Archive for the Category Wetter

 
 

Mai-Gewitter

Der dunkle Wolkenrand wächst in die Weite,
und bald schon ist des Himmels Blau bedeckt.
Der Sonne Strahlen, nun ermattet, gleiten,
bis sie sich ganz im Wolkenmeer versteckt.

Es heult der Sturm und kündet an mit Brausen,
dass hier gleich ein Gewitter toben wird.
Die Vögel stieben schnell in ihr Zuhause,
bevor der Äste Peitschen sie verwirrt.

Da plötzlich zucken Blitze, zackig gleißend,
und wütend, krachend, laut der Donner rollt,
als wollten sie die Erde schier zerreißen,
ein feuriges Inferno, das wild grollt.

Doch du als Mensch trotzt den Naturgewalten,
siehst, wohl geborgen, wie sie Kraft entfalten.

© Ingrid Herta Drewing

Apriltag II

Es herrscht ein grauer Tag in Wald und Flur.
Sogar die Vögel schweigen, sind im Neste,
wo doch die Frühlingszeit in Konjunktur
berauschen sollte, feiern frohe Feste.

Erwartungsvoll, geschmückt mit Blüten, Bäume,
auf ihre Bienengäste eingestellt;
doch die sind weit entfernt von Honigträumen,
denn hier zeigt sich noch immer kalt die Welt.

Wild fegt der Sturmwind durch die Blütenzweige
und bietet sich hier forsch als Tänzer an.
Er reißt die Blüten mit, die Bäume schweigen
und nehmen stumm ihr grausam Schicksal an.

Mein kleiner Apfelbaum jedoch steht windgeschützt,
bewahrt sein Blütenkleid auch noch bei Sturm und Blitz.

© Ingrid Herta Drewing

Aprilabend

Fahl sinkt die Sonne nun ins Wolkenbett.
Ein kühler Abend liegt in blassen Schatten.
Gedämpftes Zwitschern, Vögel im Duett,
will in der Ferne langsam auch ermatten.

Nachdem April dem Regen heut gefrönt
und auch der Stürme Spiel nicht ausgelassen,
hat er zur Abendzeit uns kurz versöhnt;
es klarte auf, und Sonne konnte fassen.

Der Wind hat sich gelegt, und Abendruhe
zieht ein ins Tal, das nun von Sonntag träumt.
Es packt April den Tag in seine Truhe;
das wilde Wetter hat er aufgeräumt.

Vielleicht, so hoffen wir, wird es bald mild,
ersehnen uns ein helles Frühlingsbild.

© Ingrid Herta Drewing

April I

Es hat die Sonne sich im Wolkenbett verkrochen
und blinzelt jetzt nur zaghaft auf die Erde.
„ Was uns der Frühling gestern strahlend noch versprochen,
scheint heut’ vergessen“, lautet die Beschwerde.

Er lässt April doch nun recht launenhaft gewähren.
Der spielt mit Stürmen, Regen, Frost und Schnee;
die zarten Blüten wird er mutwillig verheeren
und bringt der Vogelbrut so manches Weh.

So dass jetzt alle schon den hellen Mai erhoffen,
der alle Bäume lind ergrünen lässt.
Er wird gar sehr ersehnt, die Türen sind ihm offen,
denn mit ihm kommt das wahre Frühlingsfest.

So lange müssen wir noch den April ertragen,
doch freuen wir uns auf die goldnen Sonnentage.

© Ingrid Herta Drewing

Aprillaunen

Verbranntes Holz würzt herb die kühle Luft.
Noch wärmt man sich am Feuer der Kamine,
auch wenn der Hyazinthen süßer Duft
erinnert an des Frühlings helle Miene.

April macht seinem Namen alle Ehre,
bedeckt die Blüten plötzlich ganz mit Schnee.
Dann bleckt die Sonne wieder heiß, als wäre
vorbei nun wirklich dieses Winters Weh.

Es spricht vom Lenz seit Tagen der Kalender
Der Vögel lieblich’ Singen ruft zum Fest.
Die Ranken treiben aus, dort am Geländer,
und Vogelmütter brüten schon im Nest.

Wer hinschaut, kann des Frühlings Zeichen sehen,
die Launen des Aprils gut überstehen.

© Ingrid Herta Drewing

Frühlingswetter

Und graue Regenwolken ziehen
am Himmel schnell vorüber,
als wollten furchtsam sie entfliehen,
rastlos, gejagt, kopfüber.

Von Westen kommend hat ein Tief
uns nun den Sonnentag vertrieben,
und wer hier heut’ nach Wärme rief,
der ist wohl unbeschenkt geblieben.

So wechselhaft ist Frühlings Wetter,
der gern zu Kapriolen neigt.
Ich hoffe, morgen wirkt er netter,
wenn sich uns Sonne wieder zeigt.

© Ingrid Herta Drewing

Verrückter Januar in Wiesbaden

In meinem Leben noch nie war
Gewitter hier im Januar,
dazu ein sanfter Frühlingsregen.

Die Wiesen Gänseblümchen hegen,
auch dort im Park, im stillen Hag
die Rose rot noch blühen mag.

Und Vögel, die zu Haus’ geblieben,
hell singend in den Bäumen stieben,
sich zwitschernd schon im Nestbau üben.

Ich fänd‘ das schön und säh’s beglückt,
wär‘ nicht die Jahreszeit ver- rückt.

© Ingrid Herta Drewing

Winterpause

Einstweilen hat der Winter sich verkrochen.
Der Regen hat den Schnee bald weggespült.
Zwei Tage war im Brautkleid, schon versprochen,
die Erde; doch dann ward der Bund gebrochen.
Der Tauwind kam, wir haben ihn gefühlt.

Der stolze Schneemann in dem kleinen Garten,
ihn hatten Kinder liebevoll gebaut,
er sollte glanzvoll auf das Christfest warten,
trug einen Tannenzweig, schön als Standarte;
nun schmilzt er hin, ist fast schon weggetaut.

Und von den Dächern tropft es, rutscht der Schnee,
den wir zur Weihnacht hätten gern behalten
im Mondlicht glänzend, Zauber aus der Höh’.
Nun meldet sich hier kühl die Nebelfee,
in grauen Schleiern ihren Tanz gestaltend.

© Ingrid Herta Drewing

Winters Ankunft

Nun fröstelt auch der Tag; es schleicht der Winter
sich heimlich,  von Nordosten kommend,  ein.
Die Blätter, Herbstes farbenfrohe Kinder,
verwelken, Raureif hüllt sie glitzernd ein.

Der Bäume, Büsche filigrane Äste,
verzaubert, sind kristallen überzogen;
es feiern Nebel und der Frost hier Feste,
vor Winter sich verneigend, wohl gewogen.

Wo sonst das Dach mit roten Ziegeln strahlt,
zeigt sich das alte Haus mit weißem Haupt,
und Rauch, den sein Kamin ins Blaue malt,
ein zartes Kräuseln, das die Kälte klaubt.

Die Krähe sitzt dort, postuliert:“ Krah, krah,
wer’s noch nicht weiß: Der Winter, der ist da!“

© Ingrid Herta Drewing

Wetter

Von allem, was nicht abzuwenden,
was man auf Erden muss ertragen,
das uns mit seinen blanken Händen
ergreift, eh’ wir zur Wehr uns wagen,
ist doch das Wetter auch zu nennen.
Es lehrt uns, Hoch und Tief zu kennen.

So wechselvoll in Jahreszeiten
gestaltet ’s unsre Klimazone;
da darf es Flora, Fauna leiten.
Dem Landwirt wohl gereicht ’s zum Lohne,
wenn er sein Handeln danach richtet
und wetterfeste Pflanzen züchtet.

Wir schauen doch als Erdenkinder
auf ’s Wetter alle, mehr und minder,
und stellen uns dann darauf ein;
wie wir uns kleiden, was wir machen,
ob wir verstimmt sind oder lachen.
Bei vielem, was bei uns der Hit,
spielt letztlich auch das Wetter mit.

Das Wetter, das uns täglich zeigt,
dass Menschenmacht sehr häufig schweigt.

Ingrid Herta Drewing