Sommers Rückkehr

Der Sommer stimmt die Saiten
und lädt zum Tanze ein,
um spielend zu begleiten
der Sonne hellen Schein.

Der Regen ging auf Reisen,
nur noch ein Wölkchen lacht
und schwebt so zart und leise
in blauen Himmels Pracht.

Es zogen zwar nach Süden
die Schwalben unlängst fort.
Sie flohen, regenmüde,
doch Amseln sind vor Ort.

Beglücken uns noch immer
mit ihrem Flötenlied,
bis dann im Sternenschimmer
die Nacht den Vorhang zieht.

© Ingrid Herta Drewing

Parfüm

Die Sonne schien die Rosen zu behüten;
nur ab und zu ein muntrer Schmetterling
sich zärtlich schmiegte an die zarten Blüten,
dort schwelgend in dem Duft, der ihn umfing.

Die Ernte kam, und alle Blüten fielen
in Körbe, wurden sorgsam ausgezupft.
Als Rohstoff mussten sie die Rolle spielen;
das Rosenöl ward kundig dann gelupft.

Für lange Zeit die Süße zu bewahren
und zu genießen flüchtige Natur,
kunstvoll gebannt; seit tausenden von Jahren,
kreiert der Mensch Parfüm, folgt Duftes Spur.

Und träumt im Winter von der Rosen Feuer,
erkauft sich Sommerillusion auch teuer.

© Ingrid Herta Drewing

Sommerintermezzo

Den Regenmantel weggehängt,
der  Sonnenschirm ist nun willkommen.
Die Sonne zärtlich uns bedrängt,
vom Sommer in den Arm genommen.

Es hat das nasse Zotteltier
für eine Weile sich verkrochen.
Kein Wolkentrupp steht mehr Spalier;
nur Himmelblau scheint uns versprochen.

Der Kinder Traum vom Ferienglück,
von Freiheit, Spiel und Spaß im Bade,
er meldet wirklich sich zurück.
Ins Freie geht es mit dem Rade.

Doch Wetterfrösche prophezeien,
ein Intermezzo sei dies nur,
und Schwüle, bald Gewitter seien
den Sommerfreuden auf der Spur.

© Ingrid Herta Drewing

Sommertag

Ein Hoch; die Sonne herrscht in heller Runde,
und blauer Himmel schirmt die kleine Welt .
Ein Lichtfest nun erglüht zur Mittagstunde,
dazu hat leichter Wind sich eingestellt.

So zeigt der Sommer sich erfrischend klar.
Der Tag, er strahlt jetzt ohne Hitze, Schwüle.
Im Straßencafé sitzt manch trautes Paar,
auch auf der Parkbank lächeln die Gefühle.

Die Kinder, die ihr Eis genüsslich schlecken,
sie hält jetzt kein Computerspiel im Haus.
Im Freien wollen sie die Welt entdecken
und toben sich im Spiel so richtig aus.

Und mancher Rentner weilt auf dem Balkon,
genießt beschaulich seiner Arbeit Lohn.

© Ingrid Herta Drewing

Sommerhoffnung

Der Herbst blickt jetzt zu früh ins Land,
noch grünen alle Blätter.
Mit Sturm und Regen unverwandt
bedroht uns nun das Wetter.

Wir sehnen uns nach Sonnenlicht,
nach Spiel und Badefreuden.
Jedoch nur gräulich spricht Verzicht,
will unsre Zeit vergeuden.

Ostfriesennerze angesagt,
auch Pulli, feste Schuhe,
die Seidenkleider, nicht gefragt ,
verbannt in Schrank und Truhe.

Doch hoffen wir, dass der August
noch Sonne wird bescheren.
Ein Sommerwetter ohne Frust
mag er uns hier gewähren.

Ingrid Herta Drewing

Grauer Sommersonntag

Wie grau doch dieser Sonntagshimmel blickt,
da wirkt sogar der Amselhahn geknickt,
der dort hoch auf dem Dachfirst sitzt und schaut,
wohl seinem eignen Flöten heut’ misstraut.

Es ist fast still, nur einer Taube Gurren
klingt guttural aus weiter Ferne her,
und schläfrig ruft des schwarzen Katers Schnurren
Dornröschenstimmung, hundertjährig’, her.

Das mag man nicht als Sommer hier benennen,
obwohl der Pflanzen Grün dagegen hält.
Es fehlt das Lächeln; Leichtigkeit erkennen
wir heute kaum in unsrer kleinen Welt.

Jedoch wir wissen, auch dies’ wird wohl enden,
bald streifen Sonnenprinzen durch ’s Gelände.

Ingrid Herta Drewing

Zu Klimts Gemälde“ Der Kuss“

Verflochten, verwoben
in goldenem Vliese,
sie, blühend
wie die Sommerwiese,
lieb geborgen
in seinem Arm.

Ein Sonnengott
küsst die Erde warm,
in lichtem Mantel
sanft versunken,
hingegeben
und
liebestrunken.

Ingrid Herta Drewing

Sommerfreude

Nun trägt der Sommer sie auf goldnen Armen,
die kleine Welt, vertrauensvoll sie blickt,
fühlt sich geborgen in den klaren, warmen
und blauen Tagen, hell ins Licht geschickt.

Die Felder wogen sanft im milden Winde,
und auf den Wiesen duftet würzig Heu.
Der sternenklaren Nächte Luft, so linde,
erweckt den Zauber alter Träume neu.

Im stillen Park die Lindenbäume blühen,
ein Honiglied summt in den Wipfeln, zart
die süßen Düfte durch die Lüfte ziehen,
umschmeicheln uns auf wunderbare Art.

Und lächelnd, dort im Hag der wilden Rosen,
erwartet uns des Sommers zärtlich Kosen.

Ingrid Herta Drewing

Mittagspause

Ich mag es, wenn die Luft so klar und rein,
die Sonne strahlend hell am Himmel thront,
und in des Mittags warmem Sonnenschein
der Lärm verstummt, die Stille sanft belohnt.

Dann sitz’ ich auf der Bank, nah’ der Rotunde,
genieße meine Pause, die mir bleibt,
bis Arbeit ruft erneut in ihre Runde
und mich zurück mein Pflichtbewusstsein treibt.

Doch diese stille Stunde bei der Linde,
in deren Schatten ich so gern verweile,
lässt mich beschaulich meine Mitte finden,
es mag, was sonst gestresst, auch wieder heilen.

Die Ruhe erst gewährt uns jene Kraft,
die uns für ’s Leben Energie verschafft.

Ingrid Herta Drewing

Morgenidylle

Auf silberfarbenen Flügeln
schwebt sanft der Morgen ins Land;
und Helios ergreift die Zügel.
Die Macht der Nacht ist gebannt.

Die Nebel schwinden, die Erde,
geziert von der Tauperlen Licht,
erstrahlt nun in neuem Werden,
das hell aus den Blüten spricht.

Und lieblich ertönt ein Singen,
der Vögel munterer Chor.
Die Welt beginnt klar zu klingen,
blickt freudig zum Himmel empor.

Ingrid Herta Drewing