Archive for the Category Sommer

 
 

Sommerfreude

Wie üppig wachsen hier des Sommers Blüten,
und jede Pflanze drängt es hin zum Licht.
Das Leben greift in seine Wundertüte,
es schenkt Natur ihr liebliches Gesicht.

Sie wirkt und webt die wunderbaren Düfte,
die uns in Wiese, Feld und Wald verwöhnen,
an blauen Tagen, wenn die milden Lüfte
uns hier das Dasein wohlig zart verschönen.

Da möchte man hell mit den Vögeln singen,
vor Freude jauchzen, in den Himmel streben
und andern Menschen hier nur Gutes bringen,
sie hegen, herzen, in die Arme heben.

Im Überschwang scheint man dazu bereit;
jedoch, dann melden sich Vernunft und Zeit.

© Ingrid Herta Drewing

Herbstvorahnung

Ich weiß nicht, war ’s ein Storch, ein Silberreiher,
der einsam flog am Himmel hoch dahin?
Zielstrebig zog er weiter, fern dem Weiher.
Gleich einem Kranich – kam ’s mir in den Sinn.

Vielleicht treibt ’s ihn als Vorhut in den Süden,
da nun die Nächte hier doch werden kalt.
Er mag entfliehen Tagen, regenmüden,
beendend seinen Sommeraufenthalt.

Zu neuen Ufern zieht ’s ihn, Deltas Sümpfe,
wo frisch pulsiert sein sanftes Vogelleben,
dieweil wir hier in warmen Winterstrümpfen
dem kühlen Nebel noch Paroli geben.

Auch Mauersegler sind schon fort gezogen.
Jetzt währen Sommerfreuden nicht mehr lang,
dann zeigt sich Flora bunt dem Herbst gewogen,
stimmt glühend an des Phönix’ Abschiedssang.

© Ingrid Herta Drewing

Sommerwiese

Der Sommer, er lacht in den Wiesen;
es blühen der Klatschmohn und Klee.
Die Gräser sanft himmelwärts sprießen,
im Winde grün wogende See.

In flirrender Hitze hier summen
die Hummeln, die fleißigen Immen;
ein Sirren durchbricht tiefes Brummen;
die Grillen die Geigen wohl stimmen.

Smaragdkäfer tanzen; Grasflöckchen
erglänzen in blühendem Licht.
Die Bienen mit goldgelben Söckchen,
ihr Pollenglück Honig verspricht.

Und hoch in die himmlischen Lüfte
schwingt leicht sich die Lerche und singt.
Vergessen das Dunkel der Grüfte,
hier weilt jetzt der Sommer und klingt.

© Ingrid Herta Drewing

Das Feuer von Cogolin

Die Sonne sinkt und rötet das Meer.
Yves, Jean, Claude, Pierre und Albert,
Boule spielen sie auf der Place des Gamins,
ein fröhlicher Abend in Cogolin.

Und der Mistral frischt auf, weht zur Cote d’Azur.
„ Morgen fahr’ ich zu Jeanne nach Namur!“,
verkündet Claude und lehnt sich zurück;
er träumt von seinem Hochzeitsglück.
Dann Yves, stolzer Vater, erzählt vom Sohn.
Er habe vier Zähnchen und laufe bald schon.
„ Meine Tochter Christine“, so schwärmt Albert,
„ ist fleißig und schön, gleicht der Mutter sehr.“

Doch was war das?
Ertönte da nicht die Glocke vom Turm?
Jetzt hören es alle: Sie läutet Sturm.
Feuer soll sein hinterm Hügel im Wald.
Sie rufen und rennen; es gibt keinen Halt.
Denn jetzt ist jeder ein Feuerwehrmann.
Sie eilen zum Wald; sie packen es an.

Und bekämpfen den Drachen, die lodernde Glut
mit Gegenfeuern und schöpfen Mut,
dass des Feuers Gier ist bald gestillt.
Aber schon wieder flackert es wild.
Es knistert und kracht, es dampft und zischt.
Der Pinienhain lodert, ein Flammengesicht.
Sie graben sich ein; die Feuersbrunst grollt.
Die Nacht leuchtet rot, und ein Donnern rollt
Sie rufen und suchen im Kampf den Genossen.
Der Feuerring hat sie eingeschlossen.

Doch da spricht von Hoffnung ein rußig’ Gesicht,
und seine Stimme die Angst durchbricht,
denn Yves sagt entschlossen:
„ Es muss uns gelingen,
lasst uns diesen Ring durchdringen!
Die Stadt ist in Not,
Kinder und Frauen vom Feuer bedroht.
Wir müssen sie retten, wir schreiten voran;
es kämpfe ein jeder, so gut er kann!“
So halten sie aus und wehren mit Macht
den Feuernestern, die wieder entfacht.

Da! Endlich naht sie, die Hilfe! Vom Meer
fliegen Hubschrauber Wasser nun her.
Sie helfen zu löschen den höllischen Graus.
Matt züngeln noch Flammen,
doch dampfend zischt es;
dann sinkt es zusammen
und schließlich erlischt es.
Das Feuer ist aus.

Sie haben’s geschafft, Cogolin ist
verschont geblieben mit knapper Frist.
„ Wo sind sie, die Männer der Feuerwehr?
Wir wollen danken.
Seht, da kommt Pierre!“
„Wo sind sie?“, fragt der, dem man danken will.
„ Die Kameraden, wo sind sie?“
Alles schweigt still.-
Und dann ist es gewiss: Sie kommen nicht mehr.
Sie starben im Feuer: Yves, Jean, Claude und Albert.

© Ingrid Herta Drewing
(2003 anlässlich der schlimmen Brände in der Provence geschrieben. Leider jedes Jahr wieder ein aktuelles Thema)

Vormittag am Strand

Es weht der Wind mir Schleier vor den Blick;
mein langes Haar geriet in seine Fänge.
Auflandig strömt er, wirbelnd wie verzwickt,
befreit, was leicht sich löst aus engen Zwängen.

Da stieben Möwen schreiend über Land.
Die Dünen rauchen, wo Strandhafer fehlt.
Auf meinen Lippen fühl’ ich feinen Sand,
und dort im Lee der Hügel Hitze schwelt.

Die Sommersonne bald im Mittag steht,
und auf dem Meer blinkt gleißend hell das Licht.
Es wächst der Strand, denn mit der Ebbe geht
das Wasser, bis es wieder flutend spricht.

Und ich spaziere hier durch Niedrigwasser hin,
den Strand entlang, und frön’ dem Sammlersinn.

© Ingrid Herta Drewing

Jenseits der Jahresmitte

Und wieder geht ein Tag, ein neues Blatt;
Kalender zeigt: Es ist des Jahres Mitte
nun schon seit Wochen weidlich überschritten,
jetzt, da doch Sommer uns gefunden hat.

Fast unbemerkt sind wir hinein geglitten,
und es blieb auch die Midlife Crises aus.
Der Regentage graue, stumme Bitte
fand gütig Antwort durch die Kunst zu Haus.

Die Poesie, Musik, wohl unbestritten,
der Malkunst Leuchten, ihre Farbenpracht
entschädigen für vieles, was erlitten,
wie Sterne strahlend hell in All und Nacht.

Da mag nun täglich leise Licht entschwinden;
wir werden Herbst und Winter auch verwinden.

© Ingrid Herta Drewing

Sommermorgen

Und Cirruswölkchen tuscht der Wind
ins morgenklare Himmelblau,
so leicht und zart, wie Federn lind,
als wolle er dort nun geschwind
uns schenken seine Kunst zur Schau.

Bevor ein neues Regentief
den Sommer grau erscheinen lässt,
erwacht der Vögel Sang, der schlief,
weil warm nun Sonne nach ihm rief
zu dieses Strahlentages Fest.

Ich sitz’ auf dem Balkon im Grünen,
genieße Kräuter-Blütenduft,
erschaue, wie Natur, die kühne,
sich licht enthüllt auf ihrer Bühne
und fühle froh die milde Luft.

© Ingrid Herta Drewing

Sommer

Die Federwolken,
weiß in den Himmel getuscht,
zarte Windspiele.

Oleanderduft,
rosafarbene Blüten,
des Südens Träume,
erwachen auf dem Balkon,
erhellen das Großstadtgrau.

Hoch auf dem Dache
Ringeltaubengeschwister
träumen vom Sommer.

© Ingrid Herta Drewing

Sommerfreude

Ein Morgen wie ein lieber Kuss,
den dir die Sonne sanft gegeben;
du fühlst es heute hier bewusst:
Erwacht ist es, dies’ Sommerleben!

Beginnst beschwingt nun deinen Tag,
als seien Flügel dir verliehen;
was gestern grau noch, eine Plag’,
das ist vergessen und verziehen.

Und du genießt der Sonne Strahlen,
die milde Luft, das helle Licht.
Neu hoffst du; Sommerträume malen
auch dir ein Lächeln ins Gesicht.

© Ingrid Herta Drewing

Sonnenhoffnung

Ein kühler, wilder Wind
treibt Regen vor sich her.
Zu schnell gekommen sind
die grauen Schatten schwer,
die sich nun einverleiben,
was sommers sollte bleiben
in einem Blütenmeer.

Die Furcht, es gehe Liebe
mit jenem Licht verloren,
doch hoffend, dass es bliebe,
dies’ Lied, das wir erkoren,
gemeinsam zärtlich sangen,
im Klange süß’ Verlangen
nach dem, was neu geboren.

Ich weiß, die Wolken weichen,
das Wetter wendet sich,
und Sonne wird erreichen,
was schon im Dunkel blich,
in goldner Wärme strahlen
und helle Tage malen
für dich und auch für mich.

© Ingrid Herta Drewing