Archive for the Category Schnee

 
 

Winter

Kalt über Felder, weiße Weite
kriecht Winterluft; der Nebel flicht
dem Schnee bedeckten Baumgeleite
milchgraue Schleier ins Gesicht.

Tief reicht des Frostes spröde Stille.
Nur hin und wieder in den Zweigen
stört einer schwarzen Krähe Wille
aufflatternd dieses müde Schweigen.

Zart rieselt dann ein Glitzerregen
herab für einen Augenblick.
Ein Sternenflüstern scheint zugegen,
gewährt dir kurz ein kleines Glück.

© Ingrid Herta Drewing

Winter-Fastnacht

Fast schon vorbei der Januar;
wie schnell die Zeit entflieht!
Es zeigt hier bald der Februar
sein närrisches Gemüt.

Der Narren fünfte Jahreszeit
ist jetzt schon voll im Schwange.
Der Winter trägt sein Schneemann-Kleid
und lässt den Frühling bangen.

Der hatte sich jüngst sanft gerührt,
ließ gar die Knospen schwellen.
Nun wird er grob zurückgeführt,
der Kälte Hunde bellen.

Noch zeigt der Winter hier im Land
sein eisig‘ Regiment,
behält es bleich und kalt als Pfand
mit frostigem Talent.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Närrischer Winter

Die Tage dösen hin im Nebelkleid.
Da mag so mancher hier den Schnee vermissen,
das klare, weiße Bild im Spiel der Zeit
und Sonnenschein, den wir zu schätzen wissen.

Stattdessen nur dies feuchte,fahle Grau;
das wahrlich ist nun keine Augenweide!
Es wächst das Sehnen nach des Himmels Blau
und Winterwetter, das bereite Freude.

Der Schlitten, der zur Weihnacht unterm Baum
verheißungsvoll die flotte Fahrt versprochen,
schläft jetzt im Keller, unerfüllt der Traum.
Der Schnee-Pakt scheint im Januar gebrochen.

Wahrscheinlich wird wohl erst zur Fastnachtszeit
der Winter närrisch schlüpfen in sein Kleid.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Erster Schnee

Schneeflocken fallen nieder;
die Erde wird nun weiß.
Der Tannen grün Gefieder
verleihen sie jetzt wieder
dies‘ winterlich‘ Geheiß.

Bald liegt das Tal geborgen,
versteckt im weichen Schnee,
als seien alle Sorgen
verschwunden früh am Morgen
durch Zauber aus der Höh‘.

Die Kinder froh dort tollen
beglückt im ersten Schnee;
beherzt sie Kugeln rollen,
den Schneemann bauen wollen
sie, fern von Kälte, Weh.

Ein Spaß! Es wird gescherzt, gelacht.
Wie ist der Winter schön!
Auch bei der wilden Schneeballschlacht
kein Kind gar böse Miene macht.
Nur Freude ist zu sehn.

So bringt des kalten Winters Zeit
doch Glück trotz manchem Kummer, Leid.

© Ingrid Herta Drewing,2013

Sonnenuntergang im Winter

Die Wintersonne, die dort im Türkis
des Horizontes dottergelb versinkt,
sie überlässt das Land dem Frost-Verlies.
Es geht der Tag, der Abendstern nun blinkt.

Wie hier Natur, in Schönheit schwelgend,schweigt,
erfreut mir Seele, Sinn im Augenblick,
da sich der Farben Pracht harmonisch zeigt,
bevor die Sonne sich zieht ganz zurück.

Erscheint da frostig auch die Erdenschöne,
die noch in harsch‘ bizarrer Winterhand,
beglücken doch der zarten Farben Töne
als Augenweide hier in diesem Land.

Das kleine Glück,gegeben jeden Tag
dem, der es dankbar auch erschauen mag.

© Ingrid Herta Drewing

Frühlingserwartung

Noch liegen Schnee bedeckt des Waldes Wege;
der Frühling lässt sich dieses Jahr viel Zeit.
Wo Buschwindröschen sonst schon Boden hegen
im Blütenlicht, glänzt weiß die Einsamkeit.

So still und klar liegt alles,unberührt,
als sei auf Dauer Winter hier verpflichtet,
der harsch die Eiseskälte eingeführt,
aus Schneekristallen hat sein Reich errichtet.

Doch wenn die Sonne durch die Zweige streift
als golden warmes, hoffnungsfrohes Licht,
sich Winter, seinen Panzer tauend, greift,
erwacht hier knospend Frühlings zart Gesicht.

Dann ist’s gewiss, lang wird es nicht mehr währen,
bis Lenz im Blütenkleid kann hell einkehren.

© Ingrid Herta Drewing

Schneeschmelze

Hell strahlend heut‘ die Sonne bleckt,
hat heiß sich eingestellt.
Den Schnee sie von den Dächern schleckt,
auch schmeckt ’s in Wald und Feld.

Eiszapfen weinen in den Tag,
es tröpfelt von den Zweigen.
Der Bäume Schneepelz, jüngst noch Plag,
lernt wässrig fließend Schweigen.

Und wird’s zur Nacht noch frostig kalt,
liegt Winter auf der Lauer,
dann lehrt ihn tags die Sonn‘ sehr bald,
dass kurz nur seine Dauer.

© Ingrid Herta Drewing

Schnee im März

Die Landschaft liegt im Winterweiß.
Seit vielen Stunden Schnee hier fällt.
Frau Holle wirft mit großem Fleiß
die kalten Sternchen auf die Welt.

Wie hätte mich zur Weihnachtszeit
dies‘ weiße Flockenmeer entzückt!
Doch nun war Frühling schon bereit,
hat uns mit Blütenduft beglückt.

Jetzt ist der Glanz im Schnee begraben;
kein Krokus lila, gelb mehr schaut,
bis Frühling kommt, schenkt neue Gaben,
wenn Sonne wärmt und alles taut.

© Ingrid Herta Drewing

Schneegestöber

Es tanzt der Schnee vor meinem Fenster;
die Flocken tummeln sich im Wind,
jetzt, da des Winters Frostgespenster
doch rau zurück gekommen sind.

Was mir zur Weihnacht Freude brächte,
erscheint mir nun als kalter Hohn.
Ich sehne mich nach milden Nächten
und Frühlingsduft, der Blüten Lohn.

Doch darauf darf ich wohl noch warten,
auch der Kalender zeigt’s: Zur Zeit
wird hier kein Frühling lieblich starten,
es trägt das Land des Winters Kleid.

© Ingrid Herta Drewing

Winters Rückkehr III

Zurück kam Winter über Nacht;
er gibt sich nicht geschlagen
und schickt im Sturm sein Flockenheer.
Als Tauwind uns die Frühlingsmär
so lieblich wollte sagen,
ward er im Nu zu Fall gebracht.

Und wieder grüßt in Weiß die Welt;
im Schneepelz sich verstecken
vereinzelt gelbe Winterlinge.
Schneeglöckchens zartes, grünes Klingen
vermag ihn nicht zu wecken,
den Lenz , den ’s noch im Schlafe hält.

© Ingrid Herta Drewing