Archive for the Category Gesellschaftskritisches

 
 

Standhafte Wallonie

Jetzt lamentieren laut
die Neoliberalen,
es schade der EU die Wallonie,
die CETA so nicht traut,
nicht abnickt falsches Malen,
Vertrag noch überprüft mit Akribie.

Was Gremien geheim
lang ausgeheckt im Stillen,
wohl fern der Basis, der Demokratie,
das trägt Gefahr im Keim,
folgt der Konzerne Willen,
kann zwingen EU-Bürger in die Knie.

Der Wallonie gilt Dank,
dass hoch sie setzt die Hürden
und sorgsam überprüft, was CETA schreibt,
den Scheck nicht ausstellt blank,
den andre uns aufbürden,
wo jeder sehen muss, wo er dann bleibt!

© Ingrid Herta Drewing,2016

Nadelöhrkamele

Noch immer fischen sie im Trüben,
negieren Menschlichkeit und Recht,
ihr Hochmut schwelgt in Egoschüben,
um skrupellos Macht auszuüben,
und sei die Wirkung noch so schlecht.

Ressourcen stetig auszubeuten,
auch wenn es in der Ärmsten Land
zerstört die Basis vieler Leute,
seh’n sie doch nur ihr eignes Heute
und ihre Gier nimmt überhand.

Der andern Menschen Not, ihr Leiden,
auch Tod von Kindern schert sie nicht.
Sie wohnen in Palästen, meiden,
was ihren Luxus könnt beschneiden,
und kennen kaum das Wort „Verzicht“.

Bereichern sich durch Hass und Kriege,
Profit der Rüstungsindustrie,
und auf dem Schlachtfeld ihrer Siege
steht Tod als Pate an der Wiege.
Wann endet diese Idiotie?

© Ingrid Herta Drewing,2016

DSCI0004

Menschenersatz

Bequem erscheint die Automatenwelt,
erledigt Arbeit, spart so Zeit und Geld.
„Der Mensch wird frei gestellt“,
heißt es so schön.
„Wirst du erwerbslos, musst du seh’n,
was anderes zu finden!

Musst mit dem Fortschritt geh’n,
lässt sich nicht unterbinden!“

Die Fortschrittsgläubigkeit erzeugt Probleme,
beschert nicht allen nur das Angenehme.
Den einen wird gegeben,
den anderen genommen;
meist kann der Mehrwert nicht
zu allen Menschen kommen.
So werden auf der Welt im Hier und Heute
sehr viele Arme nur der Reichen Beute.

Ich frag‘ mich auch, ob da in all den Sachen,
in denen wir uns überflüssig machen,
es immer sinnvoll ist, zu delegieren,
anstatt, es selbst bewusst hier auszuführen.
Verantwortung des Handelns sieht wohl kaum
der Roboter, der dann beherrscht den Raum.
Auch schlimme Taten( wie durch Drohnen Tücke)
entziehen sich so leicht dem klaren Blicke.

„Ach was, denk mal an menschliches Versagen,
zu oft sind Unfälle und Tote zu beklagen!
So schnell und so exakt wie die Maschinen,
die Roboter, kann doch kein Mensch mehr dienen.“

Dass wir als Menschen nicht wie die Maschinen
nur funktionieren, ist des Lebens Gunst,
bei Unverhofftem lassen wir die Schienen
und finden neue Wege, das ist Kunst.

Ich mag sie nicht, die Welt, die starr und kalt
den Mensch dem Menschen nimmt im Fortschrittswahn,
wo uns, vernetzt im digitalen Wald,
auf Knopfdruck dann bewegt ein Robot-Clan.

Wir brauchen bald kaum noch die Arme, Beine,
und manche nutzen nicht mehr oft ihr Hirn.
Längst gibt es eine Welt medial für Kleine,
mit Geld und Macht lebt man auf andrem Stern.

Gäb’s endlich Fortschritt in der Empathie,
gerechtes Handeln, Frieden in der Welt,
dass man besieg‘ den Wahn, die Idiotie,
die uns entmenscht in Gier gefangen hält!

© Ingrid Herta Drewing,2016

Signal

Die Konsumtempel,
Kult in riesigen Stadien
erinnern an Rom.
Brot und Spiele, Dekadenz
vor des Reiches Untergang.

© Ingrid Herta Drewing,2016

Abgehoben

„Du bist arm? Sei froh,
denn Reichtum macht nicht glücklich!“,
sagen die Reichen,
verkriechen sich in Burgen
geschützter Annehmlichkeit.

„Wer will,kriegt Arbeit!
Er muss sich nur verdingen
im Ein-Euro-Job.“
Angebot und Nachfrage
erklärt zum Naturgesetz.

Marktmacht-Religion;
die Neoliberalen
und Plutokraten,
sie lenken, stellen Weichen,
und das Gemeinwohl entgleist.

© Ingrid Herta Drewing,2016

Spielsüchtig

Chimären jagend
geistern sie durch die Räume,
Menschen, ferngelenkt.

© Ingrid Herta Drewing,2016

Die Kröten und der klappernde Storch

„Ach“,klagten die Kröten,
„wie sind wir in Nöten,
nun da Hitze heizt auf unsren Teich!
Auch trocknet aus unser Erdhöhlenreich.“

„Ja,hier ist es öde,
drum seid nicht so blöde!
Folgt mir nur, ihr Lieben, ich helf euch sogleich!“
So lockte der Storch, begann bösen Streich.

„Ich führ‘ euch zur Stelle
der sprudelnden Quelle,
da ist der Boden so feucht und auch weich,
sogar einen Tümpel gibt’s für euren Laich!“

Die Kröten, nicht hell,
sie folgten sehr schnell
dem Führer und sahen heil schon ihr Reich.
Zu spät bemerkten sie’s dann, todesbleich:
Sie waren für Storch nur zappelndes Fleisch.

Und die Moral von der Geschicht‘:
Folgt jenen falschen Führern nicht,
die euch das große Heil versprechen,
sonst wird es sich recht bitter rächen!

© Ingrid Herta Drewing,2016

Gedanken anlässlich des Brexits

Was verflochten, will sich trennen,
was gefestigt, löst sich auf.
Vieles, was vereint wir kennen,
nimmt allein nun seinen Lauf.

So ein Ende kann erschrecken.
Doch es ist auch Neubeginn
und vermag wohl Kraft zu wecken,
wirkt Vernunft in gutem Sinn.

Die EU, sie schenkte Frieden
nach Jahrhunderten die Zeit,
dass sich nicht als Feinde mieden
Staaten, nun zum „Bund“ bereit.

Doch viel‘ Bürger der Nationen,
auch von Brüssel aus gelenkt,
fühlen sich entmündigt; Fronen
sieht man stets von dort verhängt.

Ob bei TTIP, CETA,TiSA
sehen sie sich ungehört,
der Konzerne Lobby-Visa
zeigen Einfluss ungestört.

Offenbar fehlt Bürgernähe.
Vieles, was bedrückt vor Ort,
herrscht, als ob’s dort niemand sähe.
„Demokratisch“ nur ein Wort.

Soll es weiterhin bestehen,
das EU-Haus, dann wird’s Zeit,
die Probleme anzugehen,
lösen bald, Verlust gefeit!

Wer nur national will tünchen,
macht gar vieles hier verkehrt.
Eintracht stärkt doch aller Wünschen,
dass der Friede weiter währt.

© Ingrid Herta Drewing,2016

Monokultur

Ich würd‘ gern zurückdrehen alle Uhren,
als auf dem Land schöne Landschaft noch war,
vielfältig Felder, fern Monokulturen,
das Wachsen noch frei von Giften geschah!

Da schwirrten die Falter, summten die Bienen,
und Singvögel sangen tagein und tagaus.
Doch man ließ sich Pestizide andienen,
zerstört’s Biotop nah dem eigenen Haus.

Den großen Konzernen, Monsanto,Chemie,
hilft’s, rücksichtslos ihre Pfründen zu mehren.
Manch‘ kleinen Landwirt zwingt man in die Knie,
er wird zum Werkzeug, macht mit beim Zerstören.

So schön auch der Rapsfelder Farbe erglänzt,
hier ging ein Lebens-Orchester verloren,
dass uns die Natur einst in Fülle kredenzt‘.
Hat man sich Wohlstand so wirklich erkoren?

© Ingrid Herta Drewing,2016

Feststellung

Jeden Tag
ein neues Etikett,
Lobhudelei,
Spieglein
an der Wand-Spielchen
in Gesichtsbuch:
Like uns,
wir rechnen es aus,
dein mentales Alter,
deine Fähigkeit!
Du bist weise,
kreativ,
zeigen dir
dein schönstes
Angesicht,
die Bedeutung
deines Namens,
Unbezähmbare,
Mutige,
Intelligente,
Kluge
Einfühlsame,
Beliebte,
Unberechenbare!
Warte!
Es wird ausgerechnet.
Deine Berufung
Künstler, Sportler,
Pilot, Musiker,
Politiker, Arzt
wechselt
mit jedem
neuen Klicken.
Müll-Entsorger,
Näherin,Bestatter
fehlen.
Like uns!
Wir rechnen
es aus.

Mensch,
lass dich nicht
durch Orakel
nichten,
fremd bestimmen,
lebe, entscheide,
du hast die Wahl!

© Ingrid Herta Drewing,2016