Nachkriegskindheit

Wir träumten einst von Tarzan und Phantom
und schwangen uns im Geiste an Lianen
durch Dschungel, endlos, siegten in Gefahr,
die Comic-Heftchen ließen ’s uns erahnen.

Verboten in der Schule, doch wir Kinder,
oft unbewacht in jener Trümmerwelt,
wir waren darin unsres Glückes Finder,
und fanden dann in Tarzan unsren Held’.

Er kämpfte, nur mit einem kleinen Messer,
mit Riesenkraken, die am Meeresgrund
die Arme um ihn schlangen, er war besser,
war kaum verletzt und strahlte stets gesund.

Um uns herum, da herrschten Elend, Not.
Den Kriegversehrten fehlten oft auch Glieder,
und viele Väter war’n vermisst, auch tot.
Wer da war, der sang keine Heldenlieder.

Wir Kinder, Lebenskünstler, fanden Raum;
uns schenkte Phantasie den hellen Traum.

Ingrid Herta Drewing

Nachgefragt

Wie wichtig sind euch Wissen und Erkennen,
Verantwortung, Wahrhaftigkeit und Fleiß?
Wer pflegt der Macht nur hinterher zu rennen,
nach Art der Speichellecker nichts konkret benennend,
der fordert irgendwann zu hohen Preis.

Statt vollmundig in Worthülsen zu tönen,
ist Sachlichkeit, Bescheidenheit gefragt,
besonnen handeln, statt der Schau zu frönen,
sich klug verhalten, Feinde zu versöhnen,
dem Krieg abschwören, der mit Leid nur plagt.

Entscheiden, mit der Zukunft im Visier,
nicht nur den Tag erfolgreich, satt beenden.
Das Morgen unsrer Kinder haltet ihr,
wie alle, die hier leben, so auch wir,
doch heute schon, verfügend, in den Händen.

Gefragt sind Menschlichkeit und klarer Blick,
Wahrhaftigkeit gepaart mit viel Geschick.

Ingrid Herta Drewing

Willkommensgruß

Lass dich von Freunden gütig und herzlich empfangen
in diesen schwierigen Zeiten, sei unser Gast!
Wanderer, der du auf rauer Straße gegangen,
leg ab deine Last!

Hier in der Stille wird neu dir erwachsen die Kraft.
Wärm’ dich, geborgen am Feuer, wenn müd’ dir die Glieder!
Ausruhen darfst du, der so viel des Weges geschafft.
Setz’ ruhig dich nieder!

Sind doch die Jahre des Lebens, die Tage, gezählt;
deshalb vergeude keinen, der dir gegeben!
Sorgsam prüfe die Wege, die du jetzt gewählt;
keiner ist eben!

Und deinem Herzen folge; auch klarer Verstand
möge den Blick dir schärfen, dein Handeln stets leiten!
Hast du die Liebe gewonnen als das Unterpfand,
wird Glück dich begleiten.

Ingrid Herta Drewing

Frühlingshoffnung

Als habe es nicht Sommer, Herbst gegeben,
so winterbleich, erstarrt liegt noch das Land.
Verwunschen, fast in Stille schweigt das Leben
und zeigt dem Himmel seine leere Hand.

Verhalten schaut die Sonne in den Wald
und nistet im Geäst der kahlen Bäume;
doch zärtlich flüstern Knospen, dass wohl bald
erfüllen sich die lang gehegten Träume.

Es wird, wo jetzt nur Braun und Grau regieren,
des Frühlings Grünen alles Leben wecken.
In Wald und Wiese, Feldern, Gartenhecken
erklingt ein Zwitschern, helles Jubilieren.
Kein Vogel mag sein Können dann verstecken.

Im zarten Hoffnungskleid zeigt sich die Erde
und singt ihr blühend Lied vom neuen Werden.

Ingrid Herta Drewing

Maskenball

Getarnt durch Masken, glänzend in Kostümen,
bewegt man froh sich auf dem Maskenball;
darf flirten, tanzen, falscher Tat sich rühmen,
bis Mitternacht, manch Glück im freien Fall.

Doch dann, die Masken, Schleier sind gefallen.
Es zeigt sich alles nun in klarem Licht.
Was vormals schön noch in der Träume Hallen,
erscheint vielleicht als graues Mausgesicht.

Jedoch es kann auch eine Freude werden,
wenn Hexenlarve gibt die Schönheit frei.
Die Überraschungen auf dieser Erde
verändern schnell vertrautes Konterfei.

Zum Glück vergisst man schnell dies’ närrisch’ Spiel
und kehrt zurück zu seinem wahren Ziel.

Ingrid Herta Drewing

Grüne Papageien

Jetzt schwirren keckernd sie von Baum zu Baum
die Halsbandsittiche hier in Wiesbaden.
Im Kurpark lebt der Papageientraum;
du siehst die Vögel auf den luft’gen Pfaden.

Sie sitzen, leuchtend grün ist ihr Gefieder,
dort in Geäst und Wipfeln alter Bäume.
Sie rufen lautstark, singen keine Lieder
und wecken dennoch frohe Frühlingsträume.

Am kleinen See, wo majestätisch Schwäne
so sanft im Wasser ihre Bahnen ziehen,
vorbei am hellen Rauschen der Fontäne,
sieht man in kleinen Scharen sie entfliehen.

Sie fliegen hoch zum Nisten in Platanen,
im Grün versteckt, kann man sie nur erahnen.

Frühlingstag

Es blickt ein heller Tag dir ins Gesicht
und spricht von Freude, lässt die Sonne strahlen.
Mir ist, als habe Lenz jetzt ein Gedicht
geschrieben,  sanft es  in die Wiesen malend.

Da leuchten lila, gelb und weiß im Grünen
die Krokusgrüppchen und die Winterlinge,
und über mir dort hoch am Himmel ziehen
die Kraniche, ich hör’ den Frühling singen.

Er singt betörend seine zarte Weise
von neuem Werden, Liebe, Blütenduft,
und auch die Bächlein murmeln, flüstern leise,
vom Eis befreit, da nun das Meer sie ruft.

Das große Meer des Lebens, dessen Schäume
uns tragen und der Sehnsucht Hoffnungsträume.

Ingrid Herta Drewing

Tulpe

Roter Blütenkelch
wendet sich dem Lichte zu
und öffnet sich weit.

Im Kelch der Tulpe
ein blaues Sternengesicht
lacht in den Frühling.

Ingrid Herta Drewing

Gut und schön

Das Schöne, das verborgen blüht,
beflügelt manchen Liebestraum
der sehnend in die Seele zieht,
den Alltag und die Sorgen flieht,
zur Hoffnung werdend, füllt den Raum.

Doch wirklich schön ist nur, was gut
und altruistisch sich erweist,
erglühen lässt, was dunkel ruht,
und helfend nackten Fuß beschuht,
den Weg erwählt, der Lieben heißt.

Das, was dem Auge bleibt verschlossen,
erkennt ein sehend, liebend Herz,
nicht aufgehübschten Scheins Genosse,
erspürt es immer, unverdrossen,
das wahre Schöne auch im Schmerz.

Ingrid Herta Drewing

Frühlingserwachen

Geküsst vom milden Frühlingswind
erwachen nun der Weide Kätzchen.
Sie recken, strecken sich geschwind
im Sonnenschein, so sanft und lind,
und schmücken sich mit Pollenschätzchen.

Und schon erwacht dort reges Schwärmen,
die Bienen, die im Stock geträumt,
dicht beieinander, sich dort wärmend,
um nicht in Kälte zu verderben,
sie halten tanzend sie umsäumt.

Du kannst den Frühling flüstern hören,
der Himmel strahlt in blauem Licht.
Die Amsel singt so süß betörend,
mit ihrem zarten Lied beschwörend,
dass hier nun junges Leben spricht.

Ingrid Herta Drewing