Löwenzahn

Es schwebt ein Schirmchen weiß im Wind,
bringt Löwenzahnes Samen
weit weg, und seinen Platz es find’t
ohne Papiere, Namen.

So einfach hält es die Natur,
kennt viele Arten, Weisen,
zu sichern hier des Lebens Spur,
den Erdball zu bereisen.

Wir Menschen sind sehr kompliziert,
wir brauchen Pässe, Geld,
bis eine Grenze ist passiert.
Wir regeln unsre Welt

Doch manchmal möcht’ man gerne schweben
wie an dem Schirm die Samenfrucht
und freuen sich am schönen Leben
nach Landung in der stillen Bucht.

Ingrid Herta Dewing

Ostereier

Was leuchtet dort so bunt im Gras?
Ist das ein Osternest?
Hat es gebracht der Osterhas’
zu diesem Frühlingsfest ?

Die Kinder können ’s kaum erwarten,
sie suchen, ob vielleicht im Garten
er Eier hat versteckt.
Nun haben sie ’s entdeckt

Im Busch, am Baum ein großes Nest!
Ach ist es schön, dies Osterfest!

Ingrid Herta Drewing

Osterhoffnung

Ein Osterleuchten in den Wiesen
und farbig schön das Eiernest.
Jetzt, da die Pflanzen grün uns grüßen,
begehen wir das Hoffnungsfest.

Es kündet Christi Auferstehen
uns an ein jeder Frühlingshauch.
Wir glauben blind und werden sehen,
erneuern uns im Herzen auch.

Ingrid Herta Drewing

Karfreitag

In des Karfreitags Stille,
den Leiden Christi nah,
erfährt mein schwacher Wille,
dass in des Glaubens Fülle
das Licht ist hell und klar.

Durch Jesu Liebe finden
den Weg wir und das Ziel.
Was alles uns mag binden
Ballast und Arbeitsschinden,
er schenkt uns Glück, Gefühl.

So können wir begegnen
dem Nächsten mit Geduld,
denn Gott lässt Liebe regnen
und wird uns gütig segnen,
vergibt uns unsre Schuld.

In seinen Vaterarmen
gewährt er uns den Schutz.

Ingrid Herta Drewing

Frühlingsspur

Blauregen duftet, auch der Flieder
entfaltet Süße; früh am Tag
der Amsel zarte Liebeslieder
erklingen hell im Rosenhag.

Die Welt erblüht, weckt alle Sinne.
Im Wunderzauber der Natur
erleben wir ein neu’ Beginnen
und folgen Frühlings lichter Spur.

Wenn er uns, den wir froh erwarten,
nach Winters langer, kalter Nacht
dies Blütenmeer schenkt hier im Garten,
ja dann genießen wir die Pracht.

Erschauen dankbar alles Schöne,
was Gott uns hier im Frühling gibt.
Ein Hauch von himmlischem Verwöhnen
sagt zärtlich: Mensch, du wirst geliebt!

Ingrid Herta Drewing

Blauer Tag

Der Tag ist jung und zeigt sich als Matrose.
Er segelt froh dahin in lichtem Blau.
Es weht ein frischer Wind, bläht Hemd und Hose,
zum Abschied küsst er noch die Wolkenfrau.

Nun ruft das wilde Meer, des Lebens Weite,
die Segel waren lange schon gehisst,
und jetzt erlauben endlich die Gezeiten,
dass man die graue Wartezeit vergisst.

Wir fahren, gleiten mit auf seinem Schiff
erfreuen uns im leichten Wellenwiegen,
umfahren sicher manches schroffe Riff
und leben auf in Frühlings neuem Siegen.

So recht im Wind, taxierend Lee und Luv,
folgen auch wir des Fernwehs Sehnsuchtsruf.

Meine Gedichte

Das Dichten ist das Atmen meiner Seele.
Gedanken, Worte, Bilder werden Klang,
Gefühl,hell schwingend noch in meiner Kehle,
das sich poetisch formt im Versgesang.

Wie Kinder, unterm Herzen sanft getragen,
entwachsen auch Gedichte meiner Kraft.
Im Wechselspiel des Werdens siegt das Wagen.
Dann heißt es: Lass sie los zur Wanderschaft!

Was mich bewegte, werden sie bewahren,
und treffen sie geneigte Leser an,
die Sinn und Bild der Klanggestalt erfahren,
dann rühren sie auch deren Seele an.

So lebt ein solch‘ Gedicht durch Lesen neu aus sich,
und ein klein wenig spricht aus ihm mein Ich.

Ingrid Herta Drewing

Frühlingsmittag

Der Garten ruht in sanfter Mittagsstille.
Die Sonne glänzt, des Himmels klares Blau
ergänzt nun licht des Frühlingstages Fülle,
schafft den Kontrast zu zarter Blüten Schau.

Und hier, im Duft des Blütenhains verwoben,
genieße ich die Stunde, die geschenkt,
fühl’ mich lebendig, lieb umarmt, erhoben
in einer Schöpfung, die in Schönheit denkt.

So ist das Paradies. Dies Fleckchen Erde,
es birgt für mich das zärtlich’ kleine Glück.
Und eingebettet in ein Wachsen, Werden,
halt’ ich die Zeit an, einen Augenblick.

Von Leben, Liebe, tief berührt, betroffen,
sehe ich weit, ganz weit den Himmel offen.

Ingrid Herta Drewing

Frühsommerlich

Schon blühen Flieder und die ersten Rosen,
Reseden und am Bach Vergissmeinnicht.
Frühsommer scheint den Frühling zu liebkosen.
Die Sonne schenkt ausdauernd uns ihr Licht.

Die Amseln, Meisen und die andern Sänger
aus jener großen, muntren Vogelschar
erfreuen uns, sie singen lieblich, länger
und ihre Weisen klingen wunderbar.

In leichter Kleidung können wir nun gehen,
und froh gestimmt beginnen wir den Tag.
Denn jetzt, da alles blüht, wird übersehen,
was kleinlich sonst Verdruss uns bringen mag.

Wir sind bereit, der Welt uns zu versöhnen
und lassen uns frühsommerlich verwöhnen.

Ingrid Herta Drewing

Frühlingslied

Noch immer sind es jene Sternenlieder,
die Dich entführen sanft in Harmonie.
Du hörst die Klänge und ersehnst dir wieder
dies’ Lächeln aus dem Land der Phantasie.

Seit Kindertagen wecken Frühlingsträume
in dir ein Sehnen, das nach Leben ruft,
und Schmetterlinge schwirren in den Räumen,
die als Refugium du eingestuft.

Dir wachsen Flügel, zärtliche Gedanken,
sie öffnen auch der Liebe weit das Tor;
und in den Gärten unter Blütenranken
lugt schalkhaft so ein kleiner Faun hervor.

Du hörst es wohl, der Flötentöne Klingen
und möchtest hoch dich in die Himmel schwingen.

Ingrid Herta Drewing