Archive for the Category Besinnliches

 
 

Glücksklee

Als Kinder waren wir bestrebt,
doch möglichst dieses Blatt zu finden,
das uns vierblättrig, hell im Klee
dann sollte unser Glück verkünden.

Du fandest nie dies Glückskleeblatt,
hast deine Hoffnung leicht gelupft
und dann das fünfte, grüne Blatt
still, Schicksal spielend, ausgerupft.

So ist es wohl im Leben oft,
wir fördern selbst, was uns beglückt.
Wer sich ergibt und gar nicht hofft,
den weist Fortuna gleich zurück.

Und wenn sie dir auch prophezeien,
dein Stern, der stünd’ im falschen Haus,
dann weißt du, sie sind alle Laien.
Dein Stern, er leuchtet, lacht sie aus.

Ingrid Herta Drewing

Winterleid

In den erstarrten Schnee
den Fuß gesetzt,
kein Flockenweich
ist mir begegnet,
womit vor kurzem noch
die Landschaft
war so sanft gesegnet.

Fast feindlich
ist des Winters Blick.
Gebeugt, zerbrochen
sind die stolzen Bäume.
Am Wegesrand
liegt Stück für Stück
die Hoffnung
meiner Sommerträume.

Du musst ’s ertragen!
sagt mir mein Verstand.
Dir hilft kein Klagen
und kein trübes Sinnen.
Was hier
ein jähes Ende fand,
verlangt von dir,
neu zu beginnen.

Ingrid Herta Drewing

Erwartung

So wie der Apfelkern in dem Gehäuse
sanft reift, für jenen fernen Tag bestellt,
an dem er mit der Frucht, sich lösend, leise
vom Zweige nieder auf die Erde fällt.

So wartest du auch hier auf ein Gelingen
der Pläne, Taten und des Lebens dein,
bis dann dein schlummernd’ Lied beginnt zu singen,
und klingt, hört auf, nur vage Traum zu sein.

Begleitet wohl von einem tiefen Glauben
und Hoffen, dass dich segne Gottes Hand,
beschützen werde, und die Friedenstauben
auch weiterhin hier weilen in dem Land.

Denn dort, wo Liebe in der Welt regiert,
gedeihen Früchte, die man nicht verliert.

Ingrid Herta Drewing

Rechtzeitig

Was lebt, das sucht sich seine Zeit
und auch den Ort für seine Weile.
Wir Menschen, meistens nicht gescheit,
uns jagt des Tages Eitelkeit,
sind oft bedenkenlos in Eile.

Obwohl wir es doch wissen sollten,
dass alles, was so rasch entsteht,
noch eh’ es etwas hat gegolten,
längst als vergangen wird gescholten
und schnell im Tageslicht vergeht.

Nur was solide wird gebaut,
was wir gehegt und treu erschaut,
das wird uns auch beglücken.
Mag ’s auch die Zeit entrücken,
es bleibt uns innig lieb vertraut.

Ingrid Herta Drewing

Vanitas

Vertrocknet steht der Tannenbaum.
Ach, welch ein Jammerbild,
obwohl des Flitters Silbertraum
noch seine Zweige hüllt.

Vorbei das hoffnungsvolle Grün,
der Duft, erfüllt von Leben,
das gar zu schnell doch kann entflieh’n;
dies zeigt der Baum soeben.

Und mahnt, man möge nicht vergessen,
zu leben mit Bedacht
und liebend pflegen die Interessen,
denn lange währt die Nacht.

Ingrid Herta Drewing

Versöhnen

Hörst täglich die bösen Berichte,
doch heimlich, sehnsüchtig ranken
verspielt sich Träume, Gedanken,
entfalten dir zärtlich Gedichte.

Und wandeln auf heiligen Spuren
der Rose, in Schnee geschrieben;
ihr Flüstern sagt schlafenden Uhren,
es sei endlich Zeit, zu lieben.

Da rasseln die Wecker, ihr Dröhnen
wird liebliches Klingen, und bald
ertönt das Lied vom Versöhnen,
das lange im Herz widerhallt.

Ingrid Herta Drewing

Auf dem Waldweg

Am Wegesrand, gestapelt, liegen Bäume,
im Sturm zerbrochen unter nasser Last,
im Schnee verloren, grüne Träume,
nach denen Frühling, Sommer nicht mehr fasst.

So hoffnungsvoll im Sommerwind gewiegt,
noch jüngst den goldnen Herbst gegrüßt verwegen,
des Lebens bar, im Winter nun besiegt,
ist ihrer Schönheit Kraft dem Tod erlegen.

Sind dies auch Katastrophen der Natur,
die nur im Kleinen wirken, unbeachtet,
so zeigt mir machtvoll der Zerstörung Spur,
wie schnell der kalte Tod das Leben nachtet.

Da tröstet mich auch die Vermutung kaum,
dass dieses Holz verschönt den Wohnungsraum.

Ingrid Herta Drewing

Spaziergang im Januar

Die Freude an dem klaren Wintermorgen
erfüllt mich, lächelnd geh’ ich meinen Weg,
erschau das Schöne, das noch halb verborgen
sich in der weißen Stille um mich regt.

Am Futterhäuschen stieben flugs die Meisen;
sie wurden hier von lieber Hand bedacht.
die Amsel mischt sich gern in ihre Kreise,
fühlt sich recht heimisch unterm kleinen Dach.

Als Stern blinkt durch den Wald der Sonne Licht
und zaubert in den Schnee ein zartes Glänzen,
verleiht dem Tag dies strahlende Gesicht;
ein blauer Himmel darf das Bild ergänzen.

So lob’ ich mir des Jahres Neubeginn,
schenkt klare Sicht, belebt mir Seel und Sinn.

Ingrid Herta Drewing

Silvester-Abfall

Erbärmlich blickt die Straße,
verschmutzt, ins neue Jahr;
die Böllerrest’ auflasen
sie nicht, sind schäbig da.

Vermischt mit grauem Firn
ein Trauerblick, Silvester;
vergänglich mahnt das Gestern,
zeigt Frische noch die Stirn.

Den Himmel scheint zu rühren
der Anblick, Schönes rar,
mag ihn ins Reine führen,
und Schnee fällt, weiß und wahr.

Ingrid Herta Drewing

Silvesterwünsche

Wir sind wohl hoffnungsvolle Optimisten,
begrüßen froh gestimmt das neue Jahr
und glauben, dass sich nun doch bessern müsste,
was uns im alten gar zu garstig war.

Gesundheit sehnt herbei der leidend Kranke,
an Arbeit denkt, wer lang schon arbeitslos.
Der Klimagunst gilt grün auch der Gedanke,
man wünscht sich, Einsicht werde endlich groß.

Der Eine träumt von seiner großen Liebe,
ein Anderer sieht ’s Glück in Gut und Geld.
Bescheiden wünscht so mancher, Frieden bliebe
erhalten ihm in seiner kleinen Welt.

So wähnen wir das Wohl im Zeitenschritt,
und immer geht die Hoffnung lächelnd mit.

Ingrid Herta Drewing