Sehnsucht

Der Duft der Rosen
dringt lieblich in mein Zimmer.
Sommernachtsträume
schweben auf sanften Flügeln
über die Mauer zu dir.

© Ingrid Herta Drewing,2013

Herbstnähe

Schon flüstert hier von Herbst ein kühler Morgen,
das Liebeslied der Amsel ist verklungen.
Doch Rosen blühen noch, und unverborgen
ist auch ihr süßer Duft zu mir gedrungen.

Die Krähen, die dort auf den Dächern krächzen,
erinnern uns bereits an Herbstes Lauf.
Noch ist August, man darf nach Sonne lechzen,
die auch vor Mittag trumpft hell strahlend auf.

Geraume Zeit wird hier wohl Sommer weilen
und breiten mild und warm die Arme aus.
Gereift wird er des Lebens Früchte teilen,
im Licht beschenken unser kleines Haus.

Dann mögen Herbst und kühle Nächte nahen;
wir hegen froh die Bilder, die wir sahen.

© Ingrid Herta Drewing,2013

Festhalten

Wir
– Kriegskinder –
können
nur schwer
uns lösen
von Dingen,
Erinnerungen.

Entbehrungen
lehren,
sparsam zu sein.
Nichts
weg werfen können;
fast stummer Zwang
die Devise:
aus Alt mach Neu!

Die bunten Flicken
im Patchwork-Kleid
meines Lebens,
die dunklen, die hellen,
miteinander verwoben,
ein farbiges Bild.

© Ingrid Herta Drewing,2013

Nostalgisch

Suche nach Spuren
der vergangenen Jahre,
Erinnerungen.

Still, geheimnisvoll
das einsame, alte Haus.
Kindheitsgeflüster.

© Ingrid Herta Drewing,2013

Verfrüht

Noch harrt in Häusern
träge Hochsommerschwüle.
Im Freien ist’s frisch.

Sommerausverkauf!
In die Läden schleicht schon Herbst,
Mode bewusst.

© Ingrid Herta Drewing,2013

Vanitas

Blauregen wirft die Ranken in den Wind,
die Mauer suchend, um sich festzuhalten.
Ob diese Pflanzen doch auch Wesen sind,
viel stiller nur und duldsam im Gestalten?

Vom Werden,Wachsen alles ist durchdrungen
und findet welk auch wieder in den Tod,
nachdem es hell sein Lied im Licht gesungen,
Ergrünen, Blühen, Reifen das Gebot.

Wir, unsren Wurzeln,wie es scheint,entronnen,
wir fühlen hier in dieser Welt uns frei,
da wir mit “ unsrer Schöpfung” selbst begonnen
ein neues Paradies, das irdisch sei.

Jedoch auch unser schönstes Morgenrot
besiegelt hier auf Erden doch der Tod.

© Ingrid Herta Drewing,2013

Tagen

Es ging die Nacht, die Nebel schwanden;
auch löste sich der letzte Traum.
Noch streift erinnernd dich sein Saum,
und Bilder, die die Seele fanden,
begleiten dich in deinen Raum.

Doch aus der Dämm’rung fahlem Grau
schlüpft sonnig hell ein neues Tagen.
Im Licht erwacht des Lebens Sagen;
der Morgen lockt mit frischem Blau
in Sommers wohliges Behagen.

© Ingrid Herta Drewing,2013

Abend

Kein Schorf, die Wunden lange schon verheilt;
auch wenn die Narben manchmal etwas schmerzen.
Inzwischen hat so vieles dich ereilt,
doch böse Tage nahmst du hin im Scherzen.

Nach vorn hast du wohl stets den Blick gerichtet
und heiter deines Tages Spiel begonnen,
was sich ereignet‘, ernsthaft, klar gesichtet.
Kein Augenblick schien ungenutzt verronnen.

Nun liebst du hier beschaulich dieses Leben;
die Jagd vorbei, der Hunger ist gestillt,
kein Gipfelstürmen, dieses Land liegt eben.
Weit reicht der Blick,wenn Blau den Himmel füllt.

Sanft gleitet hin zur Sonne nun dein Boot,
und träumend ruht das Meer im Abendrot.

© Ingrid Herta Drewing,2013

37 Grad im Schatten

Von heißen Nächten mag so mancher träumen;
doch diese Hitze keinem wohl gefällt.
Hartnäckig hält sich Schwüle in den Räumen,
und so hat Schlaf sich auch nicht eingestellt.

Da blinzelt man noch müde in den Morgen,
beschwingt hier nur das Thermometer klettert.
Ich würd‘ mir gerne ein paar Wolken borgen
und hören, wie der Regen prasselnd brettert.

Ich mag den Sommer, aber dies‘ Extreme,
das sich zunehmend hier ins Klima schleicht,
das ist nicht mehr das milde Angenehme,
womit man ’s Sommerleben gern vergleicht.

Doch machtlos kann ich nur auf Regen warten,
der auch die Blumen netzt in meinem Garten.

© Ingrid Herta Drewing,2013

Augenblick

Im Lichtfilter der Blicke
verfing sich ein Augenblick,
veränderte mein Leben.

Harmoniesüchtig,
die Dissonanzen meidend,
streichelnd das Klavier,
höre ich die Melodie
und versinke
träumend
in Moll.

© Ingrid Herta Drewing,2013