Unwetter

Das Wetter spielt verrückt, so will’s mir scheinen.
Die USA erstarrt in Kälte, Schnee
auf Palmen, wo Subtropen sich vereinen,
herrscht nun Polarluft aus des Nordens Höh‘.

Bei uns ist’s milder, dennoch Stürme toben.
So aufgewühlt zerstört das Meer den Strand,
und Regenmassen stürzen sich von oben
herab, die Flüsse überfluten Land.

Das Wasser, das die Straßen, Keller flutet,
als braune Brühe löscht die Ufer aus
und sorgt dafür, dass man sich rettend sputet,
Geborgenheit herrscht so nicht mehr zu Haus.

Da heißt’s Land unter, doch kein Schiff darf fahren,
im Hafen liegen dicht an dicht sie fest.
Es wächst die Sehnsucht nach dem sonnenklaren
und hellen Morgen, der sie ziehen lässt.

Die Hoffnung, dass die fahlen, nassen Tage,
das Hochwasser in Bälde sind vorbei,
damit wir, unversehrt von jener Plage,
dem neuen Jahr begegnen wieder frei.

© Ingrid Herta Drewing, 2018

Sommerregen

Jeder Tropfen fällt als Segen
auf dies dürstend trockne Land.
Bäche, Flüsse trinken Regen,
dort, wo unlängst noch zugegen
nur Geröll und heißer Sand.

Pflanzen dürfen wieder grünen,
Früchte reifen, und es blüht
auf den Wald-und Wiesenbühnen,
wo Natur mag lächelnd sühnen,
was zuvor war fast verglüht.

Mit des Wassers Lebens-Tänzen
wirkt ein Zauber in der Welt.
Auch der See mag nun ergänzen,
was sein Spiegel lässt erglänzen,
Regenbogenspiel gefällt.

© Ingrid Herta Drewing,2017

Unwetter-Sommer

Des Himmels Blau nur kurz vergönnt,
im Hitzeheiß verloren.
Das Hoch hat sich recht schnell getrennt,
und nun ein Tief das andre nennt,
Gewitter eingeschworen.

Der Hagel prasselt, Regen rauscht,
aus Wolken brechen Güsse.
Was sonst so gluckernd hell geplauscht,
nun braust, wild strömt, die Rolle tauscht,
aus Bächen werden Flüsse.

Das stürzt, sucht brechend seine Bahn,
reißt mit;nicht Wehr, noch Stege
hier halten auf, was schnell mag nah’n.
Die Straße frönt dem Wasserwahn,
geflutet ihre Wege.

Das rast als schlammig‘ Element
im Strudel schnell und schneller,
steigt meterhoch, verdreckt und kennt
kaum Schranken, wenn es wirbelt, rennt,
bricht ein in Läden, Keller.

Der Mensch ermisst, nun bös erwacht,
dass der Natur Gewalten
ihn hier, obwohl er mit Bedacht
so vieles regelt, nimmt in Acht,
mit Macht in Atem halten.

© Ingrid Herta Drewing,2016

Frühlings Erwachen

Kühn kehrt der Frühling ein ins Tal
und lässt den Himmel blauen,
den letzten Schneerest tauen.
Nun kann der Sonne warmer Strahl
wachküssen Gärten, Auen.

Es regt sich hier und keimt und blüht.
Da tummeln sich Schneeglöckchen
in ihren weißen Röckchen.
Mild weht ein sanfter Wind aus Süd,
vorbei Frau Holles Flöckchen!

Der Bach strömt gluckernd leicht dahin,
eilt munter über Schwellen.
Des Flüsschens Wasser schnellen,
als rufe sie ein tiefer Sinn
zu ihren Sammelstellen.

Auch in den Wipfeln alter Bäume
klingt hell des Frühlings Freudenlied.
Vorbei ist Winters Macht! Die Räume
ergreift die Lebenslust; und Träume
erfüllen zart auch mein Gemüt.

© Ingrid Herta Drewing,2015

Frühlingsklang

Blauhimmel, goldner Sonne Schein
erweitern nun die Räume.
Du magst nun nichts versäumen,
stimmst dich auf den Spaziergang ein
und darfst vom Frühling träumen.

Die Amsel singt ihr Lied schon lind,
Frühblüher sich einstellen,
der Bäume Knospen schwellen.
Vom Eis befreit die Bäche sind
und stürzen in die Schnellen.

Da wird auch dir so leicht der Sinn,
du möchtest freudig singen,
in Höhen dich aufschwingen.
Und lächelnd fühlst du den Beginn
des Frühlings, hörst sein Klingen.

© Ingrid Herta Drewing,2015

Vorfrühling

Hoch in den Norden sind sie umgezogen,
des Winters Frost und auch sein Nebel-Tross.
Vorbei die Zeit des Frierens, kalter Füße!
Wo jüngst, zu Eis erstarrt, kein Wasser floss,
sind jetzt die Enten, Schwäne hingeflogen.

Es naht der Frühling nun auf schnellen Schwingen;
der Bäume und der Büsche Knospen schwellen.
Frühblüher auf den Wiesen leuchtend grüßen,
und munter gluckern Bäche; aus den Quellen
die Wasser hell und klar und frisch entspringen.

Der Sonnenbogen steigt, es wachsen Tage;
in ihrem Licht die Vögel zwitschern, singen
die Sehnsuchts-Liebeslieder, jene süßen.
Die Amsel darf das Abendständchen bringen.
Vorbei ist nun der Nebelkrähe Klage!

© Ingrid Herta Drewing, 2014

Kein Alibi

Ein Hurrikan trägt meinen Namen?
Ja wäre so ein Hoch benannt!
Viel Wirbel macht der Sturm, und Amen,
ist als Zerstörer wohl bekannt.

Ich lieb‘ es eher recht beschaulich
und baue lieber auf statt ab;
mit Sturm und Fluten, ganz vertraulich,
hab‘ ich es wirklich nie gehabt.

Ich schätze zarte Frühlingswinde,
des Baches Plätschern näss‘ den Fuß,
das Sommerlüftchen, das gelinde
uns fächel‘ zu der Düfte Gruß.

Drum sage ich hier klipp und klar:
Mag dieser Sturm auch „ Ingrid“ heißen,
hab‘ nichts zu tun mit seinem Beißen,
weil ich ganz brav zu Hause war.

© Ingrid Herta Drewing,2013