Archive for the Category Lebensfreude

 
 

Herbstnähe

Auf meiner Schulter spür‘ ich schon
des Herbstes welke Hand,
stumm fordernd ein sein Pfand,
der Sommerliebe reifen Lohn;
doch noch ich mich entwand.

Verflechte meinen Sehnsuchtsblick
im Blütenbild der Wiesen.
Nach letzter Mahd will sprießen
ein neues, helles Blumenglück
dort wo die Bäche fließen.

Herbst setzt ins Grün bereits den Fuß
und lockt mit Herbstzeitlosen.
Jedoch der Duft der Rosen
im Garten darf als lieber Gruß
des Sommers uns noch kosen.

© Ingrid Herta Drewing,2013

Spätsommerabend auf der Rue

Ein milder,warmer Abend, Südens Flair,
lässt zahlreich Menschen freudig hier flanieren.
Es ist, als habe plötzlich irgendwer
die Luft verzaubert, ließe sie vibrieren.

Wie sie auf sanfte Weise uns umschmeichelt,
als wolle sie den Abschied überspielen,
uns zärtlich, seidigweich die Wange streichelt,
obwohl wir Herbstes Nähe doch schon fühlen.

Fast kitschig schön erstrahlt noch als Kulisse
am Horizont ein feurig‘ Abendrot.
Die Sonne schenkt errötend Abschiedsküsse,
ein Rosenlied, das lieblich hier verloht.

Und heimelig auf des Spaziergangs Runde
erscheint mir diese lichte Abendstunde.

© Ingrid Herta Drewing,2013

Muße

Es spricht die Pflicht meist’: “Eile, eile!“
und treibt dich an zur Arbeitswut.
Jedoch die Seele sagt: “Verweile,
genieß’ den Augenblick, nur Mut!“

Was du vom Leben magst erwarten,
oft Wünsche nach dem fernen Stern;
der Duft, die Rose hier im Garten
wird dabei übersehen gern.

So vieles, was dich kann beglücken,
ist nahe liegend. Sei bereit,
das kleine Glück vom Strauch zu pflücken!
Die Muße schenkt dir Erntezeit.

© Ingrid Herta Drewing

Lebensmelodie

Es regt das Leben sich im Wachsen, Mühen
und steht zum Welken dennoch dann bereit.
Der Schönheit Knospen und ihr hell‘ Erblühen
erstrahlen leuchtend nur für kurze Zeit.

Der Duft, der Klang, die süße Melodie
für eine Weile nur im Äther schwingen;
doch schenken sie der Welt die Harmonie,
die sanft und zart das Dunkel wird bezwingen.

© Ingrid Herta Drewing

Ermunterung

Ich wische mir den Trübsinn aus den Augen,
erfasse klar, was Tagen nun verspricht.
Wo die Vernunft als Richtschnur mir mag taugen,
erwarte ich in Sturmgesängen Licht.

Da heißt es aufrecht gehen, Ziel gerichtet,
den Blick auch in das Dunkel nicht vermeiden,
zu denken, fühlen Leben uns verpflichtet,
nicht stumm ertragen Mensch gemachte Leiden!

Gemeinsam jene kleinen Schritte wagen,
die letztlich doch in etwas Großes münden,
nicht mutlos bei Beginn schon zu verzagen.
Wer glaubt und hofft und denkt, wird Wege finden.

Wenn wir vernünftig, einig uns aufraffen,
gelingt ’s uns, eine bess’re Welt zu schaffen.

© Ingrid Herta Drewing

Frecher Waschbär

(Zur Artenvielfalt in der Großstadt)

Der Waschbär hat heut‘ keine Lust
die Nahrung abzuwaschen,
besorgt sich, kühn in seinem Frust,
ganz süße Frucht zum Naschen.

Denn lecker in der Obstauslage
sieht er das Futter sauber
und greift schnell zu,muss sich nicht plagen,
erweist sich so als Schlau-Bär.

Mag auch der Händler wütend fluchen:
„ Ich fang‘ dich, du entkommst mir nicht!“
Da kann er aber lange suchen,
hoch auf den Baum der Bär entwicht.

Wie fern in Indien heil’ge Affen
sich mopsen flink die Beute,
so kann ’s der kleine Bär auch schaffen.
Doch hier empört’s die Leute.

© Ingrid Herta Drewing,2013

Herbstnähe

Schon flüstert hier von Herbst ein kühler Morgen,
das Liebeslied der Amsel ist verklungen.
Doch Rosen blühen noch, und unverborgen
ist auch ihr süßer Duft zu mir gedrungen.

Die Krähen, die dort auf den Dächern krächzen,
erinnern uns bereits an Herbstes Lauf.
Noch ist August, man darf nach Sonne lechzen,
die auch vor Mittag trumpft hell strahlend auf.

Geraume Zeit wird hier wohl Sommer weilen
und breiten mild und warm die Arme aus.
Gereift wird er des Lebens Früchte teilen,
im Licht beschenken unser kleines Haus.

Dann mögen Herbst und kühle Nächte nahen;
wir hegen froh die Bilder, die wir sahen.

© Ingrid Herta Drewing,2013

Vanitas

Blauregen wirft die Ranken in den Wind,
die Mauer suchend, um sich festzuhalten.
Ob diese Pflanzen doch auch Wesen sind,
viel stiller nur und duldsam im Gestalten?

Vom Werden,Wachsen alles ist durchdrungen
und findet welk auch wieder in den Tod,
nachdem es hell sein Lied im Licht gesungen,
Ergrünen, Blühen, Reifen das Gebot.

Wir, unsren Wurzeln,wie es scheint,entronnen,
wir fühlen hier in dieser Welt uns frei,
da wir mit “ unsrer Schöpfung” selbst begonnen
ein neues Paradies, das irdisch sei.

Jedoch auch unser schönstes Morgenrot
besiegelt hier auf Erden doch der Tod.

© Ingrid Herta Drewing,2013

Auftrieb

Es hat der Sommer seine Zeit bereitet,
lädt ein, in seiner Leichtigkeit zu sein.
Im Grünen sich der Täler Atem weitet,
und Wärme hüllt das Leben wohlig ein.

Nun golden Licht in meinen Morgen schwebt,
verwebt sich mit des Himmels hellem Blau,
ein neues Tagen, Blühen, Singen lebt,
hebt meine Blicke aus dem Sorgengrau.

Schenkt Zuversicht, verleiht der Hoffnung Flügel
und lässt beschwingt mich meine Wege gehen.
Wo Schatten wuchsen kalt am Hang der Hügel,
darf endlich ich die Sonne leuchten sehen.

Und stimme freudig ein in Sommers Lied,
das ringsumher in hellen Tönen blüht.

© Ingrid Herta Drewing,2013

Mauersegler III

Die Mauersegler? Plötzlich sind sie fort,
die gestern lauthals sirrend hier noch flogen,
verließen heimlich ihren Sommerhort
und sind nach Süden still zurück gezogen.

Obwohl noch hoher Sommer im August,
in heißer Sonne Felder, Wiesen flirren,
wird mir des Herbstes Nähe doch bewusst,
da diese Vögel hier nun nicht mehr schwirren.

Kein Abschiedslied erklang, kein Vorbereiten,
nur jetzt in diesem Sommerbild die Lücke
wird mich zur neuen Jahreszeit geleiten;
der Früchte Reifen bildet mild die Brücke.

Wir schwingen mit im Kreislauf der Natur
und folgen ihr auf ihrer sanften Spur.

© Ingrid Herta Drewing