Licht
Jenseits des Himmels
wartet des Alls schwarze Nacht.
Doch Sterne leuchten.
***
Lupinenkerze,
die blauen Schmetterlinge
der Blüten im Licht.
Ingrid Herta Drewing
Jenseits des Himmels
wartet des Alls schwarze Nacht.
Doch Sterne leuchten.
***
Lupinenkerze,
die blauen Schmetterlinge
der Blüten im Licht.
Ingrid Herta Drewing
So flüchtig wie die Wolke ist das Leben.
Noch eben schwebend hoch in Himmels Blau,
türmt sie sich auf, Gewitter wird es geben,
was vordem weiß, verschwindet ganz im Grau.
Sich dann im Hagel, Regen zu verschwenden,
bis wieder Sonne hell am Himmel bleckt,
und in den Wassern sich zur Erde wendend,
vielleicht im Regenbogen noch entdeckt.
So wandelt alles sich in stetem Werden
und Enden, hier im Kreislauf der Natur.
Auch wir sind doch nur Gäste hier auf Erden
und hinterlassen unsre kleine Spur.
Ingrid Herta Drewing
Noch im Sinken
dies’ glühende Versprechen
in den Himmel geschrieben,
dein Sonnengruß.
Ingrid Herta Drewing
L iebe lässt uns Menschen werden,
E int, was lange war zerstritten,
B ietet Zuflucht hier auf Erden.
E r, der für uns hat gelitten,
N immt uns sanft in seine Mitte.
Ingrid Herta Drewing
In jedem Sonnenstrahl, der nun erglüht,
regt sich ein Pflänzchen und erblüht.
Die kleine Welt erwacht im Frühlingssehnen.
Auch du, verwundert, wie dir nun geschieht,
singst wieder mit des Lebens Lied,
befreit von alten Stützen, Winterlehnen.
Hinaus lockt dich die Luft, die nun so mild,
der frische Duft, das Blütenbild,
die Vögel, die im Garten lieblich singen.
Fühlst dich beschwingt wie sie, so froh erfüllt.
Dies’ Lied, das deinen Kummer stillt,
dringt tief dir in die Seele, zärtlich klingend.
Ingrid Herta Drewing
Wir träumten einst von Tarzan und Phantom
und schwangen uns im Geiste an Lianen
durch Dschungel, endlos, siegten in Gefahr,
die Comic-Heftchen ließen ’s uns erahnen.
Verboten in der Schule, doch wir Kinder,
oft unbewacht in jener Trümmerwelt,
wir waren darin unsres Glückes Finder,
und fanden dann in Tarzan unsren Held’.
Er kämpfte, nur mit einem kleinen Messer,
mit Riesenkraken, die am Meeresgrund
die Arme um ihn schlangen, er war besser,
war kaum verletzt und strahlte stets gesund.
Um uns herum, da herrschten Elend, Not.
Den Kriegversehrten fehlten oft auch Glieder,
und viele Väter war’n vermisst, auch tot.
Wer da war, der sang keine Heldenlieder.
Wir Kinder, Lebenskünstler, fanden Raum;
uns schenkte Phantasie den hellen Traum.
Ingrid Herta Drewing
Es griff die Nacht dir in dein goldnes Haar,
kein Silbermond ließ glänzend es erstrahlen,
und dein Gesicht so blass, wie ich ’s nie sah,
der Schmerz sich traurig in den Blicken malend.
Auch ich stand stumm, mir zitterte die Hand,
die ich dir reichte; meine Lippen bebten,
als sie dein Kuss noch einmal zärtlich fand,
und unser Atemhauch in Kälte schwebte.
Wir wussten nicht, ob wir uns wieder sehen,
gestohlen ward uns unsre beste Zeit.
Dann rief man dich, du musstest sehr schnell gehen,
und wir erahnten, dieser Weg führt weit.
Noch heute sehe ich im Traum oft dein Gesicht
und deinen Abschiedsblick, ein fernes Licht.
Ingrid Herta Drewing
Ich danke dir, Gott,
hast mir Leben gegeben,
dazu das Bewusstsein.
Ich bin nicht allein.
Im irdischen Streben,
im liebenden Schweben
fühl’ ich dieses Glück,
als Mensch hier zu sein.
Denn wär’ ich ein Stein,
ich hätte kein Herz,
empfände kein Sein
und auch keinen Schmerz.
Zwar würd’ ich steinalt,
doch ohne zu leben,
was sollt’ mir das geben?
Wär’ arg hart und kalt,
würd’, ohne zu zittern,
ganz langsam
verwittern.
Ingrid Herta Drewing
Ein kühler Tag, auf dessen blauer Bühne
der Wind verwegen mit dem Rauche spielt,
der zart gekräuselt steigt aus den Kaminen
und weiß in Tanzfiguren Sonne fühlt.
Sie steigen, neigen, wirbeln sich im Kreise
und schrauben hoch und höher Pirouetten,
um bald darauf in wundersamer Weise
sich leicht zu lösen von der Wirkungsstätte.
Verlieren sanft sich in des Himmels Höhe,
ein Wölkchen schwebt noch hell im Mittagslicht,
das schließlich auch entwächst des Blickes Spähen,
wenn Wind es trägt aus der begrenzten Sicht.
Was immer auch verlässt der Bühne Ort,
es wirkt gewiss an andrer Stelle fort.
Ingrid Herta Drewing
Gestrandet im Meere des Lebens,
als Treibgut geworfen an Land,
das Schwimmen versucht, doch vergebens
gesucht nach der rettenden Hand.
Dort, wo du hofftest zu finden
Verständnis, Liebe und Glück,
hieß man dich nur, zu verschwinden,
verweigerte dir das Zurück.
Als Bettler sieht dich nun die Straße,
bist alt und das Gehen fällt schwer.
Zwar weht dir noch Wind um die Nase,
doch Einsamkeit läuft hinterher.
Du haderst mit Gott, weil dein Leben
so ungnädig, bitter verlief,
siehst auch keine Schutzengel schweben,
nur den Teufel, der stets nach dir rief.
Ein Teufel, ein armer, wie du
jetzt wahrlich auch selbst einer bist.
Du prostest ihm müd’ lächelnd zu,
weil Alkohol Tröster dir ist.
Doch erreicht dich die Heilsarmee
und schenkt dir Wärme und Raum,
die Suppe und heißen Kaffee,
einen kleinen menschlichen Traum.
Ingrid Herta Drewing