Archive for the Category Gesellschaftskritisches
Die Sonne sinkt, umfließt die Silhouette
der Stadt mit ihrer glühend goldnen Röte,
und in der Gartenlaube trauter Stätte,
da sitzt man, plauscht, vergisst die Alltagsnöte.
Schon zeigt sich Venus strahlend überm Haus;
es sinkt der Abend zärtlich in die Nacht.
Allmählich gehen auch die Lichter aus;
verliebte Paare hält der Mondschein wach.
Die Stille, zart den Mantel ausgebreitet,
birgt sorgsam nun die kleine, müde Stadt,
die sanft ins Reich der Sommerträume gleitet,
da sie ihr Tagwerk wohl beendet hat.
So könnte es einmal gewesen sein,
bevor uns der Verkehrslärm holte ein.
© Ingrid Herta Drewing
August 9th, 2012 | Gesellschaftskritisches, Romantisches, Sommer, Stadt | Tags: Abendrot, Abendstern, Geselligkeit, Liebe, Mondnacht, Schlafstörung, Sonnenuntergang, Stille, Verkehrslärm | 0 Comments
Mir schien heut’ Nacht so still die Welt,
als könnt’ ich ihre Träume lesen,
ihr innerstes und tiefstes Wesen,
was sie vor uns verborgen hält.
Sie sprach von Einsicht und Genesen.
Da fielen von dem Baum, der blühte,
rotgoldne Früchte sanft herab.
Jedoch, wie sehr ich mich auch mühte,
ich hob’ sie nicht auf, sie verglühten;
ihr Feuer matt im Gras erstarb.
Da wacht’ ich auf im Traum; versonnen
sah ich zum Fenster dort hinaus,
bemerkte, dass man hatt’ begonnen
den Müll zu leeren aus den Tonnen,
den Baum zu fällen vor dem Haus.
Und seine Blüten- Äste lagen
am Bordstein dort verstreut im Dreck.
Ich sah ’s und fühlte Krampf im Magen,
laut wollte ich dagegen klagen
und blieb doch stumm auf meinem Fleck.
© Ingrid Herta Drewing
Juli 27th, 2012 | Besinnliches, Gesellschaftskritisches, Natur, Surrealistisches | Tags: Blütenbaum, Einsicht, Früchte, Hilflosigkeit, Müll, Natur, Traum, Zerstörung | 0 Comments
Man rühmt sie heut’, die Toten,
die sich der Kunst ergeben;
einst war verkannt ihr Streben.
Obszön nun Angebote,
posthum vermarktet’ Leben.
Für ’nen Van Gogh Millionen,
das Scheckheft wird gezückt,
ein Ego sich beglückt.
So arm musst Vincent sterben;
Es hieß, er sei verrückt.
Sehr viele, die gelitten
und doch trotz ihrer Qualen
die Welt in Farben malend,
sind Künstler unbestritten,
berühmt in den Annalen.
Nur das, was überdauert,
sein Können trefflich zeigt,
die Schatten nicht verschweigt,
hat, wo Vergessen lauert,
sich hin zur Kunst geneigt.
© Ingrid Herta Drewing
Juli 21st, 2012 | Gesellschaftskritisches, Kunst, Nachdenkliches | Tags: Kunst, Kunsthandel, Künstler, Maler, Millionen, Van Gogh, Verkanntes Genie | 0 Comments
Noch immer die Welt
geschüttelt von Krisen.
Die Zocker bewiesen,
dass Jagd nach dem Geld
zerstörend befällt,
was will leben und sprießen.
In Ohnmacht erstarrt
oder hektisch bemüht
Politik hier geschieht.
Der Bürger verharrt
und fühlt sich genarrt
vom Spiel, das er sieht.
Wie kann Geldes Schein,
dieser Maßlosen Macht,
isoliert in Betracht,
nun herrschen allein?
Wird das menschliche Sein
an den Abgrund gebracht?
© Ingrid Herta Drewing
Juli 13th, 2012 | Gesellschaftskritisches | Tags: Finanzkrise, Krisen, Menschlichkeit, Ohnmacht, Politik, Spekulanten | 0 Comments
Ein Mensch, der ging ins Internet
und hat sich da verkrochen.
Man sagt, dass man ihn seitdem hätt’
nie wieder hier gesprochen.
Wo er im Netz verschwunden ist,
weiß niemand zu berichten;
sogar bei Facebook, so ein Mist,
war er nicht mal zu sichten.
Vielleicht hat er zu viel gegoogelt
und ist ganz einfach weggekugelt?
© Ingrid Herta Drewing
Juli 7th, 2012 | Gesellschaftskritisches, Verrücktheiten | Tags: Internetsüchtig, Kommunikationsfeindlichkeit, Kontaktarmut | 0 Comments
Was alles so im Sommerloch verschwindet.
Man glaubt es kaum und reagiert betroffen,
versucht verzweifelt, ob man ’s wieder findet,
fragt sich, ob diese Welt hier sei besoffen.
Da rutschen Euros weg, aus Rettungsschirmen
bedienen sich bald Banken, die im Soll.
Europas Süden lässt sich tunlichst firmen,
spielt jetzt das schwarze Loch, ein Sog, der toll.
Da staunt der Mensch im Norden, registriert,
dass er auf dieser Wiese spielt die Kuh,
die Euros gibt, die man melkt immerzu,
dieweil der Süden alles barsch kassiert.
Es spricht sich leicht von Solidarität;
verlagert werden weiter viele Schulden.
Der Steuerzahler auf sein Scherflein späht,
sich fragt, wie lange er das kann erdulden.
Denn Reiche, die entziehen Kapital,
anstatt zu helfen, ihr Land zu sanieren.
Es scheint, die Armen werden überall
nun wieder mal in Euroland verlieren.
© Ingrid Herta Drewing
Juni 30th, 2012 | Gesellschaftskritisches | Tags: Ausbeutung, Bankenkrise, Kapitalflucht, Korruption, Rettungsschirm, Schulden, Steuerhinterziehung, Steuerzahler, Südländer | 0 Comments
Hier in meiner Stadt,
in Waldesnähe wohnend,
könnte es schön sein.
Doch Silbervögel
fliegen im Minutentakt
vom und zum Airport.
Ist der Wind günstig,
höre ich sie nur grummeln
auf meinem Balkon.
Aber an manchen Tagen
hallt dauerhaft ein Donnern.
© Ingrid Herta Drewing
Juni 27th, 2012 | Gesellschaftskritisches | Tags: Fluglärm, Lebensqualität, Waldesnähe | 0 Comments
Schlagzeilen
schüren Vorurteile.
Mit kriegerischem Vokabular
wird das Spiel bedrängt.
Kampfansage.
Fußballspiel
Zweiundzwanzig Spieler
haben ein Ziel:
das Tor des Gegners
Treffpunkt.
Fanmeile,
begeisterte Menschen
verfolgen gemeinsam leidenschaftlich,
das Spiel ihrer Mannschaft
Euphorie
© Ingrid Herta Drewing
Juni 24th, 2012 | Gesellschaftskritisches, Lebensfreude, Sport | Tags: Begeisterung, Europameisterschaft, Fanmeile, Fußball, Schlagzeilen, Vorurteile | 0 Comments
Dem Kreislauf der Natur
läuft vieles arg zuwider,
was auf des Menschen Spur,
der überall auf Tour,
sich schlägt so schädlich nieder.
Die Stoffe hergestellt,
zum Beispiel Plastik pur,
für die bequeme Welt,
der Luxus so gefällt,
meist’ bringen Schaden nur.
Was zum Gebrauch bestimmt,
dient heute dem Verbrauch.
Was „in“ die Mode trimmt,
man schnell als „ out“ vernimmt,
entsorgt es zügig auch.
Als wären stets ersetzbar
der Erde gute Güter,
die doch für uns unschätzbar!
Natur ist sehr verletzbar,
auch wir. Seien wir Hüter!
© Ingrid Herta Drewing
Juni 14th, 2012 | Besinnliches, Gesellschaftskritisches, Umwelt | Tags: Bodenschätze, Erde, Hüter, Mensch, Natur, Ressourcen, Rohstoffe, Schöpfung, Umweltzerstörung, Verantwortung, Verbrauch | 0 Comments
Die Einen spielen, und die Andern weinen;
wie achtlos sich Gleichgültigkeit gefällt!
Die Empathie, so scheint es, nur im Kleinen
noch wirkt, wo man sich in den Armen hält.
Die große Zahl der vielen Schreckensbilder
vermischt sich mit Fiktion, lähmt das Gefühl.
Ist aus der Film, stimmt Katharsis uns milder,
verdrängt, vergessen ist des Horrors Ziel.
Abstumpfung schützt, wenn jene schlimmen Leiden
der Welt sich bahnen einen Korridor
in deinen Blick, und du kannst kaum vermeiden,
dass weltweit Macht und Ohnmacht rücken vor.
Da lässt du gerne dich durch ’s Spiel ablenken;
wer wird an „panem et circenses“ denken?
© Ingrid Herta Drewing
Juni 9th, 2012 | Gesellschaftskritisches, Nachdenkliches | Tags: Bilderflut, Empathie, Gleichgültigkeit, Macht, Ohnmacht, panem et circenses | 1 Comment