Sommers Ende

Nun, da der Sommer sanft zu Ende geht
und mit ihm auch der goldnen Felder Wogen.
Der Früchte Pracht bereit zur Ernte steht,
sind Vögel schon nach Süden weggezogen.

Ermattet sinkt die Zeit der Sonnenuhren,
und Abendschatten weiten Länge aus.
Es zeigen sich des Frühherbsts erste Spuren.
Das Weinlaub flammt in Röte auf am Haus.

Der Morgen, der im Nebeldunst erwacht,
erwartet kühl der Sonne warmes Strahlen,
die sich verspätet auf den Weg jetzt macht,
die Landschaft zart und lieblich zu bemalen.

Der Sommer mag uns so Adieu nun sagen
schenkt uns die Milde der Septembertage.

© Ingrid Herta Drewing

Abgesang

Ich greife nicht mehr nach den Sternen.
Die Träume sanken in das Tal
gleich Nebeln, gräulich Licht entfernend.
Des Daseins Farben werden fahl.

Die Kräfte schwinden mir, das Leben
spielt still; die Hände tragen Sand
und Asche; matt wird alles Streben.
Ein blindes Tasten sucht nach Land.

Versiegt die Quellen, welk die Rosen.
Der letzte Tisch ist bleich gedeckt.
Der Blumengruß der Herbstzeitlosen,
zu Tode hat er mich erschreckt.

© Ingrid Herta Drewing

Frühlingsmorgen am See

Ein Nebellied, still ruhend liegt der See.
Der Wind, er fächelt, flüstert in den Bäumen;
und rosig, lugend über Berges Höh’,
mag Sonne lächelnd nun den Tag erträumen.

Die Wiese ward von Tau zart wach geküsst,
es glitzern, funkeln schillernd viele Perlen.
Das Vogelvolk, das freudig zwitschert, ist
geflogen in die Wipfel grüner Erlen.

Und bald erfüllt der Sonne goldnes Strahlen
das Tal, in lichtem Blau blinkt auf der See,
des Himmels Spiegel; nur zwei Wölkchen malen
sich zärtlich in das Bild, so weiß wie Schnee.

Andächtig stehst du, fühlst mit allen Sinnen
des Frühlingstages liebliches Beginnen.

Ingrid Herta Drewing

Abend am Fluss

Der Abend gleitet auf den Wellen,
erglühend, sanft die Sonne sinkt,
und Himmelsfeuer lodernd schwellen
hier, wo der Fluss stürzt in die Schnellen,
in tosend, weißem Rausch ertrinkt.

Du hast dein Boot an Land gezogen,
baust auf dein Zelt, bald wird es Nacht.
Die Vögel sind zum Nest geflogen;
es dämmert, flatternd zieht im Bogen
die Fledermaus zur Mückenjagd.

Die Eule ruft von fern Schuhu
und nebelfeucht die Wiesen rauchen.
Du ziehst den Reißverschluss nun zu,
wirst für die Nacht und deine Ruh’
schnell in den warmen Schlafsack krauchen.

Ingrid Herta Drewing

Winternebel

Kühl sind die Tage, und die Nebel halten
die Stadt gefangen und den Atem an.
Ich möcht’ den Vorhang weit aufreißen, walten
dass endlich Sonne man erblicken kann.

Zwar können wir die Räume schön erhellen,
wir schaffen künstlich unser eignes Licht,
jedoch der Sonne warme Strahlenquelle
ersetzt uns dieses Scheinen dennoch nicht.

Wer sehnt sich nicht nach blauem Himmel, Weite,
nach Wärme und der hellen Sonnenglut?
Denn fern von Smog frei atmen, das bereitet
uns Wohlgefühl, tut Körper, Seele gut.

Auch ich ersehne Wetterbesserung,
damit das Sonnenlicht mich bringt in Schwung.

Ingrid Herta Drewing

Winterbilder

Silberkristalle
tanzen um die Laterne,
Winternachtszauber.

***
Bäume im Nebel,
die verschleierten Äste
greifen ins Leere.

***
Über die Berge
kriecht eine rote Sonne,
schaut lächelnd ins Tal.

Ingrid Herta Drewing

Nebel

Des Nebels graue Fänge halten
das Land recht fest in ihrem Bann.
kaum mag sich die Kontur gestalten
auch Sonne man nur ahnen kann.

Die Farbenträume eingehüllt,
die sonst erstrahlt in Herbstes Pracht.
Ihr stummes Los sich nun erfüllt.
November führt zur Winternacht

Ingrid Herta Drewing

November-Impressionen

Des Sommers Leidenschaft, der Mohn verblichen,
des Herbstes Feuerfarben nun verglüht.
Was hoch empor sich rankte, ist gewichen,
nur Rinde, dunkel, nass im Nebellied.

Die Krähen hier im schwarzen Trauerrock
bevölkern kahle Bäume, Stoppelfelder.
Wo Amselsang einst lieblich uns gelockt,
klingt rostig jetzt ihr Krächzen nah den Wäldern.

Verschleiert, kühl erscheint die müde Erde;
im grauen Dunst verschläft sie ihren Tag.
Doch träumt sie wohl von fernem, neuem Werden,
wenn Winters Stille sie verlassen mag.

So darf sich alles wundervoll dann fügen,
des Lebens Kreislauf wird im Lichte siegen.

Ingrid Herta Drewing

Nebelgrau

So grau wie der Nebel sind meine Haare,
denn kahl wie die Bäume bin ich noch nicht.
Zwar kommen das Jahr und ich in die Jahre,
der Winter nimmt bald den Herbst in die Pflicht.

Doch bleibt mir das Lächeln, das Morgenrot,
das Blau des Himmels, die Sonne, das Licht.
Und wehen jetzt Blätter sanft in den Tod,
erfasst mich dies kalte Stürmen wohl nicht.

Ich trag’ auf dem Halse noch immer den Kopf,
den Weg geh ich grade, kenne mich aus;
ergreife die Glücksmomente beim Schopf
und berge sie alle im Seelenhaus.

Und droht dann der Winter, schickt Kälte ins Land,
schenkt Erinnern mir Wärme mit gütiger Hand.

Ingrid Herta Drewing

Novemberblues

Nun singen Nebel den Novemberblues
und liegen bleiern auf der kleinen Stadt.
Die Bäume stehen feucht in Blätterschuhen,
und im Geäste krächzen Krähen matt.

So eingestimmt für alle Trauertage
bleibt gern, wer kann, früh morgens nun zu Haus,
entzieht sich so der Landschaft stummer Klage,
zu kosten diese Stunden für sich aus.

Das Teelicht leuchtet hell und warm im Stövchen,
und Feuer lodert wohlig im Kamin,
denn wärmt auch nur das allerkleinste Öfchen,
kann man der grauen Nebelwelt entflieh’n.

Fühlt sich geborgen, wohl in den vier Wänden
und weiß, die trübe Zeit durch Licht zu wenden.

Ingrid Herta Drewing