Archive for the Category Besinnliches

 
 

Sommerwehmut

Des Sommers Zeit, sie tröpfelt, und mein Leben,
das nun wie sie dem Herbst entgegen sieht,
es möchte sich auf ewig hier verweben,
den Funken Sonne fühlen, der noch glüht.

Auch wenn sich dann entlaubte Baumgestalten
verschämt  im Spätherbst nebelgrau verhüllen,
möcht’ ich dies Sommerlied behalten,
die Sehnsucht nach des Südens Wärme stillen.

Würd’ gerne jenen Vogelflug auch wagen,
jedoch ist ’s mir versagt, so weit zu gehen.
Da heißt es standfest sein und nicht verzagen,
um mutig dann den Winter zu bestehen.

Vertrauen in dem Spiel der Jahreszeiten
auf den, der auch mein Leben wird geleiten.

© Ingrid Herta Drewing

Täuschung

Es liest der Wind in meinem Buche,
gar stürmisch blättert er darin,
als ob er was Bestimmtes suche,
begierig auf der Worte Sinn.

Wie sehr trügt erster Augenschein!
Es wollte der Geselle nur
dies fein Gedichtebüchelein
zerfleddern.Lesen, nicht die Spur!

Wo rohe Kräfte sinnlos walten…,
das sagte Meister Schiller schon,
von Poesie sie gar nichts halten,
auch nichts von bildlichem Gestalten,
zerstörend eilen sie davon.

© Ingrid Herta Drewing

Liebesmacht

Wo Liebe sich in Schönheit offenbart,
da werden Engel helle Lieder singen.
Ein Zauber schwingt darin, und lieblich, zart
lässt er sein süßes Blütenlied erklingen.

Wir schauen, fühlen, wie das Wunderbare
nun unser Leben führt mit milder Hand.
Bewusst wird uns, dass das sonst all zu rare
und flücht’ge Glück sich nicht erweist als Tand.

Und Freude uns durchdringt, erquickt die Seele,
die traurig ihre Tage sah entfliehen.
Beschwingt darf sie sich aus dem Dunkel stehlen,
da ihren Flügeln neue Kraft verliehen.

Die Liebe ist es, die uns Leben schenkt,
es blühen lässt, von guter Macht gelenkt.

© Ingrid Herta Drewing

Verhüllter Sommer

Es fliegen die Schwalben und schweben;
noch weilt der Sommer im Land,
obwohl dichte Wolken verweben
das Licht mit grauweißer Hand.

Und dennoch die Milde der Lüfte,
ein Schauern, der Farben Rausch,
Lavendel, Petuniendüfte
Blauregen lieblich im Plausch.

Die Amsel singt hell dort im Garten,
und Sonnenblumen im Saft,
am Wege gelb blühend, erwarten
der strahlenden Sonne Kraft.

Ingrid Herta Drewing

Der Rosenbusch

Es gab da einen Rosenbusch im Garten,
der leuchtete im Sommer goldenrot;
und Blüte reihte sich an Blüte,
als könnte er ’s vor Freude kaum erwarten,
bis ihn ihr zartes Feuer hell umloht.

Und Blüte reihte sich an Blüte,
getragen sanft von dunkelgrünen Blättern.
Die Zweige wiegten sich im leichten Wind.
Er strahlte glänzend noch im Herbst in Güte
bei Sonnenschein und Regenwetter.

Die Zweige wiegten sich im leichten Wind,
nur selten zeigten sie die spitzen Dornen.
und ich erfreute mich am Blütenflor,
geborgen in des Sommers Glück, ein Kind,
nichts ahnend von der dunklen Macht der Nornen.

Ingrid Herta Drewing

Vom Dichten

Für wen? Warum nur willst du schreiben?
Ist es doch Spiel nur mit dem Wort.
Du könntest dir die Zeit vertreiben
mit bess’rem Ziel, am andern Ort.

Sagst du und weißt nichts von dem Glück,
das mir beim Dichten hell erblüht,
wenn Bilder melden sich zurück.
und Vers an Vers im Klang erglüht

Ich suche nicht, die Worte sprießen,
es stürmen Reime auf mich ein,
wenn ein Gedicht beginnt zu fließen,
in Worten lebt sein eignes Sein.

Dann ist mir, als ob neues Leben
sein Lied mir in die Seele singt,
um mir hier Zeit und Raum zu geben,
und wie Musik in sanftem Schweben
ergreift mich Freude, wenn’ gelingt.

Ingrid Herta Drewing

Leben

Es liegt im Wachsen etwas Wunderbares,
wie sich ein Keimling in das Werden fügt,
sich einreiht jede Zelle, etwas Klares,
das auch dem großen Ganzen dann genügt.

Als habe es geheimen Ruf vernommen,
so folgt das Leben leise, drängt zum Licht,
und plötzlich ist es da, wirkt so vollkommen,
zeigt hier im Dasein schön sein Angesicht.

Zwar wissen wir heut’ viel von der Natur,
verfolgen analytisch ihre Spur,
um möglichst auch Erkenntnis zu erlangen.

Jedoch sind wir ein Teil des Lebens nur
und zogen sie nicht auf, die große Uhr.
Wir dürfen es nur demütig empfangen.

Ingid Herta Drewing

Ermunterung

Und hast du auch alles verloren,
dir doch die Erinnerung bleibt,
aus Bildern, die wieder geboren,
das Leben sich schön weiter schreibt.

Auch ist dir die Sprache geblieben.
Vertrauter Klang schenkt dir Licht,
Musik und Lieder; wir lieben
noch immer das zarte Gedicht,

das früher als Kinder wir lernten
und auch manch’ kleines Gebet.
Wenn Zeit uns auch vielem entfernte,
dies traulich für uns noch besteht,
wird nie obsolet.

Ingrid Herta Drewing

Die gestickte Buchhülle

In Perlgarn glänzen auf Stramin die Reihen,
ein Farbenmuster liebevoll gestickt.
Der Anblick dieser Hülle will verleihen
mir die Erinnerung, den Blick zurück.

Ich hatte sie gestickt als Weihnachtsgabe
sehr viele Wochen, heimlich in der Nacht,
und Mutter freute sich an Heiligabend,
als ich ihr dies Geschenk dann überbracht.

Jahrzehnte hüllte sie gar viele Bücher
auf Reisen und zu Hause sorgsam ein,
lag auf dem Nachttisch neben weißen Tüchern,
ja Mutter hütete sie wirklich fein.

Nun halte ich sie trauernd in der Hand,
der Mutterliebe schönes Unterpfand.

Ingrid Herta Drewing

Unbelehrbar ?

Wir, die wir alt, erfahren sind,
erlebten vieles, haben auch erkannt,
des Lebens Honig glänzt hell in den Waben;
uns treibt nun keine Hast mehr über Land.

Versunken in den Traum der alten Lieder,
erfühlen wir so manchen neuen Tag
und fragen uns, warum man immer wieder
die gleichen Fehler wiederholen mag.

Die Lehren, die wir könnten hier verkünden,
sind für die Jungen abgelegte Kleider.
Sie machen ihre eignen Fehler, Sünden
und haben doch wie wir die gleichen Schneider.

So zeigt auch leider der Geschichte Spur,
wie unbelehrbar menschliche Natur.

Ingrid Herta Drewing