Archive for the Category Autobiografisches

 
 

Leben

Wenn ich bedenke, wie unfassbar groß
die Welt, das All, so gänzlich alles ist,
erkenne ich, wie klein mein irdisch‘ Los,
das sich an Nichtigkeiten täglich misst.

Und dennoch ist dies‘ eine kleine Leben
in sich etwas, das wirklich ist und wahr,
auf dieser schönen Erde mit zu schweben
im dunklen All und doch im Lichte klar.

Ein „Spiel der Zeit“, so nannten es die Alten,
dies‘ Menschenleben, das sich hier erfüllt
im Sinnen, Lieben, Walten und Gestalten,
ein helles Dasein, Fragen ungestillt.

Geschenk des Schöpfers, das auch ich gewann
und freudig, dankbar darf ich’s nehmen an.

© Ingrid Herta Drewing

Mutters Stärke

Mama und Hertelchen_o

Nie hätte ich geglaubt, als ich war Kind,
dass Mütter wirklich Schwächen haben können.
Nur ihre Kraft und Liebe konnt’ ich nennen;
die Bilder, die noch heut’ vertraut mir sind,
obwohl vom Kind sein mich Jahrzehnte trennen.

In einer Zeit, die so beherrscht von Not,
beglückte, Mutter, uns dein frohes Wesen .
In deinen Armen konnten wir genesen,
du sorgtest immer für das täglich’ Brot
wie schlimm die Wirtschaftslage auch gewesen.

Ich höre heute noch die hellen Lieder,
hab’ auch dein liebes Lachen klar im Ohr,
du hattest einen herrlichen Humor.
Ach könnt’ ich hören doch von dir noch einmal wieder,
wie wer in Lauterbach den Strumpf verlor!

© Ingrid Herta Drewing,
Foto: Mama und Hertelchen

Schülerballade

(Damals ein kleiner,launiger Rückblick auf die Schulzeit,Anleihen in der Form bei Schiller, Rilke,Hofmannsthal und Heine sind natürlich rein zufällig )

😉

Fest gemauert,grau und klotzig
steht ein Haus am Autostrand,
innen freundlich, außen trotzig,
Schul‘ nach Elly Heuss benannt.

Und Kinder ziehen ein an Hand von Müttern.
Die von nichts wissen,
kommen wohl, um was zu lernen.
Sextaner, Bienensummen hinter Gittern,
an Lehrers Lippen achtzig Augensterne.

Die Schule wird zum spielenden Ereignis.
In Pausen zeigen’s Quinten und Terzinen –
Quartaner-Trusts,ein böser, kleiner Löwe geht mit ihnen,
und halb und jährlich gibt’s ein Zeugnis.

Bald fangen Oberterzen an
ihr teen zu agen und zu tanzen,
und mancher Lehrer schaut besorgt
auf diese „ kleinen Pflanzen“.

Jedoch in der Sekunda dann
gibt es dafür ’nen Namen.
Feierlich von nun und an
Nennt man sie „Sie“ und „Damen“.
Doch bleibt ein lieber Restbestand,
heißt es doch Ruth und Marlies.
Die Kunstversion erfolgt sogar
„ pluralis majestatis“.

Und dann:
Und du weißt nicht, was soll das bedeuten,
die Untersekunda vergeht,
verlassen von „mittleren Reifen“
ein kleiner Rest nur noch steht.

Doch nun lernst recht schnell du begreifen
trotz Teilung, Spaltung, Verzweignis
irgendwie ist Schule Ereignis
und nur Form
halb und jährlich das Zeugnis.

Die eine vertieft sich in Bio,
Französisch, Deutsch, Geografie,
der andern wird’s klar, dass sie
ein verhindertes Künstlergenie.
Und manche mögen Cäsar,
nebenbei auf Grund des Lateins.
Andre haben was gegen Kriege,
zumal in der Nähe des Rheins.
Doch ein jeder gräbt nach den Quellen
mit seinem Schülerwarum.
Die Antwort auf seine Fragen:
Er erkennt:“ Mensch, du bist dumm.“

Plötzlich sitzt du erster Klasse,
Primanerin fertig für’s Abitur.
Du denkst: „ Noch viel Zeit!“
Doch bald ist’s so weit
und du wunderst dich nur;
gehst dann in die Prüfung,
etwas ängstlich und steif.
Doch schnell ist’s herum,
und nun bist du reif.

Und Reife ziehen aus der Schule,
die von nichts wissen,ziehen aus,
wohl um zu lernen…

© Ingrid Herta Seibel, Wiesbaden, den 17.03.1963

Reisemüde

Du meinst, es sei Zeit, bald zu reisen,
da jetzt auch der Lenz sei erwacht.
Die Sehnsucht sing‘ Lieder, die leisen,
die wundervoll Wege dir weisen
in Träume von südlicher Nacht.

Doch nun, da die Schwalben einschweben,
es hell klingt in Garten und Wald,
will hier ich den Frühling erleben
und sehen sein blühendes Weben,
die Bäume in grüner Gestalt.

Denn mich lockt nun nicht mehr die Ferne,
ich ahne, das Gute liegt nah.
Ja, früher, da ließ ich mich gerne
verlocken und glaubte, die Sterne,
die sähe ich anderswo klar.

So reise denn wohl, ich verweile,
geborgen in Garten und Haus.
Mich drängen nicht Lust, noch die Eile,
dass ich viele Meilen da teile.
Hier lebe ich, harre gern aus!

© Ingrid Herta Drewing,2016

Tropisch

Es ist so schwül und heiß der Sonne Blecken.
Da such‘ ich Kühlung, Schatten, bleib‘ im Haus,
verkriech‘ mich dort wie eine Weinbergschnecke,
mach’s mir gemütlich in der Kuschel-Ecke
und lese meinen Lieblings-Schmöker aus.

Der Ventilator summt sein leises Lied,
bewegt die Luft im Raum; sein frischer Wind,
der stetig wehend zu mir hin nun zieht,
kühlt mir die Stirn, ist Labsal für’s Gemüt.
Wohl temperiert wird da mein Leben lind.

Und wenn die Nacht erwacht, im Dunkelblau
am Himmel Sichel-Mond und Sterne grüßen,
weil‘ ich auf dem Balkon, die Luft ist lau.
Im Windlicht-Schimmer glänzt die Blütenschau
und darf mir duftend hier die Zeit versüßen.

© Ingrid Herta Drewing,2015

Sommersonntag

Ein heller Sommersonnentag,
Geräusche nur gedämpft, verschwommen;
sie scheinen unwirklich, im Park
aus großer Ferne herzukommen.

Mild streichelt mich ein leichter Wind,
fährt zärtlich durch die Büsche, Bäume,
und auf der Wiese spielt ein Kind,
beglückt vertieft in seine Träume.

Ich sitz und schau, genieß’ die Stille,
die sanft im Hauch des Mittags singt.
Hier, wo auch mein bemühter Wille
entspannt im Licht des Sommers schwingt.

© Ingrid Herta Drewing

Dichten

Nun sehe ich, wie sich die Bücher füllen
und sich aus Worten die Gedichte weben,
als wüchse neben mir ein neues Leben,
das nur in Klängen, Versen seinen Durst mag stillen.
Ein süchtelnd Suchen, das mir Freude schenkt,
als lyrisch Ich, so zart die Tage lenkt.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Lebensabend

Es ist, als sei ein neues, zweites Leben
mir nun zu einem Neubeginn geschenkt,
als hätten vieler Jahre Fleiß und Streben
den Weg gezeichnet, den jetzt Freiheit lenkt.

Froh darf ich unbehelligt musisch walten,
nicht mehr gefesselt an der Pflicht Termine,
und kann mir meine Tage schön gestalten,
das Bild hell malen auf des Lebens Bühne.

Zwar leb ich einsam hier in meiner Klause,
doch lässt mich dies‘ die Melodien hören
und Bilder sehen, die mein Herz betören,
im Dichten finden meinen Weg nach Hause.

In Dankbarkeit verweile ich hienieden,
erhoffe, allen Menschen werde Frieden.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Blütendüfte

Frühsommer will nun Wärme hüten,
erglänzt in hellem Sonnenlicht.
Es lockt der Duft der Lindenblüten,
der lieblich sich verströmt,die Güte
die Bienen und auch mich anspricht.

Hier darf man nasenselig trinken,
was meist bei Blumen wird verwehrt,
die im Geschäft in Schönheit blinken,
doch kaum noch mit Aromen winken;
die Haltbarkeit dem Zauber wehrt.

Drum lob‘ ich mir Natur! Im Freien
wird fein ergänzt das Blütenbild.
Froh lasse ich mir angedeihen,
was hier der Sommer kann verleihen,
der Lüfte, Düfte Kosen, mild.

Genieße so mit allen Sinnen,
was uns geschenkt auf dieser Welt.
Dies Blütenglück,das wir gewinnen,
ermuntert uns, neu zu beginnen,
wenn etwas schmerzt und nicht gefällt.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Frühsommer im Rabengrund

Des Sonnenmorgens Glanz liegt auf den Wiesen,
milliardenfache Spiegel schenkt der Tau,
der Licht bricht;und ein zartes Himmelblau
schirmt sanft die Blütenwelt, der Gräser Sprießen.

Da zeigt der Klatschmohn sich in roter Seide,
als zünde wer im Grün nun Feuer an,
ein Leuchten, das man weithin sehen kann,
und zart erwecken Glockenblumen Freude.

Hell gluckernd hier der junge Schwarzbach strömt,
nicht weit entfernt von seiner klaren Quelle
am Waldesrand; ich kenne sie die Stelle,
hat mich so oft doch auch ihr Nass verwöhnt.

Die große Lichtung, eine Augenweide!
Im Schlehdornbusch ein Schimmern letzter Blüte.
Die alte Bank dort mir gewährt die Güte,
hier Ruh‘ zu finden, fern von allem Leide.

© Ingrid Herta Drewing,2014