Archive for the Category Leben

 
 

Nebulös

Was wird bewirken, dass die Nebel weichen,
die alles hier in dichtem Grau verhüllen,
schenkt Farbe diesem Land, das, grau erbleichend,
die Sehnsucht nach dem Lichte nicht kann stillen?

Es stirbt die Sonne vor der Abendstunde
im Niemandsland dort zwischen Raum und Zeit
Kein Mond, kein Stern gibt nächtens davon Kunde,
dass Myriaden Galaxien bereit.

Das Licht ist da, obwohl wir es nicht sehen.
Wir warten stumm auf seine Helligkeit;
Gefahrlos wollen wir die Wege gehen
und suchen blind im Dunkel nach Geleit.

Und halten uns einander an den Händen;
gemeinsam hoffend auf ein gutes Ende.

© Ingrid Herta Drewing

Hoffnungstage

Und Tage gibt es, da wachsen dir Flügel,
die Freude trägt dich auf Schwingen ins Licht.
Vergessen ist jeder Schreckensbericht,
verlässt dunkle Felder und Sorgenhügel.

Du hörst frohe Lieder, von Hoffnung erfüllt,
dass auch auf Erden der Friede einkehre,
ein jeder den andern, die Schöpfung ehre,
und allen werde der Hunger gestillt.

Du glaubst, dass Menschen die Zukunft gestalten,
dass Einsicht zu Vorsicht und Rücksicht dann führt,
das Leiden des einen den anderen rührt.

Und sich kein Mensch mehr im Hassen verliert,
weil er nun empathisch fühlt und auch spürt,
wie Menschen, sich menschlich, liebend verhalten.

© Ingrid Herta Drewing

Herbstsonne

Jetzt schenkt die Sonne doch dem Herbst Gesicht,
lässt ihn in seinem Farbenspiel erstrahlen,
zeigt ihn als Künstler, dessen schönes Malen
das Auge hier durch Opulenz besticht.

Da leuchtet hell des Amberbaumes Röte,
der Birke Kleid gleicht zarter Seide Gold,
der Linde Blätterzier, wohl ungewollt,
tanzt leicht nun zu des wilden Windes Flöte.

In Wald und Flur die Farben üppig blühen,
obwohl des Wachsens Abschied nicht mehr weit.
Noch einmal dieses feurige Erglühen
vor langer Nebelnacht und Winterzeit!

Dann mag Natur zu sanfter Ruh sich betten,
den Traum vom Blühen in den Frühling retten.

© Ingrid Herta Drewing

Erntedank-Gebet

Wir danken, Herr, für deine Gaben,

erwachsend aus der Erde Schoß,

denn alles  Leben, was wir haben,

wird nur aus deiner Güte groß.


Du lässt die Sonn ‚ am Himmel scheinen,

den Mond, die Sterne in der Nacht,

schenkst Regen uns, lässt Pflanzen  keimen

und  blühen, was uns glücklich macht.


Du gabst die Schöpfung uns zur Pflege,

nun bitten wir, gib uns die Kraft,

sie auch in deinem Sinn zu hegen,

nur das zu tun, was Frieden schafft.

© Ingrid Herta Drewing

Spätsommersonntag

An einem Tag wie heute, hell und warm,
da möcht’ man sonnenwärts zum Himmel schweben.
Spätsommer nimmt uns zärtlich in den Arm
und schenkt uns einen Sonntag, reich an Leben.

Noch grünen Bäume, leuchten Beerenhecken,
und golden malt die Sonne hier den Tag.
Das Eichhörnchen mag sich nun nicht verstecken,
es sammelt Nüsse dort im nahen Hag.

Auch unser Lobgesang darf schön erklingen,
Licht leuchtet warm durch ’s bunte Fensterbild,
zeigt Gottes Sohn, sich auf zum Himmel schwingend.
Wir singen Benediktus…, andächtig und mild.

Und danken Gott für seine große Güte,
wir bitten, dass er unsre Welt behüte.

Ingrid Herta Drewing

Herbstlied

Es hat der Herbst die Bäume angehaucht,
die morgens sanft im Nebelbett noch ruhen,
und auch die Heide träumt in zartem Rauch;
die Glockenelfe tanzt in feuchten Schuhen.

Doch mittags darf im Sonnenschein erstrahlen
das weite Land in seinem Pflanzenflor,
wo die Natur in farbenfrohem Malen
still zaubert ihrer Töne Gold hervor.

Und lässt hier schön die hellen Saiten klingen,
spielt Indian summer, macht den Himmel weit,
und dennoch schwingt der Abschied in dem Singen,
erzählt von langem Traum in stiller Zeit.

Wenn sich der Pflanzen Leben nimmt zurück,
um Kraft zu sammeln für das Frühlingsglück.

Ingrid Herta Drewing

Lebensfrage

Das Leben ist ein Werden und Vergehen.
Wer kennt das Ziel, das Ende seiner Spur?
Aus Dunklem kommend, leuchtend hell entstehend,
so flammt es auf ringsum in der Natur.

Wir Menschen sinnen, wollen es verstehen,
entschlüsseln viele seiner Rätsel kühn.
Doch dem Warum, Woher genügt kein Sehen,
wir bleiben blind in unserem Bemühen.

Je mehr wir wissen, desto minder wird uns klar,
warum nicht nichts hier ist und Anfang war.
Da sind wir ahnungslos wie zahme Tauben.

Doch Urvertrauen, uns seit Kindheit offenbar,
schenkt die Gewissheit, dass vor allem ist und wahr
der Gott der Liebe, Christ, an den wir glauben.

© Ingrid Herta Drewing

Zuspruch

Kein Morgenrot, nur Wolkengrau!
So deine ständige Beschwerde.
Als täglich Brot nur Himmelblau
erwarten darfst du’s nicht auf Erden.

Auch deine Jahreszeiten wechseln;
Es blüht der Frühling, welkt dahin.
Im Sommer magst du Träume drechseln,
dein Jahr kennt Herbst und Winters Sinn.

Die Mächte, die hier webend walten,
ergreifst du nicht mit Menschenhand,
und dennoch kannst auch du gestalten
dein kleines Leben hier im Land.

Drum warte nicht auf bessre Zeiten!
Häng’ nicht dein Fähnchen nach dem Wind!
Das Glück wird wohl nur den begleiten,
der sich besinnt, den Weg beginnt.

© Ingrid Herta Drewing

Unser Leben

Gefüllt bis an den Rand der Becher, Leben
als ein Geschenk ; für eine kurze Zeit
ist ’s uns auf Erden liebevoll gegeben.
Wir nehmen ihn und trinken, sind bereit.

Uns hier mit unsrem Dasein einzufügen,
gestalten diese Welt, die uns gefällt.
Wenn uns auch oft misslingen Höhenflüge,
so sind wir dennoch tapfer eingestellt.

Auch auf Gefahren, die im Leben lauern,
seien ’s Mikroben oder Sturmesgroll.
Gemeinsam werden wir dies überdauern,
erfüllen hier als Menschen unser Soll.

Und geben wir dereinst den Becher hin,
so wissen wir um unsres Lebens Sinn.

Ingrid Herta Drewing

Leben

Es liegt im Wachsen etwas Wunderbares,
wie sich ein Keimling in das Werden fügt,
sich einreiht jede Zelle, etwas Klares,
das auch dem großen Ganzen dann genügt.

Als habe es geheimen Ruf vernommen,
so folgt das Leben leise, drängt zum Licht,
und plötzlich ist es da, wirkt so vollkommen,
zeigt hier im Dasein schön sein Angesicht.

Zwar wissen wir heut’ viel von der Natur,
verfolgen analytisch ihre Spur,
um möglichst auch Erkenntnis zu erlangen.

Jedoch sind wir ein Teil des Lebens nur
und zogen sie nicht auf, die große Uhr.
Wir dürfen es nur demütig empfangen.

Ingid Herta Drewing