Novemberende

Als zöge jetzt der Frühling ein,
so milde regen sich die Lüfte.
Doch welker Blätter herbe Düfte
verkünden uns trotz Sonnenschein,
dass Spätherbst füllt Novembers Klüfte.

Auch hie und da ein Amselhahn
probt eifrig Liebesmelodien.
Noch ist sein Paarungstraum ein Wahn,
ihn lockt das Wetter auf den Plan,
lässt schön seinen Gesang erblühen.

Die Stadt wählt schon ihr Festtagskleid.
Geschmückt mit Tannen, Sternen, Lichtern
macht sie sich zum Advent bereit,
erhofft zur Weihnacht Winters Zeit,
mit Schnee und lächelnden Gesichtern.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing

Wetter im Januar

Die Sonne lässt sich hier nur ahnen,
zu dicht der graue Wolkenschmand.
Des Regens kalte,nasse Fahnen
nun klatschen eisig an die Wand.

Was unlängst weiß erstrahlt im Schnee,
lehrt erdenbraun jetzt den Verzicht,
obwohl in frühem Frühlingsweh
schon hier und da ein Knospen spricht.

Des Winters Wetterkapriolen
mal froststarr, trocken,dann nass, mild,
sie stehlen uns hier unverhohlen
das alte Jahreszeitenbild.

© Ingrid Herta Drewing

Silvester

Das alte Jahr, es geht, lässt Sonne glänzen;
ein Frühlingsmorgen, Himmelsbläue, mild,
als wolle es zum Abschied uns kredenzen,
was es trotz Neige noch erstrahlend füllt.

So muss ein Abschied sein, ein letzt‘ Beschenken,
das zärtlich in Erinnerung erglüht.
Vergangenes erwacht, wenn wir gedenken
der Freude, all dem Schönen, das erblüht‘.

Das neue Jahr begrüßen wir und hoffen
auf Frieden in der Welt, auf Wohl und Glück.
Noch liegen viele Zukunftswege offen,
und wir begegnen ihm mit frohem Blick.

Wir Menschen träumen an der Zeitenwende,
dass alles, was uns quält, nun wirklich ende.

© Ingrid Herta Drewing,2015

Frühlings Sieg

Es nieselt sanfter Frühlingsregen
und netzt der Erde dunklen Grund.
Sehr bald wird hier ein Blütensegen
erblühen hell in Farben bunt.

Die Tauben dösen auf dem Dache;
die leichte Dusche stört sie nicht.
Und in der Erle, dort am Bache,
erklingt der Amsel Ton-Gedicht.

Die Frühlingsmilde konnt‘ bezwingen
des Winters frostiges Geschick.
Nun darf Natur im Lichte schwingen
dem Leben gilt ihr Liebesblick.

© Ingrid Herta Drewing,2015

Dezembermilde

Im Radio wird die Winterzeit besungen;
romantisch, leise schwebt herab der Schnee.
Es singt ein Jungenchor aus vollen Lungen
andächtig, wie so still ruh‘ starr der See.

Du schaust hinaus und siehst, nur Regen nieselt.
Die Landschaft zeigt dir hier ein andres Bild.
Kein weißes Flöckchen, Sternchen zärtlich rieselt,
die grauen Wolkenfässer Wasser füllt.

Da können nicht nur Weihnachtstannen grünen,
im Hof der Bambus, auch des Parks Gefilde.
Es sprießt auf regenfeuchten Wiesenbühnen
Dezember zeigt sich schon in Frühlingsmilde.

Ja hielten wir wie’s Wetter uns so mild bereit,
für einen Neubeginn in Friedens Zeit!

© Ingrid Herta Drewing,2014

Frühlingsruf

Ja, mögest du auf Zephirs Schwingen gleiten
zu uns und wehren Winters kalter Hand!
Wir hoffen doch auf dich, dass du beizeiten
hier Eis und Schnee schickst schnell aus diesem Land.

Was säumst du noch so lange dort im Süden?
Auch wir bedürfen deiner milden Luft,
sind dieser eiseskalten Tage müde
und sehnen uns nach Wärme, Blüten, Duft.

Wir warten hier auf dich, die Vogelscharen,
die uns bei Winters Rückkehr jüngst verlassen,
sie mögen mit dir kommen, ihre klaren
und hellen Lieder hier erschallen lassen!

Es nennt auch der Kalender deine Pflicht;
so schwing dich endlich auf, vergiss uns nicht!

© Ingrid Herta Drewing

Frühlingshaftes Jahresende

Es ist so frühlingsmild;
man kann es gar nicht fassen,
dass Kälte hier bleibt aus.
Der Park, ein grünes Bild;
nur kahle Bäume lassen
fahl Winterflair heraus.

Blauhimmels Spiegel, See,
erwacht im Sonnenscheine,
der Wasservögel Hort.
Eisblind, mit erstem Schnee,
vor kurzem still, alleine,
lebendig nun der Ort.

Zwei Schwäne, zart und sanft
im Tanz durchs Wasser gleiten
als weiße Majestät.
Und an des Ufers Ranft
Stockenten, Nilgäns‘, streiten
um Futter, das erspäht.

Die Halsbandsittichschar
tobt hoch in den Platanen,
als sei schon Frühling da.
Der Weihnachtsbaum lässt klar
die Jahreszeit dich ahnen:
Noch ist der Winter nah‘.

© Ingrid Herta Drewing, 28.12.2012

Milder Fastnachtstag

Der Winter trägt auch Maske nun;
im Sonnenlicht erstrahlt
ein Tag, blau angemalt,
und tanzt in Frühlings leichten Schuh’n.

Begegnet lächelnd uns, so mild.
Frühblüher lockt das Licht,
Schneeglöckchen, dicht an dicht
im Park, bezaubernd Bild.

Es taut das Eis, der muntre Bach
er plätschert murmelnd hin.
Die Haut des Sees wird dünn,
und Wasservögel schnattern, wach.

Dort auf den Wegen, kostümiert,
zieht eine Kinderschar.
Ein Tiger läuft da, ungeniert,
mit einem Prinzenpaar.

Geblendet von des Winters Spiel,
der sich geschickt verstellt,
in Milde sich gefällt,
herrscht hier ein fastnachtsfroh’ Gefühl.

© Ingrid Herta Drewing