Herbststimmung

Im Tau des Morgens grüßen Herbstzeitlosen.
Es lockt im Grün die lila Zartgestalt
fast frühlingshaft zur Lichtung hier im Wald,
als wollten sie wie Krokus Lenz jetzt kosen.

Noch lässt Natur hier ihre Schönheit sehen,
der Buchen, Birken Laub, ein Blattgoldtraum,
nuancenreich ziert Rot den Amberbaum,
und seine Sternenblätter leuchtend wehen.

Wie bald wird alles wild im Sturme tanzen,
was jetzt fast zärtlich hin zur Erde schwebt!
Wo hell die Sonne nun noch wärmt, belebt,
dort werden Frost und Nebel Raureif pflanzen!

Obwohl du’s kennst, das Lied der Jahreszeit,
denkst du mit Wehmut an Vergänglichkeit.

© Ingrid Herta Drewing,2016

Herbsttag

Der Herbstwind aus Nordost ist kühl zugegen,
doch Himmelblau beherrscht den klaren Tag.
Es tanzen bunte Blätter auf den Wegen
im Wirbelwind, der ihre Farben mag.

Im Sonnenlicht, das hell im Mittag steht,
heg ich des Gartens letzte Blütenträume,
bevor der Astern Sternenlächeln geht
und Regen peitscht die Blätter von den Bäumen.

Noch reicht Oktober uns die goldnen Hände,
bevor Novembernebel nah uns graut.
Ein Lebenszyklus nimmt ganz sanft sein Ende.
Im Spiegelbild der Mensch sein Leben schaut.

© Ingrid Herta Drewing

Spätherbst im Park

Der Sommerlieder verlorene Klänge,
es wirbeln die farbigen Blätter im Wind,
wild tanzend, bis Regen trommelt, Gedränge,
in buntem Teppich ein Weben beginnt.

Sie liegen, einst grün, zum Welken bereit.
Doch zaubern nun Frost und Nebel am Morgen
ein silbernes, schimmerndes Raureifkleid,
die dunkle Wandlung durch Schönheit verborgen.

Du siehst dieses Bild, und dich Wehmut befällt,
weil alles, was lebt, im Irdischen schwindet,
das Glück, der Glanz und die Freude der Welt
sich irgendwann auch im Enden befindet.

Damit es kann wachsen, dies‘ pralle Leben,
muss es im Kreislauf das Sterben wohl geben.

© Ingrid Herta Drewing, 2014

Herbstlicht

Sonnenheller Tag
schlüpft blau aus Nebels Fängen.
Im Park ein Leuchten.

Zwischen den Tannen
der Birken Blattgoldseide,
des Herbstes Lächeln.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Frühherbst

Mag Frühherbst nun vollenden
dies’ Werk der Reife, Licht
und Sonnengold uns spenden,
mit milden, sanften Händen
verzögern den Verzicht.

Auch wenn im Nebeldunst
er morgens spät erwacht,
schenkt er uns mittags Gunst
als Maler seiner Kunst,
und blau der Himmel lacht.

Das Blattgold in den Zweigen,
des wilden Weines Wand
darf rot gefärbt sich zeigen,
Musik und Erntereigen
verschenkt er unverwandt.

Bucheckern, Eicheln, Nüsse,
Eichhörnchen birgt sie, hebt
sie auf, die Leckerbissen.
Kastanien, Spielgenüsse,
das Kinderherz erbebt.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Herbsthauch

Ein leises Wispern
dort in den Kastanienbäumen,
wo prall im Stachelbett
die Früchte reifen.
Des Herbstes Flüstern,
Morgenkälte in den Räumen,
und auf dem Fensterbrett
ins Blütenbild der Sommerträume.
nun Astern greifen.

Im Dauerregen
dümpeln graue, trübe Tage.
Es sollte doch August
noch sonnig singen!
Statt auf den Wegen
hier mit Wassertanz zu plagen,
sollt‘, fern von Nebelfrust,
er heiß hier Sommer wagen,
im Lichte schwingen!

© Ingrid Herta Drewing,2014

Herbstgedanken

Und plötzlich ist es Herbst, die Sommerlieder,
sie wehen mit den Blättern hin im Wind.
Du webst den warmen Flaum in dein Gefieder
und folgtest gern dem Vogelzug geschwind.

Auch wenn die Farbenschau der Bäume blüht,
so weißt du doch, wie grau die Nebel wallen,
obwohl die Sonne mittags noch erglüht,
wenn jene feuchten Schleier sind gefallen.

Es fällt so schwer, den Sommer loszulassen,
obgleich du Herbstes Schönheit hier genießt .
Bald hüllt Novembernebel ein die Gassen,
in grauer Dichte müd‘ der Tag zerfließt.

Dann naht die dunkle Zeit, der Trauer, Klagen,
bis der Advent verheißt des Lichtes Tagen.

© Ingrid Herta Drewing,2013