Archive for the Category Besinnliches

 
 

Frühlingsgewisper

Das bleiche Gesicht
des müden Wintertages
schließt nun die Augen.

Ein Hauch von Frühling,
Hyazinthenduft im Raum,
lässt sanft mich träumen
von hellen,goldnen Tagen,
Blütenrausch und Vogelsang.

© Ingrid Herta Drewing

Frühlingsahnen

An den Ufern der Träume
wachsen
silberne Sterne
hell in die Nacht,
und die weißen Kämme
der Wellen
tanzen im Mondlicht.

Die zarten Harfenklänge,
Zephirs liebliche Lieder,
singen von Frühling
und tragen
die Seele,
des Winters müde,
sanft in den Tag.

© Ingrid Herta Drewing

Trugbild

Aus den Tiefen
der Träume
entstiegen,
irrlichterst du
in meiner Welt,
die klar
ich glaubte.

Im Muschelkleid
der Sirenen
singst süß du
Lieder der Nacht,
und Perlmutt
glänzt
im Mondlicht.

© Ingrid Herta Drewing

Nomade II

Auf dem Asphalt
grau und brüchig
die Last der Jahre,
ohnmächtiges Warten
auf ein Morgen.

Die Taube
kennt ihren Weg
nach Hause;
aber du,
von vielen Wassern geworfen
in die Brandung des Lebens,
ziehst,
den Sturmvögeln gleich,
rastlos
von Klippe zu Klippe
im endlosen Meer.

© Ingrid Herta Drewing

Alte Frau

Als sei sie irgendwie hier festgetackert,
so sitzt sie auf der Bank in Stille, stumm.
Sie hat jahrzehntelang sehr schwer geackert,
sich, wie es heißt, nur ständig abgerackert
und nahezu vergessen das Warum.

Nun ist sie in ein Sinnen tief versunken,
und stoisch fast erscheint ihr blauer Blick.
Sie wirkt entrückt, als sei sie schlafestrunken,
in Träume der Erinnerung versunken,
erstaunt erschauend eigenes Geschick.

Jedoch aus ihrem Antlitz spricht die Würde,
Erfahrung, Weisheit eines Lebens schlicht,
das sich gefunden trotz der schweren Bürde,
inmitten eines Alltags Sorgen-Hürde;
bereit jetzt auch für letzte, sanfte Sicht.

Und leicht wie eines Frühlingswindes Fächeln
schwebt zart in ihren Zügen nun ein Lächeln.

© Ingrid Herta Drewing

München

Das Gipfeltreffen,
eins der besonderen Art
am Fuß der Alpen;
viele Fragen jonglierend.
Wird die Welt dadurch sich’rer?

© Ingrid Herta Drewing

Wanderer

Es leuchten Sterne dir in dunklen Nächten,
und noch in dumpfem Nebel klingt ein Ton,
ertastest dir den Weg, der dich auch brächte
zu deinem Ziel; du ahnst die Nähe schon.

Hast allen Ballast hinter dir gelassen,
erklimmst fast leicht hier jenen steilen Hang,
beginnst den Sinn der Mühsal zu erfassen,
bist weit entfernt von eitlem Geltungsdrang.

Und vieles, was dich quält‘, ward überwunden,
dem Gipfel nah, kannst du den Himmel sehen.
Du hast den Ausblick schön und klar gefunden,
darfst nebelfrei nun hier im Lichte stehen.

Erkennen,wie so weit und schön die Welt,
das Leben, das der Schöpfer hell erhält.

© Ingrid Herta Drewing

Ermunterung

Das Morgenlicht zu schauen, nun erwacht,
dich lösend aus des Alptraums Grauen,
beginnt dein Tag hier sanft und sacht;
und Helligkeit schenkt dir Vertrauen.

Was nächtens dich gequält, verflogen;
nun gehst du aufrecht, leicht dein Sinn.
Wie’s scheint, ist vieles dir gewogen,
streckt gütig dir die Hände hin.

Auch wenn du arm und schwach und klein,
begleitet dich der Sonne Licht
und lädt dich hell ins Leben ein.
Du bist ein Mensch, vergiss das nicht!

© Ingrid Herta Drewing

Auf der Suche

Da war wohl keine Morgenröte,
nur Grau, ein regennasser Tag;
und dennoch schien es dir, als böte
er dir den Ausweg, deine Nöte
verzögen sich und alle Klag‘.

Dass dieses irreale Hoffen
dich hüllte sanft in Träume ein,
bemerkst du, aufgewacht, betroffen.
Noch immer sind die Fragen offen
nach Leben, Glauben, Sinn und Sein.

Das wird auch bis zum Ende währen,
bist nur ein kleiner Menschenwicht,
der Körner sucht, derweil die Ähren
geerntet; Stoppelfelder-Sphären
dich lehren schweigend hier Verzicht.

© Ingrid Herta Drewing

Wetter im Januar

Die Sonne lässt sich hier nur ahnen,
zu dicht der graue Wolkenschmand.
Des Regens kalte,nasse Fahnen
beharrlich klatschen an die Wand.

Was unlängst weiß erstrahlt im Schnee,
lehrt erdenbraun nun den Verzicht,
obwohl in frühem Frühlingsweh
schon hier und da ein Knospen spricht.

Des Winters Wetterkapriolen
mal froststarr, trocken,dann nass, mild,
sie stehlen uns hier unverhohlen
das alte Jahreszeitenbild.

© Ingrid Herta Drewing