Archive for the Category Leben

 
 

Zuspruch

Kein Morgenrot, nur Wolkengrau!
So deine ständige Beschwerde.
Als täglich Brot nur Himmelblau
erwarten darfst du’s nicht auf Erden.

Auch deine Jahreszeiten wechseln;
Es blüht der Frühling, welkt dahin.
Im Sommer magst du Träume drechseln,
dein Jahr kennt Herbst und Winters Sinn.

Die Mächte, die hier webend walten,
ergreifst du nicht mit Menschenhand,
und dennoch kannst auch du gestalten
dein kleines Leben hier im Land.

Drum warte nicht auf bessre Zeiten!
Häng’ nicht dein Fähnchen nach dem Wind!
Das Glück wird wohl nur den begleiten,
der sich besinnt, den Weg beginnt.

© Ingrid Herta Drewing

Unser Leben

Gefüllt bis an den Rand der Becher, Leben
als ein Geschenk ; für eine kurze Zeit
ist ’s uns auf Erden liebevoll gegeben.
Wir nehmen ihn und trinken, sind bereit.

Uns hier mit unsrem Dasein einzufügen,
gestalten diese Welt, die uns gefällt.
Wenn uns auch oft misslingen Höhenflüge,
so sind wir dennoch tapfer eingestellt.

Auch auf Gefahren, die im Leben lauern,
seien ’s Mikroben oder Sturmesgroll.
Gemeinsam werden wir dies überdauern,
erfüllen hier als Menschen unser Soll.

Und geben wir dereinst den Becher hin,
so wissen wir um unsres Lebens Sinn.

Ingrid Herta Drewing

Leben

Es liegt im Wachsen etwas Wunderbares,
wie sich ein Keimling in das Werden fügt,
sich einreiht jede Zelle, etwas Klares,
das auch dem großen Ganzen dann genügt.

Als habe es geheimen Ruf vernommen,
so folgt das Leben leise, drängt zum Licht,
und plötzlich ist es da, wirkt so vollkommen,
zeigt hier im Dasein schön sein Angesicht.

Zwar wissen wir heut’ viel von der Natur,
verfolgen analytisch ihre Spur,
um möglichst auch Erkenntnis zu erlangen.

Jedoch sind wir ein Teil des Lebens nur
und zogen sie nicht auf, die große Uhr.
Wir dürfen es nur demütig empfangen.

Ingid Herta Drewing

Licht

Jenseits des Himmels
wartet des Alls schwarze Nacht.
Doch Sterne leuchten.

***

Lupinenkerze,
die blauen Schmetterlinge
der Blüten im Licht.

Ingrid Herta Drewing

Wolkengleich

So flüchtig wie die Wolke ist das Leben.
Noch eben schwebend hoch in Himmels Blau,
türmt sie sich auf, Gewitter wird es geben,
was vordem weiß, verschwindet ganz im Grau.

Sich dann im Hagel, Regen zu verschwenden,
bis wieder Sonne hell am Himmel bleckt,
und in den Wassern sich zur Erde wendend,
vielleicht im Regenbogen noch entdeckt.

So wandelt alles sich in stetem Werden
und Enden, hier im Kreislauf der Natur.
Auch wir sind doch nur Gäste hier auf Erden
und hinterlassen unsre kleine Spur.

Ingrid Herta Drewing

Vor der Nacht

Noch im Sinken
dies’ glühende Versprechen
in den Himmel geschrieben,
dein Sonnengruß.

Ingrid Herta Drewing

Ostern

L iebe lässt uns Menschen werden,
E int, was lange war zerstritten,
B ietet Zuflucht hier auf Erden.
E r, der für uns hat gelitten,
N immt uns sanft in seine Mitte.

Ingrid Herta Drewing

Frühlingserwachen

In jedem Sonnenstrahl, der nun erglüht,
regt sich ein Pflänzchen und erblüht.
Die kleine Welt erwacht im Frühlingssehnen.
Auch du, verwundert, wie dir nun geschieht,
singst wieder mit des Lebens Lied,
befreit von alten Stützen, Winterlehnen.

Hinaus lockt dich die Luft, die nun so mild,
der frische Duft, das Blütenbild,
die Vögel, die im Garten lieblich singen.
Fühlst dich beschwingt wie sie, so froh erfüllt.
Dies’ Lied, das deinen Kummer stillt,
dringt tief dir in die Seele, zärtlich klingend.

Ingrid Herta Drewing

Nachkriegskindheit

Wir träumten einst von Tarzan und Phantom
und schwangen uns im Geiste an Lianen
durch Dschungel, endlos, siegten in Gefahr,
die Comic-Heftchen ließen ’s uns erahnen.

Verboten in der Schule, doch wir Kinder,
oft unbewacht in jener Trümmerwelt,
wir waren darin unsres Glückes Finder,
und fanden dann in Tarzan unsren Held’.

Er kämpfte, nur mit einem kleinen Messer,
mit Riesenkraken, die am Meeresgrund
die Arme um ihn schlangen, er war besser,
war kaum verletzt und strahlte stets gesund.

Um uns herum, da herrschten Elend, Not.
Den Kriegversehrten fehlten oft auch Glieder,
und viele Väter war’n vermisst, auch tot.
Wer da war, der sang keine Heldenlieder.

Wir Kinder, Lebenskünstler, fanden Raum;
uns schenkte Phantasie den hellen Traum.

Ingrid Herta Drewing

Abschied

Es griff die Nacht dir in dein goldnes Haar,
kein Silbermond ließ glänzend es erstrahlen,
und dein Gesicht so blass, wie ich ’s nie sah,
der Schmerz sich traurig in den Blicken malend.

Auch ich stand stumm, mir zitterte die Hand,
die ich dir reichte; meine Lippen bebten,
als sie dein Kuss noch einmal zärtlich fand,
und unser Atemhauch in Kälte schwebte.

Wir wussten nicht, ob wir uns wieder sehen,
gestohlen ward uns unsre beste Zeit.
Dann rief man dich, du musstest sehr schnell gehen,
und wir erahnten, dieser Weg führt weit.

Noch heute sehe ich im Traum oft dein Gesicht
und deinen Abschiedsblick, ein fernes Licht.

Ingrid Herta Drewing