Archive for the Category Besinnliches

 
 

Tagesneige

Der Abendsonne rotes Licht
brennt hinter dunklen Zweigen,
schenkt uns ein Abschieds-Farbgedicht
bevor die Stimmen schweigen.

Das Amsellied klingt leise aus;
es flüstern erste Sterne,
die Silberfähre überm Haus,
des Mondes Gruß von Ferne.

Die Turmuhr tut es allen kund,
dass Nacht nun naht und Ruh’.
Nun schweigt sogar des Nachbars Hund,
hat fest die Augen zu.

© Ingrid Herta Drewing

Frühlingsempfinden

Ein lichter Tag, dem Lenz ergeben,
erstrahlt, klar, blau das Firmament.
Die Sonne greift nun warm ins Leben,
und froh gestimmt mag sich erheben,
wer jetzt noch trübe Stunden kennt.

Da blühen wonnig Knospen auf.
Der Frühlingswind streift dein Gesicht,
und sonnig wird der Tageslauf,
obwohl die Arbeit dir zuhauf
von Pflichten und Erfüllen spricht.

Die Mittagspause wird dir bleiben,
in ein paar Schritten, Frühling pur.
Was dich gelockt vor Fensterscheiben,
wird eine Stunde dir verschreiben
im Park, dem Lächeln auf der Spur.

© Ingrid Herta Drewing

Gestundetes Leben

Er sparte seine Tage für ein Morgen,
das er sich auserkoren, fernes Glück.
Es sollte ihm einst winken, wenn die Sorgen
des Alltags lägen lange schon zurück.

Im Ruhestand wollte er alles wagen;
er schob sein Hobby, Urlaub, Schönes auf;
auch familiär musst’ er sich viel versagen,
ehrgeizig nahm er da Distanz in Kauf.

Seit einem Monat war er jetzt in Rente
und wollte nun sein Leben kosten aus.
Jedoch nichts ward aus Freuden und Talenten.
Man fand ihn gestern tot in seinem Haus.

© Ingrid Herta Drewing

Im Traum

Wo zwischen Schlaf und Wachen Träume wohnen,
erzählt dir deine Seele schön Geschichten
und wartet auf mit einem Farbenspiel
in Bildern kraft- und eindrucksvoller Dichte.

Da will die Welt so wirklich dir erscheinen.
Was lange schon vergangen, ist dir nah’
und windet sich empor wie Grün’ aus Steinen;
was du verdrängt, verborgen, siehst du klar.

Und kannst es nun erfühlend auch erschauen,
wenn dich kein Alp bedrängt mit arger List.
Doch noch im Traume sagt dir ein Vertrauen,
dass du in Gottes Hand geborgen bist.

Mehr als ein Ritual, das obsolet,
ist doch seit Kindertagen dein Gebet.

© Ingrid Herta Drewing

Sonnenklar

Hell scheint die Sonne heut’ ins Fenster
und streichelt strahlend warm mir mein Gesicht,
vertreibt des Winters Frostgespenster
und animiert mich zärtlich zum Gedicht.

Doch zeigt sie mir auch auf den Scheiben
staubstumm die Forderung, zu putzen nun.
Wie soll mir da noch Muße bleiben,
die Zeit zu nutzen für poetisch’ Tun?

So geht ’s mit vielem, was uns schön erscheint,
es hat auch eine andre Seite.
Doch Sonne, die es gut hier mit mir meint,
kann mich zur Klarheit wohl geleiten.

© Ingrid Herta Drewing

Lob der Lyrik

Oh doch, du solltest singen, Kind!
Prosaisch graut zu oft das Leben,
in das wir hier gegeben sind.
Drum singe fröhlich, laut und lind,
lass glockenhell die Klänge schweben!

Fatal, zu glauben, Formen hätten
ihr klares Spiel in unsrer Zeit
verwirkt, weil sie des Menschen Stätte
in heile Bilder fälschlich retten,
wozu real sei nichts bereit.

Lass uns doch auch das Schöne sehen!
Dies’ Leben, Lobgesang im Licht,
lehrt die Natur uns zu verstehen;
sie liebt ’s gestaltend aufzugehen;
vielfältig schreibt sie ihr Gedicht.

Sie kennt der Rhythmen Macht, die Klänge,
verleiht dem Chaos noch Struktur.
Mit Phantasie sprengt sie die Enge,
verwechselt Formen nicht mit Zwängen
und folgt des Lebens lichter Spur.

So schenk’ dein Lied in Sinn und Sage,
in Bildern, Versen, Melodien,
das Schöne auch, nicht nur die Frage,
das Suchen, Streiten oder Klagen.
Ein Fundament sei ’s, das uns trage
auch in ein Reich der Harmonie.

© Ingrid Herta Drewing

Frühlingstraum

Mit kalter Hand der Winter fasst
nach Zweig und Ast in Busch und Bäumen.
Wo morgens Nebel noch zu Gast,
lässt Frost sie weiß in Raureif träumen.

Vom Knospen nach der stillen Zeit,
wenn Grünen, Blühen, helles Prangen
in Frühlings Milde sind bereit
für neues Leben und Verlangen.

Und auch in uns, der Kälte wehrend,
uns bergend warm im Haus, am Herd ,
erwacht dies’ sehnende Begehren
nach dem, was Frühling wohl beschert.

© Ingrid Herta Drewing

Eremit

Vergebens manchen Weg beschritten,
getragen nutzlos schwere Last,
doch was du auch erfahren hast,
du fandest immer deine Mitte,
warst gerne hier der Erde Gast.

Beglückt hat dich Natur, ihr Weben
am Meer, in Bergen, Wäldern, Wiesen,
an Bächen, Flüssen; brausend, fließend,
so liebtest du es, dieses Leben,
verstandest es, still zu genießen.

Man liebte dich, dein freundlich Wesen
nahm schnell die Menschen für dich ein.
Darum warst du fast nie allein,
obschon du ’s manchmal gern gewesen
in deinem turbulenten Sein.

Doch als dann Stille dich umfing,
da war ’s, als sollt’ ein Licht verglimmen;
du sehntest dich nach lieben Stimmen,
der Kinder Blick, der an dir hing.
Neu musstest du dein Leben trimmen.

Und fandest einsam in der Klause
den sanften Ton, das helle Lied,
ein weises Sinnen; dein Gemüt,
es ruhte in sich, kam nach Hause,
dorthin, wo alle Liebe blüht.

© Ingrid Herta Drewing

Frühlingsflüstern am See

Ein Hauch von Frühling, auf den Wiesen
spaziert vergnügt die Entenschar,
den See dort schwimmend zu begrüßen,
der kürzlich ganz vereist noch war.

Die Sonne scheint, erwärmt die Luft,
ein blauer Himmel heut’ gefällt.
Der Hyazinthen süßer Duft
verspricht des Frühlings Blütenwelt.

Ein Schwanenpaar schwebt auf den See,
und findet sich zu zarten Tänzen.
Anmutig darf ihr Pas de Deux
im hellen Sonnenlichte glänzen.

Ich steh’ am Ufer und erschaue
beglückt das sanfte, schöne Bild,
seh’ hoffend Zukunft und vertraue
darauf, dass sich mein Glück erfüllt.

© Ingrid Herta Drewing

Die Sicherheit

Fritz Schnurz war einer von den Leuten,
die sehr auf Sicherheit bedacht,
sich nicht auf Reisen ’mal erfreuten.
Er hat sich nichts daraus gemacht.

Sehr gern blieb er zu Haus’ im Garten.
Da sei er sicher, sagte er.
Mit Flugzeugen zum Himmel starten,
mit Schiffen kreuzen auf dem Meer,
mit Auto, Bus und Bahn zu fahren,
kam nicht in Frage, dies‘ Malheur,
das lehnt’ er kategorisch ab.
Man höre ja so viel seit Jahren
von Unfall, Tod dort, nicht zu knapp.
Wer gebe ihm da Schutz, Gewähr?

Jedoch das Leben, das uns wichtig,
zeigt uns, man macht nie alles richtig.
Und eines Samstags um Halbzehn
sah man Fritz Schnurz im Garten steh’n.
Er schnitt dort liebevoll die Rosen,
ließ sich von ihrem Duft liebkosen;
da traf ihn plötzlich, sapperlot,
ein schweres Teil aus Weltraumschrott!
Es fiel ihm hart auf seinen Kopf,
zusammenbrach der arme Tropf.
Herr Schnurz, der nun in großer Not,
fiel in die Rosen und war tot.

„Ein schöner Tod“, meint’ Nachbar Schmitt.
Er mag ’s so seh’n, darf ja noch leben.
Ansonsten teilt uns dies wohl mit:
Die Sicherheit, die wird ’s nie geben.

© Ingrid Herta Drewing