Liebestraum

Bevor sich Blüten schließen und verblassen,
die Abendröte vor den Schatten flieht,
möcht’ ich dir sagen, wie sehr ich dich lieb’,
dass ich dich nimmer werde lassen,
du Sonne, die an meinem Himmel glüht.

Und hüllt die Nacht mit ihren Sterngesängen
uns zärtlich dann in ihren Mantel ein,
wird die Magie der Liebe uns befreien.
Dann gleiten wir, befreit von allen Zwängen,
ins Paradies, das uns lässt glücklich sein.

Ingrid Herta Drewing

Die gestickte Buchhülle

In Perlgarn glänzen auf Stramin die Reihen,
ein Farbenmuster liebevoll gestickt.
Der Anblick dieser Hülle will verleihen
mir die Erinnerung, den Blick zurück.

Ich hatte sie gestickt als Weihnachtsgabe
sehr viele Wochen, heimlich in der Nacht,
und Mutter freute sich an Heiligabend,
als ich ihr dies Geschenk dann überbracht.

Jahrzehnte hüllte sie gar viele Bücher
auf Reisen und zu Hause sorgsam ein,
lag auf dem Nachttisch neben weißen Tüchern,
ja Mutter hütete sie wirklich fein.

Nun halte ich sie trauernd in der Hand,
der Mutterliebe schönes Unterpfand.

Ingrid Herta Drewing

Küssen

Wie schön ist ’s doch, wenn zwei sich küssen
und nichts dabei von Falschheit wissen
Nur lippenzärtlich voller Liebe,
vereint den Kuss recht gründlich üben.

Mit beiden Armen sich umfassen
und lang nicht voneinander lassen,
in ihren Traum versunken,
verzaubert, liebestrunken.

Ingrid Herta Drewing

Der erste Kuss

Und als du mich zum ersten Mal geküsst,
da war mir so, als weilte ich in Träumen,
in wundermilden Blüten, Sternenbäumen,
bei Vögeln, deren Singen heilig ist.

Zwei Schmetterlinge unsre Lippen waren,
sich zart berührend, doch auch frischer Quell
ließ spritzig leicht der Liebe Kraft erfahren.
Was dunkel quälte, wich dem Glücke hell.

Auf sanftem, lichtdurchwirktem Vliese,
geborgen, lieberfüllt umschlungen,
ist selig uns im Duft der Sommerwiese
der ersten Liebe Lerchenlied erklungen.

© Ingrid Herta Drewing

Zu Klimts Gemälde“ Der Kuss“

Verflochten, verwoben
in goldenem Vliese,
sie, blühend
wie die Sommerwiese,
lieb geborgen
in seinem Arm.

Ein Sonnengott
küsst die Erde warm,
in lichtem Mantel
sanft versunken,
hingegeben
und
liebestrunken.

Ingrid Herta Drewing

Traumzeit

Der Abend wird nun still. Nur Flugzeuggrummeln
dringt aus der Ferne monoton zu dir,
und im Lavendelbusch verstummt die Hummel.
Die Sonne sinkt; der Tag schließt seine Tür.

Du lässt ihn sanft an dir vorüber gleiten,
andächtig sinnend unterm Sternenzelt,
das funkelnd dich wird in die Nacht geleiten,
ins Reich der Träume taucht nun deine Welt.

Die Träume, die im Kopf Theater spielen,
Protagonistin bist du, eingespannt,
und manchmal darfst du darin Freiheit fühlen,
die deinem Erdenleben unbekannt.

Doch widerfahren dir auch schlimme Dinge,
die du erleben musst, fast schon real.
Auf einer Bühne sollst du solo singen
und kannst den Ton nicht treffen, welche Qual!

Jedoch auch Wunderschönes wird gegeben.
Du bist geborgen bei dem Liebsten warm,
den du geliebt in einem andern Leben.
Im Traum hält er dich immer noch im Arm.

Und mögen Träume auch nur Schäume sein,
erzählen sie uns doch von uns Geschichten;
und manchmal wirkt ein solcher Traum hinein
ins helle Leben und schreibt dort Gedichte.

Ingrid Herta Drewing

Nachtgeflüster

Wie sich der Himmel an die Erde schmiegt,
die Sternendecke zärtlich ausgebreitet,
sie lind und lieb zu Sphärenklängen wiegt,
von Blütenduft und Träumen zart geleitet.

Im Silberglanz des Mondes ruht der See;
nur kühn im Bogen noch zwei Schwäne gleiten.
Anmutig wirkend, sanft im Pas de deux,
erscheinen sie entrückt aus Raum und Zeiten.

Geheimnisvoll erzählen sie dem Pärchen,
das sie in ihrem stillen Glück erschaut,
in dieser Sommernacht ein Liebesmärchen
vom Schwanenritter und der Zauberbraut.

Ingrid Herta Drewing

Im Gedächtnis

Vergänglich, auf des Tages Blatt geschrieben,
dem Schatten dieses Lebens auf der Spur,
ein stetes Kreisen, Sprechen, Schreiben, Üben
sind wir ja meistens Epigonen nur.

Wir nehmen unser Reden viel zu wichtig.
Das Wort wird uns zum Weihrauch, der gefällt,
und dennoch ist doch manches gar zu nichtig,
was uns beschäftigt und in Atem hält.

Von vielem, was gesagt im Sonnenlicht,
mag vielleicht bleiben nur ein zart‘ Gedicht,
das wer an einem Frühlingstag geschrieben,
erfüllt von reinem, grenzenlosem Lieben.

Denn Liebe, die in ihrem Wesen wahr’,
berührt , bewegt uns, wir erfühlen ’s klar.

Ingrid Herta Drewing

Liebende

Es sind die Liebenden, in deren Blicken
das Leben darf den Himmel offen sehen,
wenn zärtlich sich verweben die Geschicke,
im Rosenlied ein blühendes Verstehen.

Es sind die Liebenden, die staunend finden
dort, wo sonst Trübsal herrscht, nun neue Kraft;
beflügelt werden sie auch überwinden
den tiefsten Graben, der auf Erden klafft.

Denn ihre Seelen hören Himmels Klänge.
Sie haben schon ihr Paradies erschaut.
Die Liebe trägt sie aus des Kleinsinns Enge
und bleibt, solang’ sie währt, ihr Engel traut.

Ingrid Herta Drewing

Agave

Einmal im Leben nur blüht die Agave,
und lieblich entfaltet sie ihre Pracht,
als Kerze hell leuchtend, Traum, fern dem Schlafe,
erstrahlt sie in glühender, südlicher Nacht.

Sie spricht mir von Sommer, Glück und der Liebe,
und ziert Kataloniens wild felsiges Land.
Wie ein Versprechen, ins Blaue geschrieben,
ragt sie in den Himmel als zärtliches Pfand.

Noch heut‘ seh‘ ich sie, hör dies Sehnsuchtslied klingen ,
die Weise des Concierto de Aranjuez,
und hoch überm Meer in dem Garten ein Singen,
dies‘ Bild aus Blanes ich nie mehr vergess’.

Ingrid Herta Drewing