Verbesserung

„Verschlimmbessern“, das Wort das stimmt,
denn manches, was verbessert, nimmt
anschließend falsche Züge an,
und man bedauert es sodann.

So sagte jüngst, ganz ohne Schnulz,
nach dem Jamaika-Crash Herr Schulz,
er steh‘ dazu, tu es auch weh,
regierungsfern bleib‘ SPD.

Der Präsident, Verfassungswürde
ihm luden auf nun doch die Bürde
sein jüngst Gesagtes zu bedenken,
zum Koalieren umzuschwenken.

Nun steht er da als armer Tropf,
sein Wort fiel in den Juso-Topf,
wo man ihm zeigen will die Spur.

„Verschlimmbessern tun die auch nur!“

© Ingrid Herta Drewing,2018

Wenn Realität auf Sprichwörter trifft

Morgenmuffel

Neulich nachts ging’s bei ihm rund,
ja, das Fest war reichlich bunt.
„Morgenstund hat Blei im Bauch“,
das tat Peter auch dann kund,
als man ihm, wie’s halt so Brauch,
sagte, sie hab‘ Gold im Mund.

Notlage

„Not kennt keinen Bahnhof“,
sagte Winkelmann,
als ihn Schaffner Kahnschwof
traf beim WC an.
„Ist man echt in Not,
wirkt kaum ein Gebot.“

© Ingrid Herta Drewing,2018

Mondlicht

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Heut wurde gar der Mond zum Star,
so groß und rund und helle,
der hier als Sonnenspiegel klar
war in der Nacht zur Stelle.

Es zeigte so der Januar,
der sonst als Grau-Geselle
gemeinhin viel zu dunkel war,
sein Licht noch auf die Schnelle.

Nun hoffen wir, dass Februar
die Tage zeigt im Licht,
auch wenn er dann als Fastnachtsnarr
mit Schneekonfetti spricht.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2018

Mondnacht

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Januarnacht, hell
blauen Blut-Vollmondes Licht
lässt mich nicht schlafen.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2018

Vorfreude auf den Frühling

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Ich hangel‘ mich beherzt durch’s Grau der Tage
und hoffe, dass bald klar ein Morgen blaut,
wenn Sonnengold als liebe Lustansage
verdrängt das feucht‘ Gespinst der Nebelplage,
uns schenkt dies helle Lebensleuchten traut.

Darf hören dann der Frühlingsvögel Singen
und halte offen meine Fenster weit,
wenn in der Frühe schon dies‘ lieblich‘ Klingen
mich lockt, ermuntert, fröhlich mag beschwingen,
verkündet wieder neu die leichte Zeit.

All überall wird hier das Leben grünen;
in Park und Garten, auch in Wald und Feld
erwachen nach des fahlen Winters Sühnen
die Pflanzen blühend auf den Wiesenbühnen,
bereichern duftend, farbenfroh die Welt.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2018

Mutwillig

Da sitzen sie und schwingen ihre Reden,
um ihre Köpfe wabert grauer Rauch.
Doch schmeckt das Bier, erfrischt noch einen Jeden,
der hier zum Stammtisch kommt, wie es so Brauch.

Schnell werden dort aus Mücken Elefanten,
einander ist man einig sich, ein Graus
sei dies Dilemma mit den Asylanten,
man traue kaum sich noch zum Haus hinaus.

Der Alkohol benebelt ihre Sinne,
so reden sie in Rage sich und Wut.
Man will, bevor mehr Unheil noch beginne,
rasch handeln und beschwört den eignen Mut.

Und plötzlich scheut man auch nicht vor Gewalt
zurück und rottet sich gleich wilden Affen
zusammen, kennt nicht mehr Vernunft, noch Halt,
will wild im Wahn Gefahren jetzt abschaffen.

Was dann geschieht, berichten die Gazetten
am nächsten Tag, versteckt auf Seite zehn.
Drei junge Burschen, angeheitert, hätten
ein Feuer angezündet aus Verseh’n.

© Ingrid Herta Drewing

Frühlingshaft

Zissi

Die milden Tage
scheinen Flügel zu verleihen
auch dem, der vage
sich hat entfernt von Daches Trauf‘.
Die Lustansage
lässt Erfolg ihm angedeihen,
er darf sich fühlen obenauf.

Heut in der Frühe
hörte ich die Amsel singen.
Mir war, als blühe
hier ein Frühlingstag hell auf,
und ohne Mühe
würde es auch mir gelingen,
zu starten einen neuen Lauf.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2018

Sonnensehnsucht

Version 2

Ich mag sie nicht, die grauen Wintertage,
die immerzu so neblig, trübe sind.
Mir fehlt des blauen Himmels Lustansage
und Sonnengold, das in die Seele rinnt.

Die Farben, deren Leuchten ein Erwachen
des Lebens schenken, nicht nur vagen Traum,
die Weite, Licht erfüllt, der Kinder Lachen,
die munter spielen, klettern auf den Baum.

Ich lob den Tag mir, der, beschwingt von Leben,
sich lieblich hier als Augenweide zeigt,
die frühen Vögel, die auf Dächer schweben
und singen, wenn die Sonne strahlend steigt.

Noch heißt es wohl, zu darben und zu warten
auf Frühlings zartes Lächeln hier im Garten.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing

Stuttgart 21

In Stuttgart baut man einen Bunker,
die Bürgerschaft ist drum vergrätzt,
weil dort die Bahn mit viel Geflunker
Milliarden in den Sand gesetzt.

Da sollen Züge schneller fahren
wenn das Gebilde fertig ist;
der Kopfbahnhof sei mit den Jahren
veraltet, kurz gesagt „halt Mist“.

Von „ einundzwanzig“ war die Rede
jetzt sattelt man drauf noch vier Jahr,
und auch die Kosten wachsen stete,
Betrugsprognosen zeigt das klar.

Und mancher sich die Taschen füllte,
da fragt man schon nach Haftung, Pflicht,
weil vormals Bürger schon enthüllten,
dass dies Projekt sich rechnet nicht.

© Ingrid Herta Drewing,2018

Winters Maskerade

Die Luft ist mild, und auf den Wiesen
erblühen goldgelb Winterlinge,
auch Gänseblümchen reichlich sprießen.
Als sei schon Frühling guter Dinge,
hör ich bereits die Finken schlagen,
die sich hier hell zu werben wagen.

Dies sind wohl Winters Kapriolen,
der alle neckt zur Narrenzeit,
den Frühlingsprinz‘ spielt unverhohlen.
Dornröschen Erde scheint bereit,
empfängt ihn, lässt sich gerne küssen,
statt fröstelnd darben hier zu müssen.

Jedoch bald folgt das Demaskieren,
vorbei das milde Interim,
erneut wird Kälte sie brüskieren.
Was jetzt noch blüht, das friert dann schlimm,
wird seinen zarten Glanz verlieren,
bis Frühling wirklich darf regieren.

© Ingrid Herta Drewing,2018