Ver-rückte Jahreszeiten

Kein Winter war, ein Frühling ist
zartmatt zu uns ins Tal gekommen.
Die Sonne rar, des Nebels Frist,
das Grau,es ward noch nicht genommen.

Da fehlt dir klar das helle Licht
und mit ihm deutlich die Konturen.
Verwischt, was wahr;es zeigt sich nicht
der grüne Glanz auf Wäldern, Fluren.

Verkümmert zarte Blümchen schauen
hier aus des Vorjahrs welkem Laub.
Dem Frühling schenke kein Vertrauen,
an Winters Spielchen da noch glaub‘!

Befürchte gar, dass er im März
sich meldet kalt mit Frost und Schnee
und Lenzes Schar als bösen Scherz
erklärt, sie sei nun längst passe´.

Ist ’s Klimawandel, der bewirkt
dies‘ Jahreszeiten-Einerlei?
Hat unser Handeln hier verwirkt
des Winters klares Konterfei?

Wir sollten jedenfalls bedenken,
dass wir vernünftig walten nun,
nicht schädlich noch durch unser Lenken
dem Wetter-Wirrwarr Vorschub tun!

© Ingrid Herta Drewing,2014

Frühlingshoffnung

Ein zartes Schimmern,dort die Morgenröte!
Am Horizont erwacht ein neuer Tag
und weckt den Wunsch, die Jahreszeit nun böte
ein klares Bild, das freundlich, auch behag‘.

Zu lange lag im Nebel unsre Welt;
Gesang und Farbentöne fast verklungen,
als habe wer die Sonne abbestellt,
da kaum ein Strahlen zu uns durchgedrungen.

Doch nun erwacht im Licht erneut dies‘ Hoffen,
dass mit dem Nebel Traurigkeit entfliehe,
die Türen, Fenster lüden, wieder offen,
den Frühling ein, der hell und mild einziehe.

Und lieblich in der Blüten leichtem Kleid
beglücke uns Natur, halt‘ Freude hier bereit.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Frühlingsahnen

Es heben sich die Tulpen-Spitzen
grün aus der Erde braunem Grund;
und über Asphalts Winterritzen
des Löwenzahnes Sternenrund.

Das drängt nun alles hin zum Licht
sucht nach des Frühlings milder Süße.
Im Park versammelt, dicht an dicht,
der Krokusgrüppchen zarte Grüße.

Die Amsel singt hell voller Lust
hier lieblich ihre Flötenlieder;
und auch von dir weicht Frostes Frust,
kommt endlich doch der Frühling wieder.

© Ingrid Herta Drewing

Unzeitgemäß

Schon zeigen sich des Haselbaumes Kätzchen,
obwohl Kalender noch von Winter spricht.
Doch fehlen zum Bestäuben jene Schätzchen,
die Bienen; ihnen schmeckt das Wetter nicht.

Sie träumen noch bei ihren Honigwaben
von Licht und Wärme, milder Frühlingszeit,
wenn Bäume,Wiesen ihrer Blüten Gaben,
den Nektar, für sie halten auch bereit.

Und wir um Weihnachts-Winterschnee betrogen,
befürchten, dass im März die kalte Macht,
der Blütenpracht, mal wieder nicht gewogen,
ein frostig Schneekleid wirkt in dunkler Nacht.

© Ingrid Herta Drewing

Winter-Fastnacht

Fast schon vorbei der Januar;
wie schnell die Zeit entflieht!
Es zeigt hier bald der Februar
sein närrisches Gemüt.

Der Narren fünfte Jahreszeit
ist jetzt schon voll im Schwange.
Der Winter trägt sein Schneemann-Kleid
und lässt den Frühling bangen.

Der hatte sich jüngst sanft gerührt,
ließ gar die Knospen schwellen.
Nun wird er grob zurückgeführt,
der Kälte Hunde bellen.

Noch zeigt der Winter hier im Land
sein eisig‘ Regiment,
behält es bleich und kalt als Pfand
mit frostigem Talent.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Sonnensehnsucht

Ich mag sie nicht,die grauen Wintertage,
die immerzu so neblig,trübe sind.
Mir fehlt des blauen Himmels Lustansage
und Sonnengold, das in die Seele rinnt.

Die Farben, deren Leuchten ein Erwachen
des Lebens schenken, nicht nur vagen Traum,
die Weite, Licht erfüllt, der Kinder Lachen,
die munter spielen, klettern auf den Baum.

Ich lob den Tag mir, der, beschwingt von Leben,
sich lieblich hier als Augenweide zeigt,
die frühen Vögel, die auf Dächer schweben
und singen, wenn die Sonne strahlend steigt.

Noch heißt es wohl, zu darben und zu warten
auf Frühlings zartes Lächeln hier im Garten.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Frühlingstraum

Barfüßig tanzen
auf grüner Morgenwiese,
kühl den Tau spüren.

Den Südwind fühlen,
der mir mild die Wange streift,
des Frühlings Schwingen.

Und nasenselig
folgen in ein Blütenreich,
Mimosendüfte.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Wetterwende

Es hat der Frost heut‘ über Nacht
viel Schönes uns genommen:
Die Zaubernuss in Blütenpracht,
zu früh war hier der Traum erwacht,
der Frühling sei gekommen.

Da hatten doch so munter schon
die Vögelchen gesungen.
Jetzt sagt der Elster keckernd‘ Droh’n,
der Krähenschwester krächzend‘ Ton,
das Lenzlied sei verklungen.

Das Bächlein, das hell glucksend klang,
fließt langsam, fast verloren.
Die Gräser sind des Raureifs Fang
und sirren mit des Windes Sang
am Teich, der zugefroren.

Ja Winter schreibt nun seine Zeit
nicht nur in den Kalender;
es fällt der Schnee, und weit und breit
trägt alles bald ein weißes Kleid,
gekappt des Frühlings Bänder.

© Ingrid Herta Drewing

Dezember im Kurpark

Das Jahr, grau verhüllt,
tröpfelt müd in sein Ende,
spätherbstgesichtig.

Nebelnass der Park
in kahlen Bäumen thronen
Rabenkrähen, stumm.

Doch hin und wieder
stieben Halsbandsittiche
frühlingsgrün vorbei.

© Ingrid Herta Drewing,2013

Winter-Sonnenwende

Noch stellt der Spätherbst hier die Uhren,
und Regen, Nebel, Sonnenschein
verwischen kurzen Frostes Spuren;
sie pendeln grau und feucht sich ein.

Da zeigen Tulpen grüne Spitzen,
als sei ihr Frühling schon erwacht;
doch Tannenbäume, Lichter blitzen,
Adventszeit zeigt auf Weihnacht sacht.

Und bald erscheint zur Sonnenwende
der Winter hier in hellem Kleid,
schenkt weiße Weihnacht, dass auch ende
des grauen, trüben Nebels Zeit.

Dann darf der Tag so klar erstrahlen,
der Himmel blau, das Sonnenlicht
und Schneekristalle glitzern, malen
ihm Diamanten ins Gesicht.

© Ingrid Herta Drewing,2013