Novemberklage

Die Rose ist verblichen,
das süße Lied verklang.
Die Freude ist gewichen,
mein Herz klopft nun so bang.

So grau sind alle Tage,
der klare Himmel fehlt.
Der Sonne stumme Klage
im Nebelmeer verschwelt.

Ich sollt’ es ignorieren –
uns wärmt doch Feuer, Licht –
statt sanft mich einzufrieren
in Trübsal und Verzicht.

Wohl wissend um das Leben,
des Frühlings Wiederkehr
wehr’ ich den Nebelweben
und trotz Novembers Mär’.

Dezember wird bald kommen
in weißem Sternenkleid;
der Weihnacht grünes Frommen
vertreibt dann alles Leid.

© Ingrid Herta Drewing

Gedanken zu Allerheiligen

Und nichts ist von Dauer, was wir erkiesen,
alles nimmt mit ohne Mitleid die Zeit,
die Wasser, die tosend zum Meere fließen,
die Pflanzen, die blühend und welkend sprießen.
Uns steht hier vieles nur sehr kurz bereit.

Sogar die Sterne, die himmlisch erglänzen,
sterben von Anbeginn in ihrem Licht,
tragen es dennoch so weit, uns  kredenzend,
weiten uns Menschen die irdischen Grenzen,
ein Himmel voll Hoffnung und Zuversicht.

Zuversicht wächst in vertrauendem Glauben,
dass  gütig uns, wenn unser Leben einst fällt,
der Herrgott in seiner Gnade erlaube,
die Seinen zu sein; fern dem Sternenstaube
geborgen in seiner Hand er uns  hält.

© Ingrid Herta Drewing

Illusion

Wer folgte der falschen Fährte,
führte die Hoffenden
in den Morast der Sümpfe?

Noch immer
irrlichtert hier
sorglos die Maßlosigkeit,
und das feiste Lachen des Vollmonds
verspricht versilbernd
die Rettung.

Doch die Retter,
getarnte Räuber,
lauern.
Idyllisch der Hinterhalt.

Am Rande des Waldes
träumende Schafe,
bereit für die Schur.

© Ingrid Herta Drewing

Hoffnungstage

Und Tage gibt es, da wachsen dir Flügel,
die Freude trägt dich auf Schwingen ins Licht.
Vergessen ist jeder Schreckensbericht,
verlässt dunkle Felder und Sorgenhügel.

Du hörst frohe Lieder, von Hoffnung erfüllt,
dass auch auf Erden der Friede einkehre,
ein jeder den andern, die Schöpfung ehre,
und allen werde der Hunger gestillt.

Du glaubst, dass Menschen die Zukunft gestalten,
dass Einsicht zu Vorsicht und Rücksicht dann führt,
das Leiden des einen den anderen rührt.

Und sich kein Mensch mehr im Hassen verliert,
weil er nun empathisch fühlt und auch spürt,
wie Menschen, sich menschlich, liebend verhalten.

© Ingrid Herta Drewing

Herbsttrost

Bald hat die Zeit das letzte Blatt gelesen
und klappt das Jahrbuch sodann stürmisch zu.
Es welken Blätter, fallen, und kein Besen
kann fegen alle schnell zur Seit’ im Nu.

Ich schreibe mir den Nebel von der Seele,
der uns des Morgens jetzt schon grau empfängt.
Wie gerne sänge ich aus froher Kehle
dies’ Sommerlied, das noch im Herzen drängt.

Ich werde es wohl tief in mir bewahren,
die Glut des Lebensfeuers fest im Blick,
mich wärmend, wenn die Fröste rau  hier fahren,
kalt flüstern mir von Ende und Geschick.

Dann schenkt mir dieses Sommers sanftes Bild
ein  Licht der Hoffnung, das die Nacht erfüllt.

© Ingrid Herta Drewing

Zuspruch

Kein Morgenrot, nur Wolkengrau!
So deine ständige Beschwerde.
Als täglich Brot nur Himmelblau
erwarten darfst du’s nicht auf Erden.

Auch deine Jahreszeiten wechseln;
Es blüht der Frühling, welkt dahin.
Im Sommer magst du Träume drechseln,
dein Jahr kennt Herbst und Winters Sinn.

Die Mächte, die hier webend walten,
ergreifst du nicht mit Menschenhand,
und dennoch kannst auch du gestalten
dein kleines Leben hier im Land.

Drum warte nicht auf bessre Zeiten!
Häng’ nicht dein Fähnchen nach dem Wind!
Das Glück wird wohl nur den begleiten,
der sich besinnt, den Weg beginnt.

© Ingrid Herta Drewing

Sommerhoffnung

Der Herbst blickt jetzt zu früh ins Land,
noch grünen alle Blätter.
Mit Sturm und Regen unverwandt
bedroht uns nun das Wetter.

Wir sehnen uns nach Sonnenlicht,
nach Spiel und Badefreuden.
Jedoch nur gräulich spricht Verzicht,
will unsre Zeit vergeuden.

Ostfriesennerze angesagt,
auch Pulli, feste Schuhe,
die Seidenkleider, nicht gefragt ,
verbannt in Schrank und Truhe.

Doch hoffen wir, dass der August
noch Sonne wird bescheren.
Ein Sommerwetter ohne Frust
mag er uns hier gewähren.

Ingrid Herta Drewing

Traumtänzerei

Ich hätte dir gerne geschrieben,
auch rote Rosen gesandt,
gestanden dir meine Liebe,
geschenkt mich mit Herz und Hand.

Jedoch, schnell bist du gegangen,
die Nummer des Telefons
vergaß ich, verwirrt, zu verlangen,
als du gingst lächelnd davon.

Nun warte ich auf ein Wunder,
das uns noch zusammenführt
und tauche in Träumen unter,
von Liebe zärtlich berührt.

Ingrid Herta Drewing

Vor der Nacht

Noch im Sinken
dies’ glühende Versprechen
in den Himmel geschrieben,
dein Sonnengruß.

Ingrid Herta Drewing

Frühlingsversprechen

Von goldnem Sonnenlicht umflossen,
erwacht das Leben, um zu träumen.
Der Frühling lächelt in den Bäumen
und Wiesen, blühende Genossen.

So mag ein Erdentag beginnen,
beschirmt von Himmels hellem Blau,
und ich erleb’ mit allen Sinnen
des Frühlings zarte Blütenschau.

Lass mich von Licht und Duft betören,
der frühen Vögel süßem Lied.
Das Leben darf auch dir gehören,
so flüstert ’s zärtlich ins Gemüt.

Ingrid Herta Drewing