Das Blatt

Am Baume hing ein letztes Blatt,
sanft schaukelnd in den Zweigen.
Obwohl Wind wild gewirbelt hat,
verschmähte es den Reigen,
der hoch hinauf in Lüfte fand
und letztlich doch in Tiefen schwand,
in welken Todes Schweigen.

Es konnte sich noch halten dort,
allein in Sturm und Regen;
hier lebend am gewohnten Ort.
Zwar war nicht mehr zugegen
das Laub, das es so warm gehegt,
in seiner Mitte zart bewegt,
das war für immer fort.

Wie tapfer blieb das kleine Blatt,
ertrug des Frostes Beißen,
den Nebel; auch den Raureif glatt
versucht‘ es abzuweisen!
Doch als der erste Schnee dann fiel,
sah es sich wohl beglückt am Ziel
und ging beherzt auf Reisen.

Mit tausend Sternchen schwebt’s zur Erde
im Tanz der Flocken aus der Höh‘.
Nun schläft es, bis es Frühling werde,
den langen Traum im weichen Schnee.

© Ingrid Herta Drewing,2013

Herbststimmung

Vor dem Vergessen
glänzt es golden in Gärten,
Wäldern und Wiesen.

Süßes Erinnern
an Frühling und Sommers Glut,
die reifen Früchte.

Und brennendes Laub,
der Bäume Abschiedslieder,
Farbenspiel im Wind.

© Ingrid Herta Drewing,2013

Linde Zeit

Es treibt der Buchs nun Blättchen zart und grün,
und auch mein Rosmarin trägt blaue Blüten.
Die Mauersegler schon am Himmel zieh’n
und schweben in der Sonne heller Güte.

Des späten Frühlings wundervolle Pracht
erglänzt, erquickt uns hoffnungsvoll im Mai,
denn endlich ist des langen Winters Macht
unwiderruflich hier jetzt ganz vorbei.

Da kann die Amsel froh ihr Liedchen schmettern,
des Morgens früh die Ringeltaube gurren,
im Hofe friedlich dort bei warmem Wetter
der Kater in der Mittagssonne schnurren.

Der Frühling neu belebt die kleine Welt,
ein Blütenmeer im Licht, das uns gefällt.

© Ingrid Herta Drewing,2013

Glyzinien-Frühling

Aus abertausend violetten Blüten
strömt nun betörend der Glyzinie Duft.
Sie darf den Frühling hier im Hof behüten,
rankt dort, am Hause kletternd, in die Luft.

Blauregen nennt man sie wohl auch zuweilen
und trifft damit ihr üppig‘ Blütenbild;
ihr Traubenblütenfall schmückt Häuserzeilen,
wie er hier bläulich aus den Ranken quillt.

Das wächst und blüht, als nehme es kein Ende,
und nasenselig lass‘ ich mich beglücken,
fühl‘ Frühlingsfreude, weiß, nun wird sich wenden,
was sorgenvoll und dunkel mag bedrücken.

Der Lenz, erwacht, reicht zärtlich seine Hand,
entführt uns in des Lebens Zauberland.

© Ingrid Herta Drewing,2013

Maiabend in der Stadt

Ein heller Frühlingstag geht nun zu Ende.
Die Amsel schenkt uns noch ihr Abendlied,
derweil die Schatten wachsen im Gelände,
und Sonne, Himmel rötend, sanft verglüht.

Doch zum Verweilen lockt des Abends Milde;
im Freien kann man plauschen, im Cafe´;
es grüßt im Park der Duft der Blütengilde,
wo vor fünf Wochen lag noch dick der Schnee.

Jetzt setzt der Frühling hier den Mai in Szene,
zeigt her sein frisches Grün in warmem Licht.
Das Leben schmiedet täglich neue Pläne
und zeigt sich uns mit lächelndem Gesicht.

Auch du als Mensch begegnest ihm nun offen,
fühlst dich dazu bereit, zu wagen,hoffen.

© Ingrid Herta Drewing,2013

Maienliebe

Die Pflanzen grünen,und an vielen Brücken
wächst auch die Zahl der Schlösser nun rasant.
Die Paare geben sie als Treuepfand
der wahren Liebe, die sie darf beglücken.

So manches Schloss hängt fest hier noch nach Jahren,
obwohl die Liebestreu längst korrodiert.
Wie auch ein Herz im Rindenbaum floriert,
erzählt von trauter Zweisamkeit der Paare.

Nicht jede Liebe, die im Mai erwacht
und Hoffnung in zwei junge Herzen pflanzt,
besteht des Lebens wilden,kühnen Tanz.
Zu früh zeigt oft der Winter seine Macht.

Jedoch der Liebe schöner Augenblick
bleibt doch bewahrt und zeigt: Es gibt das Glück!

© Ingrid Herta Drewing,2013

Frühlingsmittag

Ein sonnig’ sanfter Mittag lässt dich träumen,
nur Flugzeuggrummeln noch von fern am Himmel
und hier im Garten in den Blütenbäumen
der Bienen, Hummeln summendes Gewimmel.

Du kannst beschaulich sitzen nun im Freien,
da Frühling uns beschenkt mit milder Hand,
uns hier lässt Licht und Wärme angedeihen,
bringt Blüten, Düfte, Hoffnungsgrün ins Land.

Gewichen sind die dunklen Angstgespenster.
Sie zogen mit dem Winter polwärts fort,
und Sonne lehnt sich aus dem blauen Fenster,
schaut hoffnungshell herab auf diesen Ort.

Du fühlst es jetzt, das Glück, das dir gegeben,
und darfst der Erde Schönheit froh erleben.

© Ingrid Herta Drewing,2013

Frühlingsschwung

Auf Feuervogels goldnen Schwingen
rauscht nun der Frühling hier ins Land.
Ein Sprießen, Blühen, helles Klingen,
in Dorf und Stadt die Vögel singen;
zum Maientanz reicht er die Hand.

Wir können leicht bekleidet gehen,
da Wärme licht den Tag erfüllt.
Fast überall wird jetzt bestehen
die Hoffnung, die wir grünen sehen,
wo sonst nur Nebel uns umhüllt.

Verscheucht sind Alltags Stress-Gedanken;
das Leben, es erscheint nun leicht,
auch wenn sich Krisen hochauf ranken,
darfst du entspannen, Kräfte tanken,
denn Frühling hat dein Herz erreicht.

© Ingrid Herta Drewing

Im Nebel

Der Regen spült den Sonntag in die Rinne
und Kälte fließt aus dunklem Wolkengrau.
Was hier wohl vielen Pflanzen zum Gewinne
gereicht in ihrem wachsenden Beginnen,
verdirbt dem Sehnsuchtsblick die klare Schau.

Denn wieder hüllen dichte Nebelweben
dies‘ Land, wie`s oft geschieht,fast gänzlich ein.
Mag auch des Frühlings helles Blütenleben
sanft träumend dort in deinem Garten schweben;
es fehlt die Wärme hier, der Sonne Schein.

© Ingrid Herta Drewing

Frühlingsfreude

Des Frühlingsmorgens helle Lieder
erfrischen licht dir Seele, Sinn.
Der Bäume zartes Blühgefieder,
ein duftend‘ lieblicher Beginn.

Der Tag, der hier, so sonnig strahlend,
die Wärme in das Leben bringt
und Fröhlichkeit, die klangvoll malend
im Brautgesang der Vögel schwingt.

Da fühlst du frei dich und geborgen
in der Natur, die sanft erwacht.
Die Hoffnung grünt, an jedem Morgen
die Blütenwelt im Lichte lacht.

© Ingrid Herta Drewing