Lichtgewinn

Jetzt schwindet mehr und mehr des Tages Licht,
und Spätherbst, launig, wirft die Nebelkerzen,
nimmt gräulich uns zuweilen fast die Sicht,
um heller Farben Schönheit auszumerzen.

Da mag so mancher still vom Süden träumen,
von heißer Sonne, Müßiggang am Strand,
von lauen Nächten und Orangenbäumen,
von Meereswellenglück und warmem Sand.

Jedoch, wir wissen, dass auch klare Tage
uns sonnig hier mit Winterweiß begrüßen;
drum können wir dies‘ Interim ertragen
und uns zu Haus‘ das Leben reich versüßen.

Der Zauber der Adventszeit bald beginnt,
und freudiges Erwarten Licht gewinnt.

© Ingrid Herta Drewing

Jugend

Der Jugend Träume, weit gespannt, gleich Sternen
erglänzen sie im Dunkel tiefer Nacht.
Man stört sich nicht, dass sie in weiten Fernen,
fühlt sich lebendig, stark; getan, gedacht.

Mit diesem leichten Sinn lockt uns das Leben,
wenn hoffend wir ins Ungewisse ziehen.
So mancher Kampf, auch viel vergeblich’ Streben,
es schreckt uns nicht, wenn jugendfroh wir glühen.

Und in dem Glauben an die guten Mächte,
die uns trotz allem auf dem Weg begleiten,
sind wir gestärkt und finden auch das Rechte,
das zu uns passt, sind nicht zu wirr die Zeiten.

Denn, wenn die Not das Leben überschattet,
der Tod uns droht, oft Zuversicht ermattet.

© Ingrid Herta Drewing

Ausgewogen

Hier trudeln Blätter, schweben sanft zu Boden;
die Bäume rüsten sich zur Winterszeit,
derweil im Lande unsrer Antipoden
der Sommer Einzug hält im grünen Kleid.

Die Erde ,schräg gestellt auf ihrer Bahn
um unsre Sonne, sich in Schwebe hält;
wenn Nordhalbkugel sieht das Dunkel nah’n,
die Südhalbkugel sich im Licht gefällt.

So sind zu gleicher Zeit auf dieser Welt
auch Frühling,Herbst und heiß und kalt zugegen.
Natur im Gleichmaß hier die Waage hält,
so sollte auch der Mensch das Leben hegen.

Im Einklang mit dem Kosmos sich zu finden
und von Chaotischem sich ganz entbinden.

© Ingrid Herta Drewing

Novemberblues II

Spätherbst,
unterbelichtete Tage.
Die kahlen Bäume
dümpeln im Nebel dahin,
Novemberblues

© Ingrid Herta Drewing

November III

Der Spätherbst meldet sich ,das erste Weh;
der Körper mault, mag Nebel, Kälte hassen;
auch liegt schon auf den nahen Hügeln Schnee,
ein rauer Wind zieht pfeifend durch die Gassen.

Wie Blätter Sommerträume weggeweht.
Nun heißt es,sich zu Hause einzurichten.
Die Pflanzenbank am Fenster wird gehegt.
Es will der Blick noch gerne Grünes sichten.

Wer ’nen Kamin hat, kann sich wohlig wärmen,
schätzt die Gemütlichkeit bei Kerzenlicht
und schaut versonnen, wie die Flammen schwärmen,
rückt nun,ein Höhlenmensch, zum Feuer dicht.

So widersteht er kalter Widrigkeit
und kann gelassen sehen Winters Zeit.

© Ingrid Herta Drewing

Novembertage

Es sind des Herbstes goldne Feuer wieder
erloschen,Tage tragen Nebelgrau.
Der Bäume hell entflammte Farbenlieder
verklangen; kahle,schwarze Regenschau.

Der Kinder Drachen, die am Himmel schwebten,
sie liegen in der Ecke; auch der Glanz
der Rosskastanien schwindet;fest geklebte
Figuren bleiben noch trotz Trocknen ganz.

Nun naht die Zeit der langen Abendstunden,
da trifft man sich gern zum Gesellschaftsspiel.
Wer einsam ist, wem fehlt die frohe Runde,
der findet medial zu seinem Ziel.

Vielleicht erreicht er in des Netzes Foren
nette Bekannte,manchmal off’ne Ohren.

© Ingrid Herta Drewing

Kraniche I

Es zogen Kraniche nach Süden,
und träumend folgtest du dem Zug
mit einem Blick, der nimmermüde,
viel Fernweh, Sehnsucht in sich trug.

Du sahst vor dir die Palmenhaine,
den wilden Fels’ am blauen Meer
und auch am Hang versteckt das kleine,
weiß strahlend’, schöne Haus, so hehr.

Zu gerne wärst du mitgezogen,
wärst du nur wie ein Vogel, frei!
Bist in Gedanken fort geflogen,
entflohst kurz grauem Einerlei.

© Ingrid Herta Drewing, 2009

Herbst-Hoffnung

Die letzten Astern noch im Garten,
fast zaghaft blickt ihr Sterngesicht
in Spätherbsttrübe noch als Licht.
Es lässt die Sonne auf sich warten.

Rundum die Bäume stehen kahl;
der Blätter Zierde, ausgeträumt,
jetzt welk den Stamm am Boden säumt.
Was einstmals grünte, wirkt nun fahl.

Da wird auch dir schwer das Gemüt,
als sei dein Leben mit betroffen;
jedoch dein Wissen nährt das Hoffen,
dass alles wieder neu erblüht.

© Ingrid Herta Drewing

Kraniche

Hoch in den Himmel
schreibt sich der Kraniche Zug
für eine Weile.
Ihre Abschiedsgesänge
klingen noch lange Zeit nach.

© Ingrid Herta Drewing (21.10.12)

Auf der Autobahn im Spätherbst

Der Birken Blattgold, seidige Standarten,
dort leuchtend hell am Rande, Perlenschnur,
sanft führend in der Dämmerung auf Fahrten
den Blick entlang der Autobahn als Spur.

Noch kündet hier ihr warmes Licht vom Leben
und hebt sich aus dem Dunkel klar heraus;
ein Sonnenlied darf sich im Herbst verweben
und klingt nach Norden hin allmählich aus.

Bevor bald Reif und Schnee das Winterkleid
bereiten hier in ihrer weißen Stille,
schenkt die Natur im Spätherbst noch zur Zeit
dem Auge das Gefühl von Farbenfülle.

Begleitet rhythmisch auch auf langer Fahrt,
weckt Wachsamkeit auf eine schöne Art.

© Ingrid Herta Drewing