Kalter Regentag

Der Frühherbst fasst mit nassen, kalten Händen
den sommermüden Bäumen ins Gesicht,
die ihren Blättern nun das Grün entwenden,
da zügig schwindet hin des Tages Licht.

Doch noch hält reiche Ernte die Natur:
Kastanien, Eckern, Eicheln, Nüsse fallen.
Eichhörnchen sind hier flink auf Sammel-Tour;
man sieht sie, wenn vorbei der Nebel Wallen.

Mich fröstelt dieses trübe Regenbild;
ich sehne mich nach goldenem Oktober
und klarem, blauem Himmel, sonnenmild,
der Bäume Farbenspiel hell in Zinnober.

Damit wir aus Spätsommers milden Zeiten
nicht gleich in graue Nebelfänge gleiten.

© Ingrid Herta Drewing,2013

Tödlich

Dünger, Weichspüler,
Hormone dopen den Fluss,
der diesen See speist.

Kein Fischlein schwimmt hier,
nur Wasserpflanzen – Dickicht,
totes Gewässer.

Der moderne Mensch,
in maßloser Profitgier,
zerstört die Natur.

© Ingrid Herta Drewing,2013

11.September

Zwölf Jahre ist es nun schon her,
ein Tag der Trauer, folgenschwer;
hier brach die heile Welt entzwei,
und wir als Zeugen warn dabei.

Ins strahlende Septemberblau
Twintowers, Wolkenkratzerbau
ragen mit rußigen Fahnen,
zwei Fackeln zum Himmel mahnen.

Entsetzen starrt aus allen Mienen,
gebannt schaun wir zum Bildschirm hin,
betroffen folgend Zeilenschienen,
entschlüsseln wir der Worte Sinn.

Des Terroranschlags Todesspur,
zwei Jets als Bomben eingesetzt
von Islamisten , die hier stur
im Hass gemordet, aufgehetzt.

3000 Tote sind zu zählen,
und Tausende Verletzte quälen
sich heut’ noch, krank an Leib und Seel’;
so mancher, dem das Liebste fehlt.

Gedenkt der Menschen, ihrer Namen,
die sinnlos hier zu Tode kamen,
auch derer, die hernach im Krieg
gefallen für erhofften Sieg!

Wo Hass und Dummheit sich verweben,
zerstören sie das Licht, das Leben.
Der Mensch, wenn er verweilt im Wahn,
bewegt sich auf des Todes Bahn.

© Ingrid Herta Drewing

Herbstnähe

Auf meiner Schulter spür‘ ich schon
des Herbstes welke Hand,
stumm fordernd ein sein Pfand,
der Sommerliebe reifen Lohn;
doch noch ich mich entwand.

Verflechte meinen Sehnsuchtsblick
im Blütenbild der Wiesen.
Nach letzter Mahd will sprießen
ein neues, helles Blumenglück
dort wo die Bäche fließen.

Herbst setzt ins Grün bereits den Fuß
und lockt mit Herbstzeitlosen.
Jedoch der Duft der Rosen
im Garten darf als lieber Gruß
des Sommers uns noch kosen.

© Ingrid Herta Drewing,2013

Herbst-Lese

Versammlung
grüner Igel
unter den Bäumen,
dazwischen mahagonifarben ihre Früchte,
taubenetzt

Tagesbeginn,
die Frühaufsteher
frönen dem Sammlersinn,
ernten die glänzenden Esskastanien.
Herbstgeschenke.

© Ingrid Herta Drewing,2013

Schätze

Drei Wölkchen, hauchzart vor des Himmels Blau,
Spätsommerträume in die Lüfte malen;
und dennoch zeigt sich Herbst nun nah der Au:
Kastanien spähen schon aus ihren Schalen.

Gehütet wie ein Schatz, in Kinderhand
die ersten,braunen Früchte, die hier fallen.
Was später unterm Baum in Massen Tand,
lässt Überraschung, Freude jetzt aufwallen.

Was rar ist, wird als wertvoll angesehen
und rückt recht klar in unsren Sammlerblick.
Was stets verfügbar scheint, bleibt achtlos stehen;
zu oft wird so verkannt das nahe Glück.

Jedoch das Leben lehrt uns mit den Jahren,
es selbst als größten Schatz hier zu erfahren.

© Ingrid Herta Drewing,2013

Spiel mit der Gefahr

Krokodil,
großes Maul
mit scharfen Zahnreihen.
Kinder schreien, ganz aufgeregt.
Kasperltheater.

© Ingrid Herta Drewing,2013

Im Wald

Laub
raschelt leise.
Possierliches kleines Nagetier,
Rötelmaus, huscht geschwind davon.
Sommerabendbegegnung

© Ingrid Herta Drewing,2013

Tierliebe

Hausgeist,
geschmeidig, eigenwillig,
gewährt seinem Menschen
die Ehre der Anwesenheit.
Katzenfreundlichkeit.

© Ingrid Herta Drewing,2013

Unzeit

Sommerhitze,
und Pfeffernüsse
in den Supermarktregalen
flüstern von Winter, Weihnachtszeit.
Ver-rückt!

© Ingrid Herta Drewing,2013