Schwebe

Hoch in die Lüfte sich erheben,
so sanft im blauen Himmel schweben
wie diese Taube, die der Aufwind trägt;
in Leichtigkeit sich neu erleben,
vergessen, was ein Mensch, stets sorgend, wägt.

Beim Segelflug und Gleitschirm-Fliegen
mag mancher sich im Blauen wiegen,
ermöglicht durch die Technik; kurze Zeit
scheint er die Schwerkraft zu besiegen
und fühlen, seine Flügel tragen weit.

Jedoch gebunden hält die Erde
uns fest mit unsrem “ stirb und werde”.
Wir sind für langes Fliegen nicht gemacht.
Denn dort im Schutz der Menschen-Herde,
da wohnen wir behaust und gut bedacht.

© Ingrid Herta Drewing, 2013

Verfrüht

Noch harrt in Häusern
träge Hochsommerschwüle.
Die Sonne, sie sticht.

Sommerausverkauf!
In die Läden schleicht schon Herbst,
Mode bewusst.

© Ingrid Herta Drewing, 2013

Tagesbeginn

Es stimmt die Amsel an ihr Sonnenlied;
ein heller Sommermorgen ist erwacht,
und hoch in Himmels Blau im Tanze zieht
der Mauersegler Schar, dort schwebend sacht.

Das warme Sonnengold erreicht die Dächer.
Allmählich fließt’s herab, weckt Hausfassaden,
wo weit geöffnet Fenster sich auffächern,
um kühle Morgenfrische einzuladen.

Vom Licht gelockt, sitz‘ ich auf der Terrasse,
erlebe froh dies‘ stimmungsvolle Tagen,
genieße meinen Frühstückstee gelassen,
bevor ich mich befass‘ mit ernsten Fragen.

Und nehm‘ es in mich auf, dies‘ Sommerbild,
das mich beglückt, mit neuer Kraft erfüllt.

© Ingrid Herta Drewing, 2013

Sommermorgengeflüster

Ein Sommermorgen blinzelt ins Gelände.
Noch bergen sich die Vögel im Gefieder,
bevor sie munter ihre ersten Lieder
hoch in des Himmels blauen Äther senden.

Nun, da sich Nacht und Tag im Lichte scheiden,
des Abschieds Tränen, Tau ganz leise fällt,
erwacht aus tiefem Schlaf die kleine Welt,
um farbig sich im Sonnenschein zu kleiden.

Da jauchzt die Lerche, und der Blüten Düfte,
so auch dies‘ lieblich Lied im Lindenbaum,
der Hummeln, Immen süßer Honigtraum,
erfüllen nun die milden, warmen Lüfte.

Du, an des Tages Schwelle noch entrückt,
genießt die Gunst der Stunde hier beglückt.

© Ingrid Herta Drewing, 2013

Morgenandacht

Eintauchen
in Stille
noch vor Tagesbeginn.
Der Seele Raum geben,
Lichtatem.

Erwacht
im Sonnenschein,
die Welt begrüßen
mit Freude, in Güte;
Hoffnungslächeln.

© Ingrid Herta Drewing,2013

Frühsommerbild

Vogelschwärmerei.
Zum Kirschbaum
fliegen sie hin
und ernten dort reichlich.
Star-Allüren

© Ingrid Herta Drewing

Lob der Lyrik

Oh doch, du solltest singen, Kind!
Prosaisch graut zu oft das Leben,
in das wir hier gegeben sind.
Drum singe fröhlich, laut und lind,
lass glockenhell die Klänge schweben!

Fatal, zu glauben, Formen hätten
ihr klares Spiel in unsrer Zeit
verwirkt, weil sie des Menschen Stätte
in heile Bilder fälschlich retten,
wozu real sei nichts bereit.

Lass uns doch auch das Schöne sehen!
Dies’ Leben, Lobgesang im Licht,
lehrt die Natur uns zu verstehen;
sie liebt ’s gestaltend aufzugehen;
vielfältig schreibt sie ihr Gedicht.

Sie kennt der Rhythmen Macht, die Klänge,
verleiht dem Chaos noch Struktur.
Mit Phantasie sprengt sie die Enge,
verwechselt Formen nicht mit Zwängen
und folgt des Lebens lichter Spur.

So schenk’ dein Lied in Sinn und Sage,
in Bildern, Versen, Melodien,
das Schöne auch, nicht nur die Frage,
das Suchen, Streiten oder Klagen!
Ein Fundament sei ’s, das uns trage
auch in ein Reich der Harmonie!

© Ingrid Herta Drewing

Im Fokus des Wanderfalken

Ein junger Sommertag erstrahlt in Blau,
und hoch im Lichte, majestätisch leise,
zieht sanft der Wanderfalke seine Kreise,
bewacht hier schwebend sein Revier genau.

Der Taubenklan sitzt auf dem Schieferdach,
erspäht sie nicht, die drohende Gefahr,
fühlt sich im warmen Sonnenschein jetzt wach
und gurrt behaglich, putzt die Federn klar.

Der Ortungsschrei, der Mauersegler Sirren,
die rasend jagen durch die Häuserschlucht,
Insekten fangend, die da auf der Flucht,
kann sie dort auf dem Dachfirst nicht beirren.

So wähnt in Sicherheit sich manches Wesen,
und dennoch hat ’s der Tod schon auserlesen.

© Ingrid Herta Drewing,2013

Alpenland

Noch lassen gletschergrüne Flüsse
den Träumen Raum; am Bergeshang
Almrosen blühen trotz der Güsse
der Regentage sommerlang.

Weiß-blau der Himmel klar beschirmt
das Alpenland in seiner Pracht,
wenn auch mal Hagelwetter stürmt,
mit Blitzen Donner grollend lacht.

Schon bald Schönwetterwolken ziehen
weithin dort über Berg und Tal,
und in der Höfe Gärten blühen
die Sonnenblumen reich an Zahl.

© Ingrid Herta Drewing,2013

Auf dem Balkon

Der Juli ist gekommen,
des frühen Sommers Zeit;
was kühl noch war beklommen,
hat Wärme nun befreit.

Ein Zimmer hier im Freien,
das ist jetzt sehr gefragt,
wo Pflanzen grün gedeihen
und blühen Tag für Tag.

Ja, den Balkon ich hüte!
In frischer Luft und Licht
erfreut mich jeder Blüte
zart’‚ liebliches Gesicht.

Und muntrer Vögel Singen
erklingt in hellem Chor.
Die Melodien schwingen
sich himmelhoch empor.

Ich schau hinaus und träume
im Sommer, der so lind.
Die Wipfel alter Bäume
wiegt zärtlich leicht der Wind.

© Ingrid Herta Drewing,2013