Archive for the Category Wiesbaden

 
 

Am Schlossplatz

Kühler Märztag,
zarter Magnolien-Blüten
Frühlingsgeflüster.

© Ingrid Herta Drewing,2016

Amsel-Lied

Dort an der Busse Haltestelle,
wo der Verkehr braust laut, der schnelle,
entzückte mich ein süßer Klang.
Ich hört‘ die Amsel jubilieren,
über den Lärm zu triumphieren,
mit ihrem wunderschönen Sang.

Vom Frühling gab die Amsel Kunde.
So hell vom Dach zur Abendstunde
drang lieblich ihre Melodie
als Freude mir in Sinn und Seele.
Ich fühlte, dass mir nun nichts fehle,
ein Augenblick voll Harmonie.

© Ingrid Herta Drewing,2016

Frühlingshauch im Februar

Ein Frühlingshauch liegt auf der Stadt,
Blauhimmel und die Lüfte schwingen.
Kein Schneerest mehr im Park, es hat
die Wiese Grün hervorzubringen.

Nilgänse watscheln hin zum Teich,
der nun vom Eise ist befreit.
Die Weiden wachsen, Knospen reich,
zum Frühlingsblühen schon bereit.

Am Warmen Damm spazier‘ ich hier,
der Sonne Licht wärmt Seele, Sinn.
Die Zaubernuss in Blütenzier
lässt schwinden Winters Frust dahin.

© Ingrid Herta Drewing

Posthum

Das hätt‘ sich Cary Grant nicht träumen lassen,
dass, integriert ins Bild einer Fassade,
sein Konterfei hier Kunden soll erfassen
für einen Herr’n-Ausstatter in Wiesbaden.

Als Mann von Welt, wie wir im Film ihn sahen,
blickt er zum Dom, als sei’s ihm dort genehm,
Konzerte zu besuchen, die bald nahen,
im März Guiseppe Verdis Requiem.

© Ingrid Herta Drewing,2016

Wetter im Januar

Die Sonne lässt sich hier nur ahnen,
zu dicht der graue Wolkenschmand.
Des Regens kalte,nasse Fahnen
nun klatschen eisig an die Wand.

Was unlängst weiß erstrahlt im Schnee,
lehrt erdenbraun jetzt den Verzicht,
obwohl in frühem Frühlingsweh
schon hier und da ein Knospen spricht.

Des Winters Wetterkapriolen
mal froststarr, trocken,dann nass, mild,
sie stehlen uns hier unverhohlen
das alte Jahreszeitenbild.

© Ingrid Herta Drewing

Kinderwunsch im Winter

Deutschland hat jetzt Wintertage,
Fernsehsender zeigen’s gern.
Doch trotz Wettervorhersage
gibt’s hier weder Schnee noch Stern.

Kämen doch die zarten Flöckchen
endlich auch zu uns geschneit,
tanzten leicht in weißen Röckchen,
fern wär‘ kalter Nässe Zeit.

Würden wir den Schneemann bauen,
vor dem Hause sollt‘ er stehn,
lustig auf Passanten schauen,
die sich freuen, sagen :“Schön!“

Von den Hängen Schlitten fahren!
Ach zu lange ist das her,
denn auch in vergang’nen Jahren
war der Winter keiner mehr.

Los, Frau Holle,Betten rütteln,
dass es nur so stiebt und flockt,
hurtig Schnee aus Wolken schütteln,
damit Winter weiß hier rockt!

© Ingrid Herta Drewing,2016

Januar 2016

Verdunkelnde Zottel-Tier‘ ziehen
am Himmel schwer dräuend dahin.
Der Südwesten kann sie nicht fliehen,
hofft weiter auf Wetter-Gewinn.

Noch immer das Grau,und der Regen
tropft kalt dir auf Schnauze und Pelz.
Es fehlen die Sternchen, der Segen,
der schneeweiße Winterschmelz.

Die nasskalten Tage verhöhnen
den Winter, der heuer entgleist.
Er wollt‘ den Nordosten versöhnen
mit Schnee, hat blitzschnell vereist.

Dort kam der Verkehr zum Erliegen,
die Trassen der Bahn eisig blank;
dem Winter auf Brechen und Biegen
galt kaum der Reisenden Dank.

Wir träumen vom Bilderbuch-Wetter
und laden den Winter gern ein,
zeigt er uns die Schneelandschaft netter,
Blauhimmel und Sonnenschein!

© Ingrid Herta Drewing,2016

Frühlings-Weihnacht

Der Vollmond hat die heil’ge Nacht
inmitten einer Sternen-Schar
mit seinem Silber hell bedacht.
Es schien als hielten Engel Wacht
und Wunder würden wirklich wahr.

Es grünt zur Weihnacht, und es blühen
schon Bäume, als sei Frühlings Zeit.
Nicht Frost, noch Schnee hemmt ihr Bemühen,
und Vögel in die Kronen ziehen.
Ihr Zwitschern klingt voll Fröhlichkeit.

Mild der Dezember, ein Versprechen?
Ist’s Wetter, wie’s schon früher war?
Wird es nun alte Regeln brechen,
sich unser Fehlverhalten rächen?
Zeigt sich der Klimawandel klar?

Ich weiß es nicht, erleb‘ die Tage
jetzt frühlingsleicht als Glücks-Gewinn.
Gewiss wird noch des Winters Sage
hier Antwort geben auf die Frage
im neuen Jahr mit frost’gem Sinn.

© Ingrid Herta Drewing,2015

Auf dem Balkon im Dezember

Die Glockenblümchen blühen
gleich blauen Warte-Weilchen,
Maßliebchen-Sterne glühen;
wohl flüstern bald auch Veilchen.
Statt Winters Kälte-Corps
erwacht des Frühlings Flor.

Die Meisen zwitschernd stieben,
und Amseln üben’s Flöten.
Die Vögel, die geblieben,
nun wissen nichts von Nöten.
Des Wetters Wärme lässt
sie feiern schon ihr Fest.

Da sollte ich mich freuen
an Lieblichkeit und Milde,
doch fürchte ich, Bereuen
folgt diesem Frühlingsbilde.
Des Klimawandels Spur
zeigt’s:Kurz vor Zwölf die Uhr!

© Ingrid Herta Drewing,2015

Winters Gruß

Heut kam der Winter kurz mal reingeschneit,
den Markt mit seinen Sternchen einzuleiten,
wo Lilien-Lichter, Weihnachtsbaum bereit,
uns während der Adventszeit zu begleiten.

Des Domes Türme schien er zu umhüllen
mit seinen weißen Schleiern in der Höh‘,
im Winde wirbelte die Flocken-Fülle,
verzierte blaue Buden flugs mit Schnee.

Dem alten Karussell, das in gewohnter Weise
nostalgisch und beharrlich Runden dreht,
warf Schnee-Kristalle kühn er in die Kreise,
rief :“Ja, ich bin noch da, wie ihr hier seht!“

Gewiss, wir hatten ihn schon abgeschrieben,
denn letztes Jahr blieb er uns gänzlich fern,
obwohl wir diese Stimmung hier doch lieben,
wenn auch zur Weihnacht glitzern seine Stern‘.

© Ingrid Herta Drewing,2015