Liebeskummer

Es ist ganz traurig Valentin,
denn seine Valentine
beachtet ihn nicht, weil sie ihn
jüngst flirten sah mit Ann-Katrin,
der üppigen Blondine.

Er pflückt ihr einen Rosenstrauß,
will sie damit versöhnen.
Doch sie sieht ihn und nimmt Reißaus,
verschließt die Tür zu ihrem Haus,
glaubt nicht den Reue-Tönen.

Nun schreibt im Brief er ein Gedicht,
gesteht, dass er sie liebe,
sie sei sein Stern, sein Sonnenlicht
und nur sie zähle, andre nicht,
für sie sein Herz nur bliebe.

Sie traut den süßen Worten nicht,
und fragt nach seiner Treue.
Er habe, so sei der Bericht,
mehrfach missachtet diese Pflicht,
ob es ihn wirklich reue?

Bedenk’ dein Wort, oh Valentin,
dies’ eifersüchtig’ Wesen
hat’s dir noch lange nicht verzieh’n!
Da musst du dich noch mehr bemüh’n,
bevor ihr Leid genesen!

© Ingrid Herta Drewing

Valentin und Valentine

Als Valentin und Valentine
sich einstmals trafen auf der Flucht
( In einem Hain für Apfelsinen
hatten sie Früchte ausgesucht
und nicht bezahlt, so unbetucht),
da standen sie einander bei.

Verfolger machten groß’ Geschrei,
doch bald schon gingen sie zurück,
die Suche war ein Missgeschick
sie fanden, dämlich, beide nicht.
Die standen nämlich dicht an dicht
im Keller an die Wand gepresst.

Und wie sich leicht vermuten lässt,
war es in diesem Keller kalt.
Das Haus stand leer, es war schon alt.
Der Valentin, ganz Kavalier,
sagt’ Valentine, sie nicht frier’,
wenn sie sich flücht’ in seine Arm’.

Sie tat ’s, den beiden wurde warm
und da sie nun so nahe standen,
die Lippen sich zum Kusse fanden.
Schwupps war ein Apfelsinendieb
nun glühend ins Pendant verliebt.

Die beiden lebten bald als Paar,
wen wundert’s, in Valencia,
verkauften Saft aus Apfelsinen
als Liebestrank der Valentine.

© Ingrid Herta Drewing

Valentinstag

Erfreut sind nicht nur die Floristen
am Tag des heil’gen Valentin,
auch Handel mit den Süßgelüsten,
sieht hoffnungsfroh den Umsatz blüh’n.

Denn es heißt Liebesgesten zeigen,
Rot-Rosenstrauß gilt als beliebt.
Symbolisch spricht er: „Sei mein eigen,
ich bin so froh, dass es dich gibt!“

Obwohl, weil zeitlos ist die Liebe,
sie leuchten darf an allen Tagen,
erwarten viele, dass man übe,
dies durch solch’ Zeichen schön zu sagen.

© Ingrid Herta Drewing,2016

Schlaflos

Und schlaflos liegst du da zur Nacht,
denn unaufhörlich die Gedanken
bestürmen dich, und ihre Macht
verhindert, dass sich Träume sacht
in Morpheus Armen um dich ranken.

Erheb‘ dich, mach‘ die Nacht zum Tag,
befreie dich von den Chimären,
die dich bedrängen Frag‘ um Frag‘,
beginn‘ zu schreiben; fern der Plag‘
lass‘ leichthin Worte nun gewähren!

Sie finden sich in Vers und Reim,
verweben Bilder mit dem Klang,
als sei erwacht ein grüner Keim,
dich führend in ein neu‘ Daheim,
und Leben singt den Lobgesang.

© Ingrid Herta Drewing,2016

Schneeglöckchen

Der Frühling sein Geheimnis lupft,
schon spitzt es grünend aus dem Schnee.
Das Blüten-Röckchen glatt gezupft
und elfenhaft, zart hingetupft,
so sprießt Schneeglöckchen in die Höh’.

Und auch am Fuß der alten Eiche
zeigt es sich blühend in der Schar.
Das welke Blätterbild hier weiche
und Frühlings Kraft nun auch erreiche
ein neues Leben, hell und klar!

© Ingrid Herta Drewing,2016

Verirrt

Seltsam real ist’s oft, wovon wir träumen.
Wir sind an Orten, auch in fremdem Land;
auch wenn nur Name oder Bild bekannt,
entführt’s uns magisch dann in seine Räume.

So ging im Traum ich heut‘ in Köln spazieren,
zum Rosenmontagszug schnell hin gereist.
Die Narren durften durch die Stadt marschieren.
In Mainz lag wegen Sturm der Zug auf Eis.

Obwohl die Sonne schien, wollt‘ ich nach Haus,
und suchte nach dem Bahnhof, fand ihn nicht.
Kein Mensch, den ich gefragt, kannte sich aus,
bedauerte mit fröhlichem Gesicht.

Es kam mir vor wie eine Odyssee,
ich irrte lang umher in Straßen, Gassen,
sah Kostümierte in der Rheinallee,
sich munter tanzend an den Händen fassen.

Viel bunte Schiffe fuhren auf dem Rhein,
von fern sah ich den Dom mit seinen Türmen.
Smaragdgrün war der Fluss, wie konnt‘ das sein ?
Und dann begann’s zu regnen und zu stürmen.

Doch, kurz bevor Verzweiflung mich befiel,
verging der Traum, erleichtert wacht‘ ich auf.
Ich war zu Haus. Vorbei das irre Spiel!
Und heiter nahm der Tag dann seinen Lauf.

© Ingrid Herta Drewing,2016

Straßen-Fastnacht

Herr Jokus kommt heut‘ grau verkleidet
mit reichlich Regen im Gepäck.
So manchem er den Tag verleidet
trotz Fastnachtszug und muntrem Jeck‘.

Es fehlt der Schnee; kein sanftes Rieseln,
kein Sonnenschein, kein Himmelblau,
statt dessen Trübe, kaltes Nieseln
verschleiern hier die schöne Schau.

Da mag das Schunkeln wohl erwärmen,
die Regenhaut schirmt das Kostüm
der Narren, die auf Straßen schwärmen,
verlachend Sturmes Ungestüm.

Sie lassen sich durch nichts verdrießen.
Es ist die fünfte Jahreszeit
für sie stets Anlass zu genießen
die närrische Geselligkeit.

© Ingrid Herta Drewing,2016

Frühlingshauch im Februar

Ein Frühlingshauch liegt auf der Stadt,
Blauhimmel und die Lüfte schwingen.
Kein Schneerest mehr im Park, es hat
die Wiese Grün hervorzubringen.

Nilgänse watscheln hin zum Teich,
der nun vom Eise ist befreit.
Die Weiden wachsen, Knospen reich,
zum Frühlingsblühen schon bereit.

Am Warmen Damm spazier‘ ich hier,
der Sonne Licht wärmt Seele, Sinn.
Die Zaubernuss in Blütenzier
lässt schwinden Winters Frust dahin.

© Ingrid Herta Drewing

Frühlingshauch

Noch weilt der Winter auf den Höhen
der nahen Berge, lässt den Schnee
gefestigt dort als Firn bestehen;
Frost stärkt die Eishaut auf dem See.

Doch schon im Tale, weit und eben,
das Grün der Wiesen schön besticht,
und Knospen frühlingszart erbeben,
sich wenden hin zum Sonnenlicht.

Die Zaubernuss zeigt ihre Blüten,
Schneeglöckchen mischen sich ins Bild
der Gärten, die geschützt hier hüten,
was Lenz als Boten schickte mild.

Auch darfst du hin und wieder hören
der Amsel lieblich‘ helles Lied.
Das mag die Sinne dir betören,
dringt freudenfroh in dein Gemüt.

© Ingrid Herta Drewing,2016

Frühjahrsdiät

Jetzt weilt der Frühling nicht nur in den Träumen.
Des Südens milde Luft schließt zu uns auf;
auch schwellen Knospen hier an Busch und Bäumen.
Frühblüher bietet man schon an zum Kauf.

Jedoch erstaunt es mich, dass Osterhasen
bereits im Supermarkt steh’n im Regal,
denn mancherorts liegt Schnee noch auf dem Rasen,
und Narren feiern munter Karneval.

Als gelte es das Fasten aushebeln,
lockt nicht nur das gewohnte Sortiment,
um uns mit Süßigkeiten zu vernebeln,
wie schwer der Körper sich von Pfunden trennt.

Und dennoch mahnt mich die Erfolgs-Diät,
relativiert, was so im Einkaufswagen
gelandet ist; und ich entscheide spät,
bewusst dem ganzen Süßkram zu entsagen.

© Ingrid Herta Drewing,2016