Archive for the Category Besinnliches

 
 

Einsames Ringeltäubchen

Wo ist dein Bruder, kleine Ringeltaube?
Du sitzt so ganz allein dort auf dem Dach.
Sag’, was geschah euch, lief da aus dem Ruder
und brachte dir gar schlimmes Ungemach?

Ihr seid so traulich hier ins Licht geschlüpft,
gemeinsam sehend euer kleines Leben,
die ersten Schrittchen auf dem Dach gehüpft,
im Sonnenschein sich leicht gefiedert hebend.

War es der Wanderfalke, war’s die Krähe,
die sich hier gern mit ihren Partnern zeigt?
Was riss den Bruder fort aus deiner Nähe?
Du sitzt nun einsam da, die Antwort schweigt.

Kühl weht der Wind, die Sonne wärmt heut’ nicht.
Das Leben buchstabiert das Wort Verzicht.

© Ingrid Herta Drewing

Seltsamer Traum

Mir schien heut’ Nacht so still die Welt,
als könnt’ ich ihre Träume lesen,
ihr innerstes und tiefstes Wesen,
was sie vor uns verborgen hält.
Sie sprach von Einsicht und Genesen.

Da fielen von dem Baum, der blühte,
rotgoldne Früchte sanft herab.
Jedoch, wie sehr ich mich auch mühte,
ich hob’ sie nicht auf, sie verglühten;
ihr Feuer matt im Gras erstarb.

Da wacht’ ich auf im Traum; versonnen
sah ich zum Fenster dort hinaus,
bemerkte, dass man hatt’ begonnen
den Müll zu leeren aus den Tonnen,
den Baum zu fällen vor dem Haus.

Und seine Blüten- Äste lagen
am Bordstein dort verstreut im Dreck.
Ich sah ’s und fühlte Krampf im Magen,
laut wollte ich dagegen klagen
und blieb doch stumm auf meinem Fleck.

© Ingrid Herta Drewing

Vormittag am Strand

Es weht der Wind mir Schleier vor den Blick;
mein langes Haar geriet in seine Fänge.
Auflandig strömt er, wirbelnd wie verzwickt,
befreit, was leicht sich löst aus engen Zwängen.

Da stieben Möwen schreiend über Land.
Die Dünen rauchen, wo Strandhafer fehlt.
Auf meinen Lippen fühl’ ich feinen Sand,
und dort im Lee der Hügel Hitze schwelt.

Die Sommersonne bald im Mittag steht,
und auf dem Meer blinkt gleißend hell das Licht.
Es wächst der Strand, denn mit der Ebbe geht
das Wasser, bis es wieder flutend spricht.

Und ich spaziere hier durch Niedrigwasser hin,
den Strand entlang, und frön’ dem Sammlersinn.

© Ingrid Herta Drewing

Macht der Musik

Was kann betören sanft mit Zauberklängen,
tief in die Seele greifend, hat die Macht,
uns zu befreien aus der dunklen Enge,
schenkt uns den Tag, der singend, hell erwacht?

Ja, die Musik vermag es; wie die Liebe
erschließt sie hoffnungsfroh uns neu die Welt.
Vergessen wird so alles Böse, Trübe;
wir wenden uns zum Guten, das gefällt.

Da endet Traurigkeit. Mit ihrem Schwingen
gewährt uns eine schöne Melodie
den Balsam unsrer Seele: Harmonie.

Sie heilt das kranke Herz und wird bezwingen,
was stumm gefangen ist in Lethargie,
entführt uns zärtlich, Glückes Sinfonie.

© Ingrid Herta Drewing

Kosmische Katastrophe

Im Fernsehn sah ich eine Weltraum-Doku
und wurde da beim Schauen winzig klein.
Was ich vernahm, sprengt jedes Macht-Sudoku
und stellt die Frage nach dem letzten Sein.

Von Schwarzen Löchern weiß man zu berichten,
um deren Sog die Galaxien kreisen.
Dunkle Materie soll sie da verdichten,
wodurch sie nicht aus ihrer Bahn entgleisen

Doch streben Galaxien aufeinander zu;
so werden irgendwann in fernen Zeiten
Andromeda und Milchstraße sich streiten,
um zu verschmelzen dann in einem Coup.

Mein Kind, wir beide werden ’s nicht erleben,
wie dann der Erde Himmel tödlich brennt.
Wir dürfen zart beim Abendrot noch beben,
wenn sich die Sonne abends sinkend trennt.

© Ingrid Herta Drewing

Schwalbenleben

Es fliegen die Schwalben und schweben
am Sommerhimmel dahin,
als wäre so licht dieses Leben,
hier fern von Suche nach Sinn.

Ein Leben ohne Warum,
nicht planend den Tag, noch die Stunde,
das Sorgen und Mahnen stumm,
sanft kreisend in luftiger Runde.

Sich munter im Winde hier wiegen,
der Sonne, dem Himmel nah,
und leicht alles Schwere besiegen,
wär’ gern einmal Schwalbe da.

© Ingrid Herta Drewing

Sonnenuhren

Sie bergen ein Geheimnis, diese Uhren
und zeigen, wie die Zeit im Licht erglüht,
hier folgend stets der goldnen Sonne Spuren;
verwehrend sich den Schatten der Lemuren,
so singen blühend sie ihr Sommerlied.

Mag sein, dass Wolken auf der Lauer liegen,
die Zeit für eine Weile halten fest,
dass Regenschauer und auch Winde wiegen
die Stiele, sie im Blumenrund wild biegen,
bis sie die Sonne nicht mehr wirken lässt.

Ist dann der Spuk vorbei, der Zeigerschatten
wird wieder klar im Sonnenlicht bewegt,
bemerkst du, dass hier jene Stunden hatten,
auch während diesem wolkigen Ermatten,
unsichtbar ihren Weg zurückgelegt.

© Ingrid Herta Drewing

Gärtnergedanken

Du schneidest, was welk,
und denkst wehmütig dann,
dass auch dir irgendwann
solch ein Schnitt
schließlich wird
ein Ende bereiten.
Wie alles, was lebt
und wachsend hier strebt,
wird der Tod dich begleiten.

Nur was erblüht,
kann auch vergehen;
nur was hier lebt,
im Licht erbeben,
den großen Pulsschlag fühlen:
Leben.

© Ingrid Herta Drewing

Musisches Asyl

Licht malen sich mir milde Sommertage
als zarter, roter Mohn ins Aquarell;
des Dauerregens feuchte Kampfansage
wird ignoriert, ich seh’ den Himmel hell.

Will so nicht weichen einem neblig grauen
und traurig trüben, monotonen Bild.
Es gibt die Phantasie, sie lässt uns schauen
den Traum, der unsre Sonnensehnsucht stillt.

Wie die Musik, sie schenkt uns jene Sphären,
in denen wir mit lichtem Flügelglanz
aufschwingen uns in innig frohem Hören,
genießend Klänge, unsre Seele tanzt.

Und es geleitet uns die Poesie
in ihres Blütengartens Harmonie.

© Ingrid Herta Drewing

Erdbezogen

Wir sind so klein und dünken uns so mächtig,
weil wir nur haben unsre Welt im Blick.
Wir können viel und bauen uns recht prächtig,
was uns behagt, erhoffen unser Glück.

Die Sterne, die wir in den Nächten sehen,
sie sind so weit von unsrem Tag entfernt,
dass uns die Weltraum-Dramen dort entgehen.
Wir haben auch noch hier nicht viel gelernt.

Statt diese Erde, die uns kurz geliehen,
zu hegen, pflegen wie ein Paradies,
zerstören vieles wir, und kein Bemühen
macht je lebendig eine Art, die uns verließ.

Der Weltraum und die großen Sterngebilde,
wo gnadenlos Materie, Energie
gestalten dieses weiten Alls Gefilde,
sie liegen fern dem Traum von Harmonie.

© Ingrid Herta Drewing