Waches Ich

Schon seltsam,wie ein hilflos kleines Ich,
aus Dunklem kommend, in sein Dasein gleitet,
entdeckt im Spiel mit Andern sein Für-Sich,
das es bewusst auf seinem Wege leitet.

Es fühlt, erfährt die Welt mit allen Sinnen,
erlebt, empfindet tief die Freude, Schmerz;
und immer wieder singt ein neu Beginnen
ihm Liebeslieder in das junge Herz.

Auch wenn dann Müdigkeit der Lebensjahre
den Körper zwingt, sich ruhiger zu verhalten,
spielt es den Revoluzzer, und das klare
Bewusstsein liebt noch immer das Gestalten.

Denkt es erinnernd auch im Alter gern zurück,
so gilt doch Gegenwart und Zukunft wach sein Blick.

© Ingrid Herta Drewing

D e´j a`- V u

Schon wieder eine solche Spurensuche
und Giftgasopfer, mir ein De´ja`- Vu!
Des Todes Fratze lacht auf bleichem Tuche
und wieder hechelt wild Kriegshysterie.

Lasst ab, schießt nicht dorthin mit Bombendrohnen!
Zerstört nicht, was noch heil am Leben ist!
Ihr tötet Menschen, die in Trümmern wohnen;
glaubt ihr, dass euch dies Recht gegeben ist?

Wer heilen, helfen will,der darf nicht töten.
Seht doch, wie arg geschunden der Irak!
Lässt euch vor Scham nicht jener Krieg erröten,
den ihr verlogen führtet, dieses Massengrab?

Dort, wo Gewalt der Unschuld widerfährt,
ist Bombenkrieg als Lösung gar nichts wert!

© Ingrid Herta Drewing,2013

Muße

Es spricht die Pflicht meist’: “Eile, eile!“
und treibt dich an zur Arbeitswut.
Jedoch die Seele sagt: “Verweile,
genieß’ den Augenblick, nur Mut!“

Was du vom Leben magst erwarten,
oft Wünsche nach dem fernen Stern;
der Duft, die Rose hier im Garten
wird dabei übersehen gern.

So vieles, was dich kann beglücken,
ist nahe liegend. Sei bereit,
das kleine Glück vom Strauch zu pflücken!
Die Muße schenkt dir Erntezeit.

© Ingrid Herta Drewing

Bitte

Nein, Herbst, ich will den Sommer noch nicht lassen,
wenn er sich gütig warm und licht hier gibt.
Zwar könnt’ ich seine Hitze manchmal hassen,
doch seine grünen Blicke sind mir lieb.

Auch mag ich ihn, wenn seidig seine Lüfte
umschmeicheln uns in einer milden Nacht,
die Sternenträume des Jasmins, die Düfte
und Blütenfeuer, die er sanft entfacht.

Die Reife, die er bringt, die goldnen Ähren,
den blauen Himmel, helles Morgenlied,
obwohl er garstig sein kann und höchst störend,
wenn er gewitternd über Land ’mal zieht.

Wart’ bitte noch ein Weilchen! Im Kalender
ist doch erst in vier Wochen dein Termin.
Dann kannst du kommen, färben am Geländer
die Blätter jener Ranken, die jetzt grün.

© Ingrid Herta Drewing, 2013

Sommers Abschied

Geruhsam gibt sich dieser Sonntagmorgen;
der Himmel müde,Wolken grau verhangen.
Die Luft vermag noch Milde sich zu borgen;
der späte Sommer stillt hier dies‘ Verlangen.

Die Büsche, Bäume, die der Regen netzte,
genesen von zu langer Trockenheit;
wo kürzlich Sommersonne Zeichen setzte,
erstrahlt jetzt Laub erfrischt im grünen Kleid.

Es gönnt der Sommer sich die sanfte Ruhe,
entrückt von Trubel, Hitze, Lichtgesang,
denkt schon an Abschied, seine Reiseschuhe
sind blank geputzt; es währt wohl nicht mehr lang.

Dann wird er mit den Vögeln südwärts ziehen
und Herbstes Farbenfeuer hier erglühen.

© Ingrid Herta Drewing,2013

Sommers Neige II

Es zeichnet Zeit die Schatten der Zypressen;
sie wachsen in den Abend weit hinein.
Der Sommer übt errötend sein Vergessen;
am Horizont ertrinkt der Sonne Schein.

Der Zug der Kraniche, ihr Abschiedslied
mir unverborgen Herbstsignale sendet;
obwohl Spätsommer hier noch schwelend glüht,
dennoch dies‘ Flüstern, dass er bald nun endet.

© Ingrid Herta Drewing

Sommers Neige

Spätsommer-Blicke
streifen sonnig mild das Land,
zärtlicher Abschied.

© Ingrid Herta Drewing

Lebensmelodie

Es regt das Leben sich im Wachsen, Mühen
und steht zum Welken dennoch dann bereit.
Der Schönheit Knospen und ihr hell‘ Erblühen
erstrahlen leuchtend nur für kurze Zeit.

Der Duft, der Klang, die süße Melodie
für eine Weile nur im Äther schwingen;
doch schenken sie der Welt die Harmonie,
die sanft und zart das Dunkel wird bezwingen.

© Ingrid Herta Drewing

Rosenduft

Rose, erblühend
schenkst du dein duftendes Lied,
so lieblich und mild.
Der Wind trägt ’s in die Weite.
Sommer-Nasenseligkeit.

© Ingrid Herta Drewing

Ermunterung

Ich wische mir den Trübsinn aus den Augen,
erfasse klar, was Tagen nun verspricht.
Wo die Vernunft als Richtschnur mir mag taugen,
erwarte ich in Sturmgesängen Licht.

Da heißt es aufrecht gehen, Ziel gerichtet,
den Blick auch in das Dunkel nicht vermeiden,
zu denken, fühlen Leben uns verpflichtet,
nicht stumm ertragen Mensch gemachte Leiden!

Gemeinsam jene kleinen Schritte wagen,
die letztlich doch in etwas Großes münden,
nicht mutlos bei Beginn schon zu verzagen.
Wer glaubt und hofft und denkt, wird Wege finden.

Wenn wir vernünftig, einig uns aufraffen,
gelingt ’s uns, eine bess’re Welt zu schaffen.

© Ingrid Herta Drewing