich Gesang.

Tage gibt es, da leuchten im Lichte
Farben, fein spielend in Glanz, Harmonie,
flüstern in Regenbogen Gedichte,
blau, violett, gelb, rot, grün Geschichten,
malen dir lächelnd des Glücks Sinfonie.

Tage gibt es, da schwebt in den Lüften
seidig und weich ein betörender Hauch.
Blüten erblühen und decken die Klüfte,
Wunder wirkend, im Zauber der Düfte
ruft dich, weit schwingend, das Leben nun auch.

Ingrid Herta Drewing

Muttertag

Dir, liebe Mutter, wollen wir heut’ danken
für deine Liebe, Hilfe und Geduld.
Du hast uns stets gestützt, wenn wir im Wanken,
sprachst nie von Dankbarkeit und unsrer Schuld.

Zwar braucht ’s zum Danken nicht den Muttertag,
wir sind uns ja im ganzen Jahr sehr nah,
und dennoch freut es uns, ganz ohne Frag’,
dass der besondre Tag für dich ist da.

Weilst du doch nun in deiner Kinder Kreise,
die alle hier um dich versammelt sind.
Erwachsen sind wir, doch auf liebe Weise
erinnern wir uns an die Zeit als Kind.

Wir pflückten Gänseblümchen auf der Wiese,
und überreichten dir den kleinen Strauß,
die selbst gemalten Bilder; An Elise
ward auch für dich geübt, heimlich im Haus.

Jetzt sind ’s die Enkel schon, die Blümchen bringen,
die freudig präsentieren dir ihr Bild
und zart ein liebes Liedchen für dich singen.
Du nimmst sie in den Arm und lächelst mild.

Wir, die wir selbst jetzt Mütter, wissen heute
um Freud und Leid, hautnah um Kinderglück.
Du hast es uns gelehrt, denn deine Freude,
sie strahlt wohl auch durch uns nun hell zurück.

Ingrid Herta Drewing

Maimacht

Es grünt so hoffnungsfroh der Mai.
Der Blütenkerzen Lichter
erleuchten den Kastanienbaum
in der Allee, ein weißer Traum
und rosige Gesichter.

Es singt so wunderhell der Mai.
Der Vögel süße Lieder
erklingen, hellen auf den Tag.
Der Amsel Flötenlied, ich mag
es hören immer wieder.

Berauschend duftet er der Mai.
Das Potpourri der Düfte
umschmeichelt und betört die Sinne.
Ein Hauch von zärtlich süßer Minne
schwebt lieblich durch die Lüfte.

Ingrid Herta Drewing

Maienlied

Das Maiengrün, der Zauber erster Liebe,
in einem Frühlingswald so lind erwacht,
als ob hier Elfen ihre Lieder schrieben,
mit Liebe, Anmut, Zärtlichkeit bedacht.

Auch Sommers Glut, des Herbstes Flammenfarben,
sie malen sich in der Erinn’rung Bild.
Die Träume, die in Winters Stille starben,
sie wachen auf in jedem Frühling, mild.

Sie wirken hier in wundervollen Kreisen,
und sanft erfüllen darf sie die Natur.
Wir folgen dieser Schöpfung, die so weise
auch unsrem Leben schenkt die lichte Spur.

Und hegen dieses Glück mit allen Sinnen;
im Spiel der Zeit ein stetes neu’ Beginnen.

Ingrid Herta Drewing

Frühlingsmittag

Der Garten ruht in sanfter Mittagsstille.
Die Sonne glänzt, des Himmels klares Blau
ergänzt nun licht des Frühlingstages Fülle,
schafft den Kontrast zu zarter Blüten Schau.

Und hier, im Duft des Blütenhains verwoben,
genieße ich die Stunde, die geschenkt,
fühl’ mich lebendig, lieb umarmt, erhoben
in einer Schöpfung, die in Schönheit denkt.

So ist das Paradies. Dies Fleckchen Erde,
es birgt für mich das zärtlich’ kleine Glück.
Und eingebettet in ein Wachsen, Werden,
halt’ ich die Zeit an, einen Augenblick.

Von Leben, Liebe, tief berührt, betroffen,
sehe ich weit, ganz weit den Himmel offen.

Ingrid Herta Drewing

Frühlingslied

Noch immer sind es jene Sternenlieder,
die Dich entführen sanft in Harmonie.
Du hörst die Klänge und ersehnst dir wieder
dies’ Lächeln aus dem Land der Phantasie.

Seit Kindertagen wecken Frühlingsträume
in dir ein Sehnen, das nach Leben ruft,
und Schmetterlinge schwirren in den Räumen,
die als Refugium du eingestuft.

Dir wachsen Flügel, zärtliche Gedanken,
sie öffnen auch der Liebe weit das Tor;
und in den Gärten unter Blütenranken
lugt schalkhaft so ein kleiner Faun hervor.

Du hörst es wohl, der Flötentöne Klingen
und möchtest hoch dich in die Himmel schwingen.

Ingrid Herta Drewing

Ostern

L iebe lässt uns Menschen werden,
E int, was lange war zerstritten,
B ietet Zuflucht hier auf Erden.
E r, der für uns hat gelitten,
N immt uns sanft in seine Mitte.

Ingrid Herta Drewing

Paar

Ach, Himmel du, ich Erde,
am Horizont der Kuss.
Versuch, ein Paar zu werden,
sich stehlend aus der Herde
des Einzel-Überdruss.

Du brachtest Stürme, Regen,
mein Land ward überspült,
doch in des Sommers Segen
schien Sonne auf den Wegen,
wir haben sie gefühlt.

Der Herbst mit seinen Feuern,
Glücksdrachen hoch im Wind,
mag dir und mir beteuern,
dass wir der Lieb’ Geheuer
ins Netz gegangen sind.

Ingrid Herta Drewing

Frühlingsliebe

Es brandet auf der Frühling, und das Leben,
das kürzlich noch im Winterfrost erstarrt,
nun neu beflügelt, lässt dich leichthin schweben
im Glanze seiner Blütengegenwart.

Du kennst das, siehst es dennoch freudig wieder,
dies’ leise, frohe, zärtliche Beginnen
des neuen Werdens, dessen sanfte Lieder
so lieblich in der Tage Klänge rinnen.

Der Vogelsang, der Blüten süßen Duft,
ein Potpourri des Jubels hisst die Fahnen,
und zart im Park die junge Liebe ruft,
das Pas de deux der Schwäne zu erahnen.

Die Hoffnung und der Frühling als Begleiter
sind Liebenden wohl gute Wegbereiter.

Ingrd Herta Drewing