Archive for the Category Gesellschaftskritisches

 
 

Wachstumswahn

Wir fahren Autos, feuern in Kaminen.
Die Nacht wird Tag uns, denn wir machen Licht,
beleuchten Städte, nutzen die Maschinen.
Auf Erden soll uns schließlich alles dienen.
Hier buchstabiert doch keiner gern Verzicht.

Es zählt die Beute, Jagd auf allen Feldern
Sie macht vor Menschenleben auch nicht Halt;
Organe raubend, tötend, fließen Gelder.
Die Räuber hausen nicht mehr in den Wäldern.
Sie werden heute in Palästen alt.

Wir bringen diese Erde fast ins Schwitzen.
Die Gletscher schmelzen und das Wasser steigt.
Die Tropenmeere sich erzürnt erhitzen,
Zerstörung, Wirbelstürme rasen, Blitze;
des Menschen Grenzen werden klar gezeigt.

Jedoch, noch immer wild im Wachstumswahne,
zerstört der Mensch Natur und beutet aus;
und auch der Wissenschaftler ernstes Mahnen,
die Mäßigung, verbannt er von den Fahnen,
lebt egoistisch hier in Saus und Braus,
vernichtet so der Kindeskinder Haus.

Ingrid Herta Drewing

Alibi-Tage

Der Tag des Kindes, Tag des Kusses,
der Tag der Arbeit, Muttertag
birgt oft den Anlass des Verdrusses
für den, der Alibis nicht mag.

Was man im Jahr zu wenig schätzt,
wird einmal kurz ins Bild gehoben
und wiederum in Schlaf versetzt,
Dornröschens Fluch, nur mild verwoben.

Genötigt fühlen sich da viele:
„Oh, Gott, es ist ja Muttertag!
Noch schnell paar Blümchen für Cäcilie,
weil sie uns heut’ erwarten mag!“

Kurz der Besuch bei den Senioren.
Das Heim wird heut’ zum Blumenhaus;
doch manche Mutter schaut verloren
dort aus dem kleinen Fenster raus.

Wir haben uns so eingerichtet,
dass uns die Zeit zu lieben fehlt,
gehetzt, verplant; so wird vernichtet,
was wesentlich zum Menschsein zählt.

© Ingrid Herta Drewing

Fremdbestimmt

Sind wir zu satt und matt, uns zu empören,
die Hände vor den Augen, spielend blind,
weil wir uns fast schon selbst nicht mehr gehören,
und längst verbucht, verkauft, vermarktet sind?

Ein jeder unsrer Schritte wird geortet,
das Navi sucht uns passend Wege aus.
Wir werden gläsern, ahnungslos gehortet
und rufen die Gespenster noch ins Haus.

Wir hängen in der netten Spinne Netze,
die unsichtbar in ihren Bann uns zieht.
Willfährig sind wir ihre Beute, Schätze,
die dafür sorgen, dass ihr Mammon blüht.

Entflechten sich, selbst denken, sich befreien!
Die neue Aufklärung stünd’ zu Gebot;
die Fäden lösen, Leben nicht verleihen,
entkommen einem Marionettentod.

© Ingrid Herta Drewing

Sprachverirrung

Bei dem Wort höchlichst, Junge, Junge,
hab‘ ich ’nen Knoten in der Zunge,
ein Wort, das schon als Zungenbrecher
mich leimt als Muttersprachensprecher.

Jedoch viel schlimmer find‘ ich Denglisch,
was durch die Werbung so verfänglich
uns heute unsre Sprach‘ verschandelt,
sie in ein Kauderwelsch verwandelt,

so dass sie fast zur Fremdsprach‘ wird,
in die ein Ungeist sich verirrt.
Lernt man mit Sprache doch Kultur.
Ich frag‘ mich:“ Wo bleibt unsre nur?“

© Ingrid Herta Drewing

Textgewölle

Wer sich so aus dem Fenster wagt
mit Thesen, die verworren sind,
Klischees bedient und ungefragt
Präzeptor spielt für Leut’ und Kind,
kann sicher sein, dass dieses Schwallen
recht bald im Winde wird verhallen.
Nach kurzer Zeit im Medien-Glanz
versinkt er ganz in Ignoranz.

Ihm scheint ’s egal, darf sich bequemen,
genüsslich zählen die Tantiemen.

© Ingrid Herta Drewing

Trendy-Man

So mancher schwer nur widersteht,
weil es ihm gut zu Händen geht,
ob Iphone, Samsung oder Handy,
gar vieles, was ist heute trendy,
zieht einen da in seinen Bann.
Dabei wird nicht nur schwach der Mann.

Gar leicht erscheint Kommunizieren,
und vieles lässt sich ausprobieren
beim Surfen schnell im Internet.

Jedoch zur Sucht wird’s, wenn man hätt’
dem Virtuellen sich verschrieben
und sogar glaubt, so ließ sich lieben,
dabei dann meint, ihm würd ’s mehr geben
als alles, was real im Leben.

© Ingrid Herta Drewing

Kältetod

In der winterkalten Nacht
nur die fernen Sterne funkeln,
und der Frost frisst sich ins Dunkel.
Weh dem, der kein Obdach hat!

Doch es gibt sie, jene Berber,
die nicht vor der Kälte fliehen,
wehren hilfsbereiten Werbern,
wollen in kein Heim einziehen.

Tückisch dann, was scheint zum Wohl,
dass es wärme Körper, Seele,
Feuerwasser, Alkohol,
rinnend durch die raue Kehle.

Er befrei’ von Kälte, Sorgen,
glaubte mancher, der ihn trank
und berauscht, einschlafend sank
in die Nacht, die ohne Morgen.

In der winterkalten Nacht
nur die fernen Sterne funkeln,
und der Frost frisst sich ins Dunkel.
Weh dem, der kein Obdach hat!

© Ingrid Herta Drewing

Die Hütli in Utopia

Ich hatte kürzlich einen Traum,
der schien mir wunderbar.
Ein Zwergenvolk, ich glaubt’ es kaum,
das wohnte unterm Apfelbaum,
wo ’s recht gemütlich war.

Nein, Gartenzwerge waren ’s nicht,
gebrannter Ton, bemalt,
Hier diese waren echte Wicht’,
ich sah sie nah’ von Angesicht,
und das ist nicht geprahlt.

Sie hatten sich schön eingerichtet,
ihr Haus gedeckt mit Moos,
die Wände sehr gut abgedichtet
und auch auf Fenster nicht verzichtet,
zwar waren sie nicht groß.

Sie lebten friedlich, ohne Geld,
versorgt von der Natur.
Ein Apfel, der herunterfällt,
wird schnell von ihnen weggestellt.
Verschwendung, nicht die Spur!

Gemeinsam werkeln sie und schaffen
das, was für sie ihr täglich Brot.
Und keiner faulenzt, träg‘ beim Gaffen,
nicht einer will nur für sich raffen,
und niemand leidet Not.

Sie brauchen kein Automobil,
es reichen Schusters Räppchen.
Auch nervt sie keiner Mode Stil.
Sie gehen gerne in Zivil
und tragen Fingerhüt’ als Käppchen.

Ich fragte, wer das Sagen habe,
da lachten sie hell auf.
Sie fanden seltsam meine Frage,
weil sie ihr Los gemeinsam tragen,
entscheiden seinen Lauf.

Sie haben ihre kleine Welt
gemeinsam gut im Griff.
Hat sich was Schlimmes eingestellt,
sei es, dass zu viel Regen fällt,
dann gehen sie auf ’s Schiff.

Wie Noah einst der Flut entkam
und mit ihm viel Getier,
das er mit auf die Arche nahm,
obgleich nicht alle Tiere zahm,
so machen ’s Hütli hier.

Ihr Leben zeigte mir sehr gut,
man kann gemeinsam siegen
und muss sich nicht verbiegen,
noch heucheln und betrügen,
nicht wachsam, ständig auf der Hut
mit anderen bekriegen.

© Ingrid Herta Drewing

Macht

M acht lässt sehr gerne vergessen
A nstand, Sorgfalt und Pflicht
C haotisch, oft auch vermessen,
H ält sie nicht viel von Verzicht,
T äuscht vor den wahren Bericht.

© Ingrid Herta Drewing

Neujahrsblick

Noch steht das neue Jahr in Kinderschuhen,
unschuldig schlägt’s die hellen Augen auf,
erblickt die Welt mit kindlichem Vertrauen,
beginnt nun freudvoll, munter seinen Lauf.

Die guten Paten sollten es begleiten,
zumal sich rührt der Pessimisten Heer.
Sie sehen es zum Untergange schreiten,
berufen sich auf Maya-Priester-Mär.

Ein kosmisch’ Unheil droh’ zur Sonnenwende,
vernichte im Dezember diese Welt.
Die Prophezeiung lähmt doch nur die Hände
der Menschen, die jetzt Wahn und Angst befällt.

Wir aber woll’n mit Zuversicht nach vorne schauen,
geborgen sind wir; lasst uns Gott vertrauen!

© Ingrid Herta Drewing