Seltsamer Traum

Nebel, gefangen,
verloren der Weg ins Tal.
Der Berggipfel fern.

Im Traum geborgen,
weilst du im alten Haus,
suchst Erinnerung.

Wilder Wein lodert.
Zwei schwarz befrackte Krähen
wie Wächter am Tor.

Die rote Sonne
rollt feurig den Berg hinab.
Wald, Wiese brennen.

© Ingrid Herta Drewing,2016

Silvester

Das alte Jahr, es geht, lässt Sonne glänzen;
ein Frühlingsmorgen, Himmelsbläue, mild,
als wolle es zum Abschied uns kredenzen,
was es trotz Neige noch erstrahlend füllt.

So muss ein Abschied sein, ein letzt‘ Beschenken,
das zärtlich in Erinnerung erglüht.
Vergangenes erwacht, wenn wir gedenken
der Freude, all dem Schönen, das erblüht‘.

Das neue Jahr begrüßen wir und hoffen
auf Frieden in der Welt, auf Wohl und Glück.
Noch liegen viele Zukunftswege offen,
und wir begegnen ihm mit frohem Blick.

Wir Menschen träumen an der Zeitenwende,
dass alles, was uns quält, nun wirklich ende.

© Ingrid Herta Drewing,2015

Ataraxia

Gelassenheit magst du es nennen,
dein Blick zurück,
der goldene Stunden sieht
und verklärt hier im Abendschein.

Gezähmt auch jenes Aufbegehren,
hast resigniert,
zu oft die Wunden geleckt,
im Bann der Sisyphus-Bilder.

Das Leid, verblasst,
getrocknete Apfelringe,
von Schokolade umhüllt
im Glas der Erinnerungen.

© Ingrid Herta Drewing,2015

Erinnerung

In Rosenblüten betten
dies Glück, den goldnen Strahl
des Sonnensommers retten,
vergessen Kummer, Qual.

Zu achtlos ging verloren
der Tag in seinem Licht.
Was wir uns kühn erkoren,
versagte uns die Pflicht.

Und dennoch mag noch wärmen
im Winter dieses Bild,
wenn die Gedanken schwärmen,
von Liebe, hell erfüllt.

© Ingrid Herta Drewing,2015

Nostalgisch

Wir träumten, der Sommer sei ohne Ende,
so himmelweit dieser Liebe Hallen,
wo einer den andern behände fände,
gemeinsam glücklich ins Licht gefallen.

Der Herbststurm verwehte ihn mit den Blättern,
und als im Grau die Nebel uns fanden,
fehlte die Himmelsleiter zum Klettern,
wir kamen traurig einander abhanden.

Und hör ich heut singen die Liebesweisen,
so schleicht sich sanft leise Wehmut ins Herz.
Da möcht ich zurück in die Zukunft reisen,
jedoch klingt banal, nostalgisch die Terz.

Und doch wärmt im Winter dies sommerlich Bild,
der Rose Duft zärtlich noch Träume erfüllt.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Frühlingslüfte

Erquickend dieses Streicheln milder Lüfte,
die zärtlich mir nun Kinn und Wange kosen,
des Südwinds sanftes Schmeicheln, Blütendüfte,
und nasenselig träum‘ ich von Mimosen.

Es lockt im Licht ihr goldengelber Flausch,
das duftig zarte, blühende Gefieder.
Ein Mignon-Klang schenkt mir des Südens Rausch;
Erinnerungen singen süße Lieder.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Heimkehr

Im Abendrot der Zinnen Silhouette,
ein Schattenriss, dem Auge wohl bekannt.
Der Kindheit, Jugend lieb vertraute Stätte,
oh, dass man sie doch nie verlassen hätte!
Noch immer grüßt der Leuchtturm dort am Strand.

Erinnerungen flackern auf, es schwelen
die alten Feuer, ihre warme Glut,
die Bilder, die die Zeit schien zu verhehlen,
lebendig sich in Seel‘ und Sinne stehlen,
und du erfühlst sie, sagst : „ Es war doch gut!“

So schnell vergingen jene goldnen Jahre.
Nun streichst die Segel du im Abendwind
und weißt geborgen dich, bist dir im Klaren,
dein Boot darf in den Heimathafen fahren,
dorthin, wo alles seine Ruhe find‘.

© Ingrid Herta Drewing

Festhalten

Wir
– Kriegskinder –
können
nur schwer
uns lösen
von Dingen,
Erinnerungen.

Entbehrungen
lehren,
sparsam zu sein.
Nichts
weg werfen können;
fast stummer Zwang
die Devise:
aus Alt mach Neu!

Die bunten Flicken
im Patchwork-Kleid
meines Lebens,
die dunklen, die hellen,
miteinander verwoben,
ein farbiges Bild.

© Ingrid Herta Drewing,2013

Wanderer

Es leuchten Sterne dir in dunklen Nächten,
und noch in dumpfem Nebel klingt ein Ton,
ertastest dir den Weg, der dich auch brächte
zu deinem Ziel; du ahnst die Nähe schon.

Hast allen Ballast hinter dir gelassen,
erklimmst fast leicht hier jenen steilen Hang,
beginnst den Sinn der Mühsal zu erfassen,
bist weit entfernt von eitlem Geltungsdrang.

Und vieles, was dich quält‘, ward überwunden,
dem Gipfel nah, kannst du den Himmel sehen.
Du hast den Ausblick schön und klar gefunden,
darfst nebelfrei nun hier im Lichte stehen.

Erkennen,wie so weit und schön die Welt,
das Leben, das der Schöpfer hell erhält.

© Ingrid Herta Drewing

Ballast

So vieles, was du angehäuft im Leben,
erweist sich später doch nur als Ballast,
den du dir selbst zu hüten aufgegeben,
dieweil der Hoffnung eigentliches Streben
nicht leuchten kann, erstickt, verblasst.

Unzählige Erinnerungen hängen
an jedem Ding und binden, wohl verborgen,
dich an Verlorenes, Gefühle, Zwänge,
entwickeln schleichend sich zur Enge,
beschäftigen dein mühevolles Sorgen.

Jedoch zum Atmen brauchst du freien Raum.
Der Blick nach vorn erfordert freie Sicht.
Die Zukunft soll dir malen deinen Traum,
im Wipfel wohnend dort im Lebensbaum,
du findest im Vergangenen sie nicht.

Wag neue Schritte, sei darin beständig!
Dies’ “Stirb und Werde“ macht dich erst lebendig.

Ingrid Herta Drewing