Frühlingsspur

Der Frohsinn zeichnet seine Spur,
und Frühling im Gelände
zeigt farbig Winters Ende.
Es regt sich nun in Wald und Flur
ein Sprießen, Knospen. Die Natur
will wachsen, blüh’n behände.

Am Rhein goldgelbe Osterglocken
in Blütenliedern schwingen.
Schneeglöckchen, Winterlinge
und Krokusgrüppchen leuchtend hocken
im Wiesengrün; ins Freie locken
darf auch der Amsel Singen.

Und hell im Sonnenlicht erstrahlen
der Erde Bühnen-Bilder.
Du hoffst, es würden milder
nun auch der Menschheit üble Qualen,
dass Kriege nicht mehr blutig malen
des Todes fahle Schilder.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Fastnachtsspielerei

Schnell laufen zwei Cowboys die Straße entlang,
begleitet von Clowns und zwei Kätzchen.
Ein Alien ruft, nimmt sie froh in Empfang,
begrüßt sie als drollige Schätzchen.

Zwei Rothäute im Häuptlingsfederschmuck,
sie drohen den Cowboys mit Beilen.
Die ziehen die Colts wild mit einem Ruck
und wollen zum Kampf sehr schnell eilen.

Ein Zauberer kommt und trennt die Partei,
’ne Prinzessin steht schüchtern daneben.
Die Clowns mit den Klatschen springen herbei
und wollen ihm frech eine kleben.

Da naht der Umzug, es fliegen Kamellen.
Jetzt haben alle was andres zu tun.
Zum Auffangen sind sie behände zur Stelle,
und schließlich kann das Kriegsbeil mal ruh’n.

© Ingrid Herta Drewing.

Kröte Emmas Sonderweg

Im März, da kroch mit ihresgleichen
die Kröte Emma, wollte laichen
im Weiher bei der großen Wiese,
wo ’s sich auch herrlich schwimmen ließe.

Doch war die Tour dorthin beschwerlich
mit all den andern, einmal ehrlich,
es nervte sie dies’ Gruppenhüpfen,
das lahme Kriechen, müde Schlüpfen.

Darum, sie war wohl auch verdrossen,
versuchte sie nun, kurz entschlossen,
den langen Weg mal abzukürzen,
um sich ihr Leben selbst zu würzen.

Sie kroch zur Straße, die schön eben
und warm vom Sonnenschein, welch’ Leben!
Die musste sie kurz überqueren,
um schnell zum Weiher heimzukehren.

Die andern rieten ihr noch ab,
das sei ein Todespfad, ein schlimmer,
ein Weg des Grauens und Gewimmer.
Doch Emma lachte nur mal knapp.

Sie hüpfte auf das warme Pflaster.
Wie eben war’s! Kein Stein, kein Ast, der
dort garstig ihr im Wege stand!
Sie glaubte, hier sei frei das Land.

Auch war sie sich wohl nicht im Klaren,
dass auf der Straße Autos fahren,
die sich nicht scheren um die Kröten
und deren große Wandernöte.

Kaum war zwei Meter sie gekrochen,
war’s Unheil schon hereingebrochen.
Ein Auto kam schnell angerauscht,
der Fahrtwind hat sie angeplauscht,
warf Emma wirbelnd weit zurück.

Sie landete im Moos, zum Glück,
und wusste erst nicht, wie ihr war.
Jedoch dann ward ihr langsam klar,
dass sie grad so dem Tod entronnen,
weil sie was Falsches da begonnen.

Nicht immer ist der leichte Weg
für alle Fälle gut und richtig;
sehr oft erweist sich kurzer Steg
am Ende unverhofft als nichtig.

© Ingrid Herta Drewing

Geburtstagspause

Dass die Pause wichtig ist
in Musik und Sangeskunst,
ließ Geburt dich schon erfahren.
Dauert ’s seitdem doch vier Jahre
bis des rechten Datums Gunst
nicht den Ehrentag vergisst.

Dieses Jahr wird er vermisst.
Dennoch sollst du hoch, hoch leben!
Nicht nur heut‘ an diesem Tag

Gott dich segne, weiter trag‘,
auch die Kunst, die dir gegeben!
Schön, dass du geboren bist!

© Ingrid Herta Drewing,2014

Klabautermann

Es klappert der Klabautermann
in Rahen und Kombüse.
Im Sturm hält er sich richtig ran
und fetzt die Segel, wie er kann,
als pflücke er Gemüse.

Da rollt die See in Monsterwellen,
es tanzt und schäumt die Gischt,
er lässt sein lautes Lachen gellen,
die Blitze gleißend Nacht erhellen,
er polternd, donnernd spricht.

Die See ist mein, und euer Schiff
nur Tand aus Menschenhänden!
Ich werfe es dort vorn auf ’s Riff
und gebe euch den letzten Schliff,
bedenkt nun euer Ende!“

Es klappert der Klabautermann
bis
Mast und Schoten brechen.
Der Maat spinnt schmunzelnd Seemannsgarn,
erstaunt hört das der Schiffsjung‘ an,
Matrosen grinsen, zechen.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Lampedusa

Verloren

die Flüchtlinge

vor Europas Toren.

Im Mittelmeer ertrinkt ihre

Hoffnung.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Frühlings-Akrostichon

F rische Luft! Ein lichter Tag
R uft den müden Blick ins Freie.
U nverhüllt hier scheinen mag
E ndlich Sonne! Es gedeihe
H ell der Blumen zarte Schar,
L euchte farbig auf den Wiesen!
I nnig schön die Amsel singt;
N un ihr süßes Lied erklingt,
G lockenklare Frühlingsgrüße.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Winterlos

Ein Jahr, in dem kaum Winter war,
der Herbst den Frühling rief,
nur Nebel,Regenwolken-Schar,
bis Lenz sich zeigte blütenwahr,
die Sonne nicht mehr schlief.

Zu früh erwachten Busch und Baum,
und weit die Pollen flogen.
Die Bienen lagen noch im Traum,
Befruchtung war da möglich kaum;
auch’s Vogelvolk betrogen.

Im Februar erblühten Rosen,
wo sonst herrscht‘ Frost und Schnee.
Die Milde schien uns zu liebkosen,
doch brachten Wasserfluten,große,
weit über Land das Weh.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Vorfrühlings-Spaziergang

Der Himmel schwelgt in tiefem Blau.
Es greift der Sonne Strahlen
in Bäume, Büsche, Feld und Au,
verströmt sich mild;der Mauern Grau
mag golden sie bemalen.

Dich lockt die frische Luft hinaus,
lässt dich vom Licht beleben.
Der süße Duft dort vor dem Haus
im Hyazinthen-Blüten-Flaus
scheint als Geschenk gegeben.

Gehst gern spazieren, froh gelaunt,
und hörst die Amsel singen,
den Bach, der frühlingsmunter raunt,
siehst Krokus-Grüppchen,hell erstaunt,
ihr Farbenspiel erbringen.

Jetzt fühlst du,wie sich vieles regt,
im Frühling zu erglühen.
Der Südwind Wipfel mild bewegt,
und die Natur hier zärtlich hegt
das Leben im Erblühen.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Abendstimmung

Sonnenuntergang,
Errötet glüht der Himmel.
Das Amsellied klingt

© Ingrid Herta Drewing,2014