Bitte

Nein, Herbst, ich will den Sommer noch nicht lassen,
wenn er sich gütig warm und licht hier gibt.
Zwar könnt’ ich seine Hitze manchmal hassen,
doch seine grünen Blicke sind mir lieb.

Auch mag ich ihn, wenn seidig seine Lüfte
umschmeicheln uns in einer milden Nacht,
die Sternenträume des Jasmins, die Düfte
und Blütenfeuer, die er sanft entfacht.

Die Reife, die er bringt, die goldnen Ähren,
den blauen Himmel, helles Morgenlied,
obwohl er garstig sein kann und höchst störend,
wenn er gewitternd über Land ’mal zieht.

Wart’ bitte noch ein Weilchen! Im Kalender
ist doch erst in vier Wochen dein Termin.
Dann kannst du kommen, färben am Geländer
die Blätter jener Ranken, die jetzt grün.

© Ingrid Herta Drewing, 2013

Sommers Abschied

Geruhsam gibt sich dieser Sonntagmorgen;
der Himmel müde,Wolken grau verhangen.
Die Luft vermag noch Milde sich zu borgen;
der späte Sommer stillt hier dies‘ Verlangen.

Die Büsche, Bäume, die der Regen netzte,
genesen von zu langer Trockenheit;
wo kürzlich Sommersonne Zeichen setzte,
erstrahlt jetzt Laub erfrischt im grünen Kleid.

Es gönnt der Sommer sich die sanfte Ruhe,
entrückt von Trubel, Hitze, Lichtgesang,
denkt schon an Abschied, seine Reiseschuhe
sind blank geputzt; es währt wohl nicht mehr lang.

Dann wird er mit den Vögeln südwärts ziehen
und Herbstes Farbenfeuer hier erglühen.

© Ingrid Herta Drewing,2013

Sommers Neige II

Es zeichnet Zeit die Schatten der Zypressen;
sie wachsen in den Abend weit hinein.
Der Sommer übt errötend sein Vergessen;
am Horizont ertrinkt der Sonne Schein.

Der Zug der Kraniche, ihr Abschiedslied
mir unverborgen Herbstsignale sendet;
obwohl Spätsommer hier noch schwelend glüht,
dennoch dies‘ Flüstern, dass er bald nun endet.

© Ingrid Herta Drewing

Sommers Neige

Spätsommer-Blicke
streifen sonnig mild das Land,
zärtlicher Abschied.

© Ingrid Herta Drewing

Lebensmelodie

Es regt das Leben sich im Wachsen, Mühen
und steht zum Welken dennoch dann bereit.
Der Schönheit Knospen und ihr hell‘ Erblühen
erstrahlen leuchtend nur für kurze Zeit.

Der Duft, der Klang, die süße Melodie
für eine Weile nur im Äther schwingen;
doch schenken sie der Welt die Harmonie,
die sanft und zart das Dunkel wird bezwingen.

© Ingrid Herta Drewing

Rosenduft

Rose, erblühend
schenkst du dein duftendes Lied,
so lieblich und mild.
Der Wind trägt ’s in die Weite.
Sommer-Nasenseligkeit.

© Ingrid Herta Drewing

Ermunterung

Ich wische mir den Trübsinn aus den Augen,
erfasse klar, was Tagen nun verspricht.
Wo die Vernunft als Richtschnur mir mag taugen,
erwarte ich in Sturmgesängen Licht.

Da heißt es aufrecht gehen, Ziel gerichtet,
den Blick auch in das Dunkel nicht vermeiden,
zu denken, fühlen Leben uns verpflichtet,
nicht stumm ertragen Mensch gemachte Leiden!

Gemeinsam jene kleinen Schritte wagen,
die letztlich doch in etwas Großes münden,
nicht mutlos bei Beginn schon zu verzagen.
Wer glaubt und hofft und denkt, wird Wege finden.

Wenn wir vernünftig, einig uns aufraffen,
gelingt ’s uns, eine bess’re Welt zu schaffen.

© Ingrid Herta Drewing

Sommerabschied

Der Sonnenbogen,
er sinkt jetzt merklich tiefer.
Zugvögel fliehen
in südliche Gefilde;
und hier verstummt der Gesang.

© Ingrid Herta Drewing

August

Klarer Sommertag,
es badet das Land in Licht,
Sonnengesänge.

© Ingrid Herta Drewing

Spätsommer

Klar blau der Himmel; nur ein Wölkchen schwebt
so weiß und weich wie Watte zart dahin.
Der Rosen Duft mir Sinn und Seel‘ belebt.
Noch bürgt des Sommers Licht für Glücksgewinn.

Zwar ist der Vögel muntres Lied verklungen,
und Krähenschatten krächzen im Geäst.
Mir fehlt die Amsel, die so hell gesungen,
am Abend dieses Melodien-Fest.

Doch lass ich von Gerüchen mich verwöhnen,
der Kräuter Würze und des Heudufts Milde,
der Süße, lieblich hier im Blütenbilde
der Blumen, deren Schönheit kann versöhnen.

Und Frühherbst wird mit seinen Farbenfeuern
daran erinnern: Leben heißt Erneuern!

© Ingrid Herta Drewing