Hitzezeit

Die zarten Cirrusweben, die dort schweben,
ein Hauch im hellen Sommerhimmelblau,
versprechen uns, es könnt‘ bald Regen geben,
und endlich sei vorbei der Hitze Stau.

Die heiße Luft aus fernem Afrika,
die hier in unsre Zone eingedrungen,
zeigt Klimaphänomene, die nun nah
auch unser Leben prägen, kurz bezwungen.

Bewunderung für jene Menschen wächst,
die immer diese Hitze dort ertragen.
Ermüdet man hier schon nach Kühlung lechzt,
obwohl dies‘ Wetter herrscht kaum vierzehn Tage.

Doch pendelt sich der Klimawandel ein,
wird ’s hier so heiß für lange Zeiten sein.

© Ingrid Herta Drewing

Gegen Hitze

Die Hitze hält sich, scheint uns auszubrüten.
Ich trau‘ mich in der Früh‘ nur aus dem Haus,
um mittags meine Wohnung dann zu hüten,
obwohl auch sie schon wird zum Sauna-Graus.

Drum kauf‘ ich mir ’nen großen Ventilator
und stell ihn mitten in mein Zimmer rein.
So trotz‘ ich diesem Hitze-Terminator,
der mir vergällen möcht‘ dies‘ Sommer-Sein.

Mental werd‘ ich mit Filmen mich erfrischen,
blick‘ auf der Pole Eis, ein Gletschermeer,
und bei “ Day after…” lass‘ ich’s kräftig zischen,
ein gut gekühltes Wässerchen muss her!

Und ab und zu werd‘ ich ins Bad noch huschen,
um mich ausgiebig kühl dort abzuduschen.

© Ingrid Herta Drewing

Sommermorgen-Idylle

Die Ringeltauben gurren im Duett;
ein Sommermorgen hebt die lichten Flügel,
und strahlend aus der Wolken weißem Bett
lugt lächelnd nun die Sonne übern Hügel.

Ein neuer Tag schlägt seine Saiten an.
Das Leben regt sich und beginnt zu schwingen;
und jeder Vogel, der noch singen kann,
lässt schallend hell sein kleines Lied erklingen.

Vom Flusse her weht eine frische Brise,
vertreibt die Schwüle, macht die Luft so lind,
und barfuß auf der Wiese tanzt Luise,
spielt mit Mariechen, ihrem ersten Kind.

Als ob er selbst sich einen Wunsch erfülle,
hält fest der Maler die Idylle.

© Ingrid Herta Drewing

Fuchs und Luchs am Buchsbaum

(eine Fabel in Limerick-Form)

Jan Rosti, ein ganz schlauer Fuchs,
einst wettete mit Eitel Luchs,
behauptet‘, sein Auge
als besseres tauge,
könnt‘ schätzen Blattanzahl des Buchs.

Dem Sieger gehöre die Gans,
die Eitel gefangen mit Glanz,
sie vereinbarten’s; Fuchs
zeigte listig den Buchs,
vollführte im Geist schon ’nen Tanz.

Er nannte als Zahl Zwanzigtausend.
Luchs zählte die Blätter, sich grausend.
Fuchs schlich ohne ein Wort
mit der Gans heimlich fort,
genüsslich die Beute dann schmausend.

Drum nimm dich vor Füchsen in Acht!
Sei da auch auf List stets bedacht!
Lass dich nicht verleiten,
in Wetten zu streiten,
sonst wirst du am Ende verlacht!

© Ingrid Herta Drewing

Schlaflos

Die Hitze und der Mond,
sie raubten mir den Schlaf.
Beim hundertzwölften Schaf
kam er nicht, wie gewohnt,
und ich musst‘ warten brav.

Ging raus auf den Balkon.
Es herrschte Tropennacht,
des Mondes Silberpracht
bezauberte mich schon
mit ihrem Leuchten sacht.

Er lugte voll und rund
dort zwischen Wolken raus,
hoch überm Nachbarhaus
und gab da glänzend kund,
dass er sich kenne aus.

So habe ich den Rest der Nacht
in seinem Lichte still gewacht.

© Ingrid Herta Drewing

Heiße Wochen

Glühende Sonne,
man möcht‘ im Kühlschrank wohnen,
flieht das Himmelslicht.

Regen, jetzt ersehnt,
lässt lange auf sich warten.
Wetterextreme.

Doch der Abendwind
strömt vom Bergwald in das Tal,
mildert die Hitze.

© Ingrid Herta Drewing

Tierische Limericks

Ein Hippo, sehr modebewusst,
zum Shoppen stieg jüngst aus dem Fluss,
wollt‘ kaufen sich Kleider,
doch fand ’s keine, leider.
Jetzt frisst es zu viel wegen Frust.

Ein flotter Läufer, Herr Hase,
trug stets sehr hoch seine Nase,
bis er, selbst vergessen,
begann einzunässen.
Er war zu schwach auf der Blase.

Die Ente, die gerne noch gestern
am Teiche getratscht mit den Schwestern,
war dann doch verdutzt
als ihr Ruf beschmutzt.
Nun lässt sie doch lieber das Lästern.

© Ingrid Herta Drewing

Wunschtraum

Wär’ Liebe reicher Regen,
wie gerne würd’ ich nass
und füllte Fass für Fass
zu aller Menschen Segen,
Glück ohne Unterlass.

Wär’ Liebe eine Rose,
ich pflückte sie vom Strauch,
ihr Duft, ein sanfter Hauch
würd’ zärtlich dich liebkosen,
ich schenkte sie dir auch.

Wär’ Liebe Geigenklang,
ein wildes Sehnsuchtslied,
das in der Seele glüht,
ich folgte dem Gesang,
der mich zu dir hin zieht.

Wär’ Liebe eine Welle,
sie trüge mich zu dir,
wie ich’s erträume mir:
In ihrem Meer, dem hellen,
wir fänden unser Wir.

© Ingrid Herta Drewing

Schwebe

Hoch in die Lüfte sich erheben,
so sanft im blauen Himmel schweben
wie diese Taube, die der Aufwind trägt;
in Leichtigkeit sich neu erleben,
vergessen, was ein Mensch, stets sorgend, wägt.

Beim Segelflug und Gleitschirm-Fliegen
mag mancher sich im Blauen wiegen,
ermöglicht durch die Technik; kurze Zeit
scheint er die Schwerkraft zu besiegen
und fühlen, seine Flügel tragen weit.

Jedoch gebunden hält die Erde
uns fest mit unsrem “ stirb und werde”.
Wir sind für langes Fliegen nicht gemacht.
Denn dort im Schutz der Menschen-Herde,
da wohnen wir behaust und gut bedacht.

© Ingrid Herta Drewing, 2013

Verfrüht

Noch harrt in Häusern
träge Hochsommerschwüle.
Die Sonne, sie sticht.

Sommerausverkauf!
In die Läden schleicht schon Herbst,
Mode bewusst.

© Ingrid Herta Drewing, 2013