Sinn und Sage

Und Worte klingen sanft aus alten Sagen,
ein fremder Zauber wird mir offenbar.
Die Lieder singen von vergang’nen Tagen
und einer Welt, die gänzlich anders war.

Doch vieles gleicht sich, denn des Menschen Leben
kennt heute so wie damals Freud und Leid.
In Liebe glücklich wie auf Wolken schweben,
die Treue, das Vertrauen im Geleit.

Auch die Gefahren, die noch immer drohen,
die Krankheiten,der Krieg, die Not, der Tod.
Nichts kann bewahren dauerhaft vor rohen,
gemeinen Seiten, falschem Sieggebot.

Nur hin und wieder eine Friedenszeit
trägt rosenschön der Hoffnung helles Kleid.

© Ingrid Herta Drewing

Lebensglück

Wonach man strebt,ist mehr als Wohlbefinden;
wir Menschen wollen auch gern glücklich sein,
versuchen, wenn wir’s haben, Glück zu binden,
im Wahn, dies‘ sei der höchste Wert allein.

Jedoch so flüchtig ist ’s, lehrt uns verstehen,
dass hier im Leben nichts sich halten lässt:
Dem Werden, Wachsen folgt stets das Vergehen;
nichts bleibt beständig, enden wird das Fest.

Und dennoch nähren wir dies‘ süße Hoffen
auf eines kleinen Glückes Ewigkeit
und wünschen uns , dass alle Himmel offen,
fern aller Leiden und Vergänglichkeit.

Bejahen unsres Daseins sanfte Spur,
ein Leben in sich wandelnder Natur.

© Ingrid Herta Drewing

Ermunterung

Das Morgenlicht zu schauen, nun erwacht,
dich lösend aus des Alptraums Grauen,
beginnt dein Tag hier sanft und sacht;
und Helligkeit schenkt dir Vertrauen.

Was nächtens dich gequält, verflogen;
nun gehst du aufrecht, leicht dein Sinn.
Wie’s scheint, ist vieles dir gewogen,
streckt gütig dir die Hände hin.

Auch wenn du arm und schwach und klein,
begleitet dich der Sonne Licht
und lädt dich hell ins Leben ein.
Du bist ein Mensch, vergiss das nicht!

© Ingrid Herta Drewing

Foto

Ein kurzer Klick,
ein Augenblick
im Bild
erstarrtes Leben
pulsierte doch
noch eben!
Nun scheint ’s apart
und separat
im Zeitlosen
zu schweben.

© Ingrid Herta Drewing

Segenswunsch

Gesegnet sei von guten Mächten
dein Leben hier, mein liebes Kind,
und auch in finsterschwarzen Nächten
sei Böses fern dir, nichts was brächte
Gefahren, die voll Unheil sind!

Gott halte dich in seiner Güte
stets,wohl geborgen, in der Hand!
Er möge liebend dich behüten,
damit auch deines Lebens Blüte
in Frieden reife hier im Land!

© Ingrid Herta Drewing

Gewissheit

Wohl temperiert liebst du nun deine Tage,
vorbei das Abenteuer, die Extreme;
bist angekommen, dennoch lockt die Frage
nach Lebenssinn auch dich hier ohne Klage
aus dem Refugium des Angenehmen.

In Sternen dort am Himmel, Galaxien,
siehst du nicht nur den Zauber und das Licht,
der großen Ordnung Sphärenharmonien,
sondern der ungeahnten Kräfte Ziehen,
das dir auch von des Menschen Ohnmacht spricht.

Jedoch, geborgen tief in deinem Glauben,
dass Gott uns gütig hält in seiner Hand,
wird dir kein Gammablitz die Hoffnung rauben,
dass jene weißen, sanften Seelentauben
den Ölbaumzweig auffinden,fernen Strand.

© Ingrid Herta Drewing

Dank

Ich danke dir, Gott,
hast mir Leben gegeben,
dazu das Bewusstsein.
Ich bin nicht allein.
Im irdischen Streben,
im liebenden Schweben
fühl’ ich dieses Glück,
als Mensch hier zu sein.

Denn wär’ ich ein Stein,
ich hätte kein Herz,
empfände kein Sein
und auch keinen Schmerz.
Zwar würd’ ich steinalt,
doch ohne zu leben,
was sollt’ mir das geben?
Wär’ arg hart und kalt,
würd’, ohne zu zittern,
ganz langsam
verwittern.

© Ingrid Herta Drewing

Traumtanz

Es fegt ein kühler Wind durch meine Träume,
das Sonnenfenster scheint schon zugeklappt,
und wo einst Blüten reiften in den Bäumen
hat kahler Winter alles nun ertappt.

Und dennoch wartet da ein zartes Hoffen
auf einen goldnen Tag und Neubeginn,
auch wenn das Leben, winterlich betroffen,
nun langsam fährt auf stillem Fluss dahin.

Noch lässt des Sternes Licht das Lächeln zu,
hell grüßend hier in seinem Sonnenglanz.
Die Träume tragen leichte Flügelschuh‘
und schenken den Gedanken ihren Tanz.

In ihrem Reigen folgen sie dem Wind
dorthin, wo Träume wahr geworden sind.

© Ingrid Herta Drewing,2013

Jahresfreuden

Wir hegen Träume,schauen zu den Sternen,
die hell erstrahlen, zeigen Lichtes Macht,
das, überwindend dieses Welltalls Fernen,
von Hoffnung kündet in der dunklen Nacht.

Im Frühling freu’n wir uns an Blüten wieder,
die lieblich und betörend Duft verströmen,
an Vogelstimmen, deren süße Lieder
uns schon am Morgen klangvoll hier verwöhnen.

Wir lieben auch die langen Sommertage,
die uns bescheren Wärme, helles Licht,
obwohl dann manchmal der Gewitter Plage
nach schwüler Hitze blitzend, donnernd spricht.

Den goldnen Herbst mit seinen Purpurfeuern,
die er nach Reifung in das Laub einbrennt,
ein Abschiedslied, hier darf Natur beteuern,
dass sie gewiss des Lebens Schönheit kennt.

Begrüßen Wintertage, klare Luft,
den ersten Schnee, der sanft vom Himmel fällt,
wenn wir, gut eingehüllt in warme Kluft,
spazieren durch die stille, weiße Welt.

Wir schwingen mit im Kreislauf der Natur.
Dies‘ Wechselspiel aus Werden und Vergehen,
es lässt auch unser Leben uns verstehen,
das sich bewegt auf einer zarten Spur.

© Ingrid Herta Drewing

Aufgewacht

Wieder erwacht!
Dies‘ Wunder jeden Morgen!
Ein Tag holt neu dich auf die Welt.
Du warst weit weg,
in Träumen tief geborgen,
in Sphären, die ein sanfter Schlaf bestellt.

Dein Ich ist da
und sieht die Wirklichkeiten
im Blick der linearen Zeit.
Du merkst, geweckt,
dass dich der Träume Gleiten
hier lenkt zum Leben, dir sagt:Sei bereit!

© Ingrid Herta Drewing