Regenbogen

Was die Physik, die Optik kann erklären,
des Regenbogens helles Farbenspiel,
das wird durch Schönheit fraglos uns betören,
denn es vermag Gefühle zu beschwören,
die zärtlich finden unsrer Seele Ziel.

Der Farben Töne als Musik hier schwingen,
so trinkt sich auch das Auge suchend satt,
das winters noch im blassen Weiß der Dinge
die Kraft und Vielfalt, jenes bunte Singen,
ersehnte und nun vorgefunden hat.

Wen wundert es, die Bibel spricht vom Bund,
den Gott versöhnend zeigt im Regenbogen,
gespannt weit übern Himmel, zarter Fund,
ein Zeichen, Licht gesandt ins Erdenrund.
Der Mensch erschaut so, dass ihm Gott gewogen.

Profaner sieht dies wohl der Aberglaube,
und dennoch geht ’s dem Menschen auch um Glück;
ein Goldfund soll dem Armen das erlauben,
am Bogen-Ende mag er ihn aufklauben,
dort wo die Elfen halten ihn zurück.

Was auch der Mythen Bilder hier erfassen,
es zeigt die Freude, die uns auch berührt
durch diese Schönheit, die im Regenblassen
der Sonne Strahl hat hell erblühen lassen
und uns zur Farbenharmonie geführt.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,

Morgenandacht

Eintauchen
in Stille
noch vor Tagesbeginn.
Der Seele Raum geben,
Lichtatem.

© Foto u.Text: Ingrid Herta Drewing,
Wiesbaden, Nerotal

Die “ Griechische Kapelle“

(Russisch-Orthodoxe Kirche in Wiesbaden)

Noch mag die Stadt vom Sommer träumen.
Jedoch vor Himmels zartem Blau
lässt Sonne zwischen Tannenbäumen
erglänzen goldnen Kuppelbau.

Das Zeugnis einer großen Liebe,
die hier in hellem Licht besingt,
dass sie trotz bitt’ren Todes Trübe
auf ewig ihre Saiten schwingt.

Jelisaweta zu gedenken,
die achtzehnjährig schon verstarb,
als sie ihm wollt‘ ihr Kindchen schenken,
erbaut‘ der Herzog dieses Grab.

Dort auf dem Neroberg, erhaben,
erstrahlt Wiesbadens „ Taj Mahal“
und zeigt, dass reiner Liebe Gaben
bezwingen des Vergessens Wall.

© Foto u.Text: Ingrid Herta Drewing,

Schwalben

Unentwegt die Schwalben stieben,
fliegen munter ein und aus.
Unterm Dach die Jungen piepen,
gier’n nach Futter, das sie lieben,
strecken sich zum Nest heraus.

Und die Eltern, unermüdlich,
sind nun auf Insektenjagd,
wechseln sich da ab minütlich;
ihre Jungen tun sich gütlich
an dem Füttern, das behagt.

Bald schon sehen wir sie schweben,
gleiten über Feld und Au’.
Sommerwind wird Auftrieb geben,
und ihr junges Schwalbenleben
tanzt in Himmels lichtem Blau.

© Foto u.Text : Ingrid Herta Drewing

Herzkirschen

Es trägt der alte Kirschbaum hier
nach heller Frühlingsblüte
nun Früchte erster Güte.
Schon fliegen Stare ins Revier;
drum hol die Leiter, pflücken wir,
was reif auch uns erblühte!

Zwei Kirschen baumeln dir am Ohr,
du lächelst süß verwegen.
Dies’ Bild möcht’ ich mir hegen:
Herzkirsche, die ich auserkor!
Beglückt schau ich zu dir empor
und träum’ vom Sommersegen.

© Text: ingrid Herta Drewing
© Foto: Pixabay

Blödelverse II

Karls Rettung

Die Welle wollte ihn
hinaus auf ’s Meer weit zieh’n
Doch da kam ein Delphin,
der spielend packte ihn.

Er trug ihn an den Strand.
Als Karl sich wieder fand,
lag er auf warmem Sand
mit Krabben in der Hand.

„Was ist das für ein Plunder?
Ich hatte doch ne Flunder,
bevor ich da ging unter.
Mir scheint, das ist ein Wunder.

Wer hat mich denn gerettet?“,
fragt Karl sich, fast geplättet.
„ Ich hätt‘ auf ihn gewettet,
dort den Delphin, der jettet!“

„Hab Dank!“, nun laut erklang
sein froher Lobgesang.
Karl sah im Freudenschwang
den Sonnenuntergang.

© Foto u. Text: IHD, 03.06.20

Blödelverse

Karl Ranseier am Meer

Als Ransi Karl am Strand stand,
bei Ebbe genug Land fand,
macht ‚er vor Freud den Handstand,
lief so entlang den Sandstrand.

Wind nahm ihn auf die Schippe
und pfiff ihm durch ’s Gerippe.
So kam es dann zur Kippe
in Nähe einer Klippe.

Dort tosten Meer und Gischt,
der Karl fiel auf ’s Gesicht.
Das stört‘ ihn jedoch nicht,
er hat dann flugs gefischt.

Mit Knochenfingern munter
fing er sich eine Flunder
und aß sie auf wie Plunder-
Gebäck; dann ging er unter.

© Ingrid Herta Drewing,02.06.20

Im Hof

Das stabile Rohr
durch den Kiwi-Stamm erdrückt,
Falsche Umarmung

Unterm Blätterdach
baumeln des Kiwis Blüten,
Frühlings-Laternchen.
© Fotos u. Text: Ingrid Herta Drewing,

Pfingstmontag

Es schwand die Nacht, ein neuer Tag erwacht;
im lichten Frühlingsglanz will Welt erstrahlen.
All überall ein grünend, blühend Malen,
zum Fest entfaltet die Natur hier Pracht.

Da scheint die Sorge, Pandemie vergessen,
im Park schlägt Rad, stolziert sogar der Pfau;
der Schwalben Schweben in des Himmels Blau
lässt uns des Lebens Leichtigkeit ermessen.

Und dennoch jener Misston leis‘ eindringt,
im Hintergrund des Lächelns dunkel schwingt,
als würd‘ das Virus mit den Nornen raunen.

Jedoch vom Dom die Glocke hell erklingt,
gleichsam des Pfingstfests frohe Botschaft bringt.
Die Liebe Gottes siegt und lässt uns staunen.

© Foto u.Text: Ingrid Herta Drewing,01.06.20

Pfingstgedanken

Nicht Mauer sein, nicht Wall, der alles trennt,
die Tür sein, die in Freiheit, Weite führt,
die Brücke, die verbindet, was getrennt,
ein Mensch sein, den die Nächstenliebe rührt.

Nicht Feuer sein, im Wahn die Welt zerstörend;
doch Frühlingsregen, der die Erde netzt,
sie hegend, auf des Lebens Stimme hörend,
der Sonne gleich, die sie ins Blühen setzt.

Mit wachen Augen durch das Leben gehen
und Fehler nicht nur bei den Andern sehen,
von Eitelkeit geblendet und gehemmt.

Sich nicht im Starrsinn dumpf ums Ego drehen,
versuchen, andre Menschen zu verstehen,
erscheinen sie zunächst auch noch so fremd.

© Foto u.Text: Ingrid Herta Drewing