Noch lag der Hauch des Nebels auf den Wiesen,
und rötlich, zart im Ost die Sonne schaute,
ein Tagen ohne dich, der Morgen graute.
An unsrem Platz, wo über Baches Fließen
man jene kleine Brücke kunstvoll baute,
dort sollten zum Gedenken Rosen sprießen.
Da plötzlich stand vor mir dein liebes Bild.
Mir waren Weg und fast die Luft genommen;
mein Herz erwachte, klopfte rasend, wild,
verlor’ne Liebe, Trauer, Schutz und Schild;
hab’ so geglaubt, du würdest wieder kommen!
Vermisst du, tot wohl, hatt’ man mir enthüllt.
Doch als du zärtlich nanntest meinen Namen,
der Klang der trauten Stimme mich umgab,
da wusste ich, dass ich dich wieder hab’,
fand mich geborgen lieb in deinen Armen;
und Rosen schwammen weiß den Bach hinab.
Der Liebe Dankgebet fand still ihr Amen.
© Ingrid Herta Drewing
Januar 24th, 2012 | Erinnerungen, Liebe, Orte | Tags: Brücke, Gebet, Geliebter, Liebe, Morgen, Rosen, Tod, Vermisst, Wiedersehen | 0 Comments
Fritz Schnurz war einer von den Leuten,
die sehr auf Sicherheit bedacht,
sich nicht auf Reisen ’mal erfreuten.
Er hat sich nichts daraus gemacht.
Sehr gern blieb er zu Haus’ im Garten.
Da sei er sicher, sagte er.
Mit Flugzeugen zum Himmel starten,
mit Schiffen kreuzen auf dem Meer,
mit Auto, Bus und Bahn zu fahren,
kam nicht in Frage, dies‘ Malheur,
das lehnt’ er kategorisch ab.
Man höre ja so viel seit Jahren
von Unfall, Tod dort, nicht zu knapp.
Wer gebe ihm da Schutz, Gewähr?
Jedoch das Leben, das uns wichtig,
zeigt uns, man macht nie alles richtig.
Und eines Samstags um Halbzehn
sah man Fritz Schnurz im Garten steh’n.
Er schnitt dort liebevoll die Rosen,
ließ sich von ihrem Duft liebkosen;
da traf ihn plötzlich, sapperlot,
ein schweres Teil aus Weltraumschrott!
Es fiel ihm hart auf seinen Kopf,
zusammenbrach der arme Tropf.
Herr Schnurz, der nun in großer Not,
fiel in die Rosen und war tot.
„Ein schöner Tod“, meint’ Nachbar Schmitt.
Er mag ’s so seh’n, darf ja noch leben.
Ansonsten teilt uns dies wohl mit:
Die Sicherheit, die wird ’s nie geben.
© Ingrid Herta Drewing
Januar 22nd, 2012 | Besinnliches, Erzählgedichte, Leben, Tod | Tags: Angst, Garten, Reisemuffel, Rosen, Sicherheitsbedürfnis, Tod, Weltraumschrott | 0 Comments
Sie hören
das Gras wachsen
und sehen
die Wiese nicht.
Sie kaufen
Plastikblumen,
reinigen sie
regelmäßig.
Sie platzieren
Porzellanpuppen
artig
auf dem Sofa
und bemerken nicht,
dass sie bereits
tot sind.
© Ingrid Herta Drewing
November 22nd, 2011 | Besinnliches, Gesellschaftskritisches | Tags: Einsamkeit, Illusion, Neugier, Plastikblumen, Surrogat, Tod | 0 Comments
Wie seltsam ist’s, dass seit Beginn des Lebens
das Sterben immer auch zugegen ist,
dem Leben setzt die kurze Daseinsfrist,
das Hoffen auf ein Bleiben ist vergebens.
Es sind die Erde, auch das weite All
auf Werden und auf Wandel eingestellt.
Das Leben im Bewusstsein, unser Fall,
ist wohl ein Funke nur im großen Feld.
Der Welt, die wir im Ansatz kaum erahnen,
mit Fragen tastend suchen zu verstehen;
die Religion uns bindet an ein Mahnen,
dass wir einander liebend leben sehen.
Denn dieses eine Leben, unser Traum,
kann sein so wunderschön im Erdenraum.
© Ingrid Herta Drewing
November 21st, 2011 | Besinnliches, Glauben | Tags: Fragen ., Glaube, Leben, Sterben, Suchen, Tod, Vergehen, Weltall, Werden | 0 Comments
Es trägt der Wind die letzten goldnen Blätter
und wirbelt sie im Tanze durch die Luft.
Noch einmal grüßen sie das Sonnenwetter,
bevor ihr irdisch Los zum Welken ruft.
Was einst im Frühling lind begann zu leben,
in Sommers Reife grünen ließ den Baum,
darf losgelöst von seinem Ursprung schweben
in kurzer Freiheit vor dem langen Traum.
Zu Boden sinkend, braune Blätterhülle,
die sanft und warm deckt bloße Erde zu,
wenn Raureif, Schnee, des Frostes kalte Stille
das Pflanzenleben lässt in Winters Ruh’
Um dann im warmen Dunkel aufzugehen,
zurückgekehrt zu lichtem Auferstehen.
© Ingrid Herta Drewing
November 13th, 2011 | Besinnliches, Glauben, Herbst, Kreislauf des Lebens | Tags: Auferstehung, Blätter, Feiheit, Herbst, Tod, Wind | 0 Comments
Ein kühler Kuss, des Herbstes Frische
belebt und lockt ins Licht, ins Freie;
mag froh mich unter Menschen mischen,
die Grübelei gilt ’s wegzuwischen
und Hoffnung lassen angedeihen.
Hier in des Herbstes Farbengarten –
der Bäume Laub glänzt golden, rot-
darf ich den Augenschmaus erwarten,
bevor die wilden Stürme starten,
die Pracht zu wehen in den Tod.
© Ingrid Herta Drewing
Oktober 30th, 2011 | Besinnliches, Herbst, Lebensfreude | Tags: Blätter, Farbenspiel, Herbst, Sturm, Tod | 0 Comments
Des Jahres Mitte weit schon überschritten;
den jungen Herbst traf Sommer an der Tür.
Er, der so taff, ließ sich nicht lange bitten,
trat ein, nahm Platz, beanspruchte Revier.
Wir kennen ihn mit seinem Freudenfeuer,
so schnell entflammt, küsst er die Blätter rot,
lässt sie in Wirbelwinden tanzen; teuer
scheint ihm da nichts zu sein, verkennt die Not.
Wenn im November welk die Blätter zittern,
am Boden liegend; Nebelschwaden schweifen,
schon Winters Fröste nach dem Herbstkleid greifen,
ahnt er nun rau gereift auch das Verwittern
Verhüllt sein kahles Haupt im Nebelflaus,
und Rabenvögel fliegen um sein Haus.
© Ingrid Herta Drewing
Oktober 11th, 2011 | Besinnliches, Herbst, Lebensfreude, Liebe, Natur | Tags: Feuer Herbstfarben, Herbst, Leichtlebig, Liebelei, Nebel, RaureifRaben, Tanz, Tod | 0 Comments
Wir treiben in dem letzten Boot
auf diese Insel zu,
auf welche wir nur leicht hingehen,
ganz ohne Last und Schuh.
Hier gibt es Sorge nicht, nie Not,
da alles liegt in Ruh’
Zypressenwächter dunkel stehen,
nicht fragend nach dem Du.
Ein goldnes Licht hält hier im Lot
ein ewig sanfter Wille,
und tiefes Schweigen gilt dem Tod,
verstummt die Stimmen, Stille.
© Ingrid Herta Drewing
August 18th, 2011 | Besinnliches, Tod, Zu Gemälden und anderen Bildern | Tags: Döblins "Die Toteninsel", Frieden, Insel, Seele, Tod, Zypressen | 0 Comments
Ich greife nicht mehr nach den Sternen.
Die Träume sanken in das Tal
gleich Nebeln, gräulich Licht entfernend.
Des Daseins Farben werden fahl.
Die Kräfte schwinden mir, das Leben
spielt still; die Hände tragen Sand
und Asche; matt wird alles Streben.
Ein blindes Tasten sucht nach Land.
Versiegt die Quellen, welk die Rosen.
Der letzte Tisch ist bleich gedeckt.
Der Blumengruß der Herbstzeitlosen,
zu Tode hat er mich erschreckt.
© Ingrid Herta Drewing
August 11th, 2011 | Besinnliches, Vanitas | Tags: Abschied, Nebel, Tasten, Tod, Vergänglichkeit | 0 Comments
So hell im Leben, Licht,
und doch schon nah’ der Nacht!
Das schöne Angesicht,
vom Tau benetzt, erwacht,
wird welken und vergehen.
Dies’ alte Spiel der Zeit,
das wir nur halb verstehen,
mahnt an Vergänglichkeit.
Sie, die, da stetes Werden
das Leben gibt und nimmt,
in allem hier auf Erden
ein Todeslied anstimmt.
Und dennoch tönt ein Klingen,
schwebt über All und Nacht,
wird hin in Sphären dringen,
die jenseits ihrer Macht.
Ingrid Herta Drewing
Juli 15th, 2011 | Vanitas | Tags: All, Ewigkeit, Rose, Schönheit, Tod, Vergänglichkeit | 0 Comments